Das Angebot einer Abendschule richtet sich in erster Linie an berufstätige Erwachsene. Bei dem Charakter der Abendschule wird davon ausgegangen, dass die Schulbesucher beziehungsweise die Abendschüler tagsüber ihrem Beruf zum Erwerb des Lebensunterhaltes nachgehen. Der Begriff Abendstunden lässt sich unterschiedlich definieren. Im Berufsalltag sind sie die Zeit nach der täglichen Arbeit. Die endet vielfach, begünstigt durch Gewerkschaften und die von ihnen ausgehandelten Tarifverträge, oftmals schon in den Nachmittagsstunden ab etwa 16.00 Uhr. Dann beginnt die freie Zeit, über die nach eigenem Ermessen entschieden werden kann. Eine von mehreren Möglichkeiten ist der Besuch einer Abendschule.

Stagnation ist Rückschritt – Weiterbildung muss sein

Als eine oftmals staatlich anerkannte Bildungseinrichtung bieten Abendschulen sowohl eine Aus- als auch eine Fort- oder Weiterbildung an. Die kann sich sowohl auf den schulischen als auch auf den fachberuflichen Bereich beziehen.

Zu den typischen Formen von Abendschulen gehören

Mit dem Begriff Abendschule sind nicht nur die werktäglichen Abendstunden angesprochen, sondern auch die arbeitsfreien Wochenenden. Der Besuch einer Abendschule bedeutet vielfach auch, dass zusätzlich am Samstag in den Vormittagsstunden gelehrt und gelernt wird. Für den Berufstätigen ist die Abendschule eine geradezu ideale Möglichkeit, um sich fortzubilden. Während der tariflichen Arbeitszeit ist das nicht möglich, weil dann buchstäblich gearbeitet werden muss. Jeder Beruf und jede Berufssparte entwickelt sich laufend fort. Der Mitarbeiter muss Neues in der Theorie lernen und anschließend in der Praxis anwenden. Für das Lernen bleibt ihm in der Regel nur die freie Zeit außerhalb der vertraglichen Arbeitszeit. Wenn der Mitarbeiter mit der Entwicklung im Unternehmen nicht Schritt hält, dann wird er, wie es heißt, kurz über lang abgehängt. Langfristig hat das zur Folge, dass er nicht befördert wird, beruflich nicht weiterkommt. Damit sind dauerhaft sowohl Einnahmeverlust als auch sinkende Stellung im Unternehmen die Folge.
Für eine schulische Weiterbildung ist die Abendschule am Ort vielfach die einzige Gelegenheit, um Schulabschlüsse nachzuholen. Die Anlässe dafür sind vielseitig und in den meisten Fällen privater Art. Um einen Beruf zu erlernen, muss der Betroffene einen Schulabschluss nachweisen können. Der Hauptschulabschluss ist die Mindestvoraussetzung dafür, um in einem Fachberuf lernen, also eine Lehre antreten zu können. Ohne den Schulabschluss kann der Lehrherr keinen Ausbildungsvertrag abschließen. Jugendliche ohne bisherigen Schulabschluss sind insofern dringend auf das Angebot der Abendschule am Ort angewiesen.

Disziplin, Motivation und familiäre Unterstützung

Der Besuch einer Abendschule zieht ein heimisches Lernen, die bekannten Haus- oder Schulaufgaben, automatisch nach sich. Eine Präsenz in der Abendschule wird ein- bis zweimal wöchentlich erwartet. Die Abendschule ist, im Gegensatz zur Tagesschule mit ihrer Schulpflicht, die freiwillige Entscheidung des Einzelnen. Hier lernt erfahrungsgemäß jeder für sich. Der Abendschüler ist bestrebt, nach Schulschluss auf direktem Wege zu seiner Familie zurückzukehren. Da sie tagsüber arbeiten, müssen sie ihre Haus-/Schulaufgaben zur Vorbereitung auf den nächsten Abendunterricht ebenfalls abends, also in den Abendstunden erledigen. Abendschule bedeutet, dass, abgesehen von wenigen Ausnahmen, alle Werktagabende vergeben sind. Der Abendschüler kann sich zwar stundenweise freimachen; er kann jedoch nicht den ganzen Abend mit Hobby, Familie oder anderen Notwendigkeiten verplanen. Der erfolgreiche Besuch einer Abendschule erfordert ein straff strukturiertes sowie organisiertes Privatleben. Das hat Vorrang vor allem anderen. Der Abendschüler muss motiviert sein und sich selbst motivieren können. Dazu muss das Lernziel als Perspektive stimmen. Sie ist die eigentliche Triebfeder für einen erfolgreichen Besuch der Abendschule.

