Der Begriff “Biografie” vereinigt in sich einen weiten Bereich an Formenvielfalt und Komplexität verschiedener Texte. Eine Biografie ermöglicht es, einen detailliert erzählten Einblick in das Leben einer zeitgenössischen oder historischen Person zu erhalten. Sie beantwortet im besten Fall bohrende Fragen, erklärt diverse Handlungen oder Äußerungen und bringt uns den jeweiligen Menschen näher.

Biografie

Der Begriff “Biografie” vereinigt in sich einen weiten Bereich an Formenvielfalt und Komplexität verschiedener Texte.

So ist deren Erforschung bspw. auch ein Schwerpunkt in der Komparatistik, der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturgeschichte, welche verschiedenste Literaturgattungen, einzelne Dichter und deren Einflüsse auf ihre oder nachfolgende Epochen untersucht.

Eine umfassende Abhandlung der jeweiligen Zeit, einer bestimmten, literarischen Figur und dem Vergleich miteinander, wird so in unzähligen Handbüchern und Nachschlagewerken, der Sekundärliteratur zugehörend, interpretiert. Dies muss nicht zwangsläufig literarisch schwer verpackt werden, sondern kann durchaus als leicht lesbare und abwechslungsreiche Lektüre aus wissenschaftlichen Monographien neue Impulse bringen.

Biografien können auch mehrere Personen eines bestimmten Bereiches beinhalten. So z.B. in der “Biografie der Ärzte”, in zwei Bänden 1829 bei Carl Brüggemann erschienen. Eine Biografie ist, anders ausgedrückt, wie eine komplexe, aktuell zeitbezogenere Monographie im rückblickenden Zeitraffer.

Autobiografien – Memoiren

Wenn man nun über sein Leben selbst schreiben möchte, sei es auch anonym, so wird eine Autobiografie daraus, früher auch noch poetisch Memoiren genannt und daher auch oft ebenso betitelt. Hier beleuchtet man in Eigenregie sein Leben oder einzelne Lebensbereiche mit einer gewissen zeitlichen Distanz. Das ist auch der Unterschied zum Tagebuch, da dieses im Nachhinein zwangsläufig keinen aktuellen Bezug besitzt und eher einem Zeitdokument entspricht. Aufzeichnungen daraus, aus Briefwechseln oder auch Reiseerzählungen können dabei den Inhalt vervollkommnen.

Berühmte oder auch interessante Autobiografien gibt es vom Sonnenkönig Ludwigs XIV. – “Memoiren”, entstanden um 1670 oder dem berühmt-berüchtigten Giacomo Casanova. Seine trug, über hundert Jahre nach dem des Sonnenkönigs, denselben Titel und ist gleichzeitig ein Sittengemälde seiner Zeit. Heinrich Heine, unser letzter Dichter der Romantik, ein schreibender Kämpfer, der für seine Ideale Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit mit scharfer Dinterzunge einsteht, schrieb die seine todkrank 1854 in Frankreich, als seine Schriften in Deutschland längst zensiert wurden oder gar verboten waren. Die Memoiren der umstrittensten deutschen Künstlerin Leni Riefenstahl sind wiederum ein erstaunliches Werk, in dem sie selbst mit vielen Vorurteilen und Gerüchten aufräumt, welche ihre Arbeit und ihre Person immer wieder in Verruf brachten und medial für großen Wirbel gesorgt hatten.

Biografien früher & heute

Früher schrieb man sie nur über bedeutende, berühmte Persönlichkeiten. Heute gibt es, nahezu jede Sparte abdeckend, unzählige in der Bücherkruschkiste, statt sorgfältig eingereiht und systematisch geordnet in einem Bücherregal. Das sagt leider schon einiges über den derzeitigen Stellenwert eines Buches bzw. in diesem Fall einer Biografie aus. Auf manche Publikation hätte man auch gern verzichtet. Dabei sind Biografien noch immer ein wichtiger Teil unserer Erinnerungskultur, in der man Bedeutsames und Wichtiges dokumentieren und für nachfolgende Generationen festhalten sollte.