Die Verwendung von Indikativ und Konjunktiv im Deutschen

In der deutschen Sprachwissenschaft übernimmt der Indikativ (die Grundform) eines Verbs üblicherweise die Aufgabe, eine Aussage als etwas Wirkliches oder tatsächlich Geglaubtes zu übermitteln. Die direkte Rede wird dabei durch den einleitenden Doppelpunkt und die einrahmenden Anführungszeichen vor und hinter dem Gesagten markiert.

Ein Beispiel dazu:

Der Verteidiger sagte: “Das glaube ich nicht.”
Wenn man jedoch die Aussage eines anderen ohne wörtliche Rede wiedergeben möchte oder muss, benutzt man – insbesondere im formellen mündlichen oder schriftlichen Sprachgebrauch – die indirekte Rede und damit die grammatikalischen Formen des Konjunktiv I. Dann fallen der Doppelpunkt und die einrahmenden Anführungszeichen weg. Stattdessen wird als Satzzeichen vor der Wiedergabe der fremden Aussage ein Komma eingefügt.

Der oben genannte Beispielsatz würde dann in der indirekten Rede folgendermaßen aussehen: Der Verteidiger sagte, er glaube das nicht.

Durch die Verwendung des Konjunktiv I schafft man eine gewisse Objektivität und Distanz zu Aussagen anderer, die insbesondere bei formellen Anlässen, Texten oder Ansprachen erwartet wird. Zudem können umfassendere Beiträge durch die Verwendung des Konjunktiv I auf das Wichtigste reduziert und dadurch verkürzt wiedergegeben werden.

So lässt sich auch das bekannte, als Imperativ formulierte Zitat von Immanuel Kant:
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“, der sogenannte kategorische Imperativ, etwas vereinfacht und verkürzt in die indirekte Rede umformulieren:

Kant forderte, man solle nur nach derjenigen Maxime handeln, von der man sich wünschen könne, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

In der indirekten Rede ändern sich, wie auch im Beispielsatz von Kant, die verwendeten Pronomen je nach Kontext und Adressatenkreis sinngemäß, ebenso wie Adverbien des Ortes oder der Zeit. Erläuternde Verben können ebenfalls eingefügt werden, um den Zusammenhang zu verdeutlichen. Dadurch kann sich der Originalwortlaut des Gesagten geringfügig ändern, der Inhalt sollte allerdings der Gleiche bleiben.

Konjunktiv II im Deutschen

Neben dem Konjunktiv I gibt es im Deutschen auch den Konjunktiv II, der auch als der “Konjunktiv der Nichtwirklichkeit” bezeichnet wird.
Damit lassen sich irreale Wunschsätze (“Wenn sie doch nur gesund wäre!”) ebenso ausdrücken wie irreale Bedingungssätze (“Wenn ich Zeit hätte, käme ich morgen zu dir.”). Weitere Anwendungsgebiete des Konjunktiv II sind irreale Vergleichssätze (“Sie sieht mich an, als ob sie mich nicht verstanden hätte.”) und irreale Folgesätze, wie: “Es ist noch zu früh, als dass ich schon bei ihm anrufen könnte.”

Da bereits viele Vertreter der starken Verben in den Konjunktiv II-Formen als veraltet gelten (wie zum Beispiel “bäte, grübe, träte”), werden diese häufig durch die Umschreibung mit “würde + Infinitiv” ersetzt (= würde bitten, würde graben, würde treten).