Diese Aufgabe fällt mit Unterstützung der Familie leichter. Damit ist gemeint, dass der Abendschüler im heimischen Umfeld die Möglichkeit hat, ungestört und konzentriert lernen zu können. Das setzt eine klare Verteilung der Aufgaben und Verantwortung im familiären Umfeld voraus. Die Kleinen können ohne Weiteres mit einer Gutenachtgeschichte verabschiedet werden – aber Zeit für andere Spieleinheiten werden gering ausfallen. Alles Außergewöhnliche im familiären Alltag muss vom Abendschüler ferngehalten werden. An die Stelle des gemütlichen abendlichen Beisammenseins bei einem Glas Wein tritt ein konzentriertes Gespräch über den abgelaufenen und den bevorstehenden Tag, über Erziehung und Schule der Kinder, sowie zu familiären Terminen. Das muss allerseits gewollt sein und bedeutet eine große Umstellung gegenüber dem bisher gewohnten Miteinander.

Abendschule mit Abschluss bringt beruflichen Fortschritt

Voraussetzung für den zweifellos strapaziösen Besuch einer Abendschule muss die Gewissheit sein, dass ein Mehrwert garantiert ist. In der Regel lohnt sich der Einsatz wenn man bis zum Ende durchhält! Aus beruflicher Sicht ist das die Anerkennung des Abendschulabschlusses durch zuständige Behörden, durch Berufsinnung, Berufsverband oder durch die Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Abendschüler muss mit dem Abendschulabschluss die qualifizierte Voraussetzung für das berufliche Fortkommen schaffen. Jeder Abendschulabschluss bringt zwar ein Renommee mit sich, nicht immer jedoch auch ein berufliches Weiterkommen. Das zeigt sich durch die Beförderung im hierarchisch strukturierten Unternehmen, oder durch eine Gehaltserhöhung aufgrund einer besseren, nachgewiesenen Qualifikation. Der Abendschüler kennt das Unternehmen seines Arbeitgebers und kann abschätzen, welche beruflichen Vorteile er mit dem Zertifikat einer Abendschule erreichen kann. Hier liegt auch die Motivation für die ganze Familie, im wahrsten Sinne des Wortes an einem Strang zu ziehen.

Kostengünstige Aus- und Weiterbildung an der Abendschule

Auch in der heutigen Zeit ist die Abendschule eine der besonders kostengünstigen Bildungsmöglichkeiten für den Berufstätigen. Abhängig von der örtlichen Struktur einer Abendschule werden bestimmte Kurse oder Lehrinhalte finanziell gefördert; für den Abendschüler sind sie dementsprechend preiswert. Der kann seine Kosten und Aufwendungen steuerlich geltend machen. Bei der Jahressteuererklärung reduzieren die Ausgaben für den Abendschulbesuch das steuerpflichtige Einkommen und im Ergebnis die Steuerlast. Für den Besuch von staatlichen Abendschulen werden keine oder kaum Kosten erhoben, abgesehen von dem Lehrmaterial. Beim Besuch einer Abendschule zur Erlangung eines höheren Schulabschlusses kann ein elternunabhängiges Bafög beantragt werden. Es ist ein Zuschuss, kein rückzahlungspflichtiges Darlehen und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Grundsätzlich haben Lernende bis zum Alter von siebenundzwanzig Jahren beim Besuch der Abendschule einen Anspruch auf Kindergeld. Voraussetzungen dafür sind eine Mindeststundenzahl an wöchentlichen Unterrichtsstunden sowie das Unterschreiten der gesetzlichen Einkommensgrenze.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Abendschule mit ihrem facettenreichen Angebot für alle Bevölkerungs- und Berufsgruppen eine kostengünstige Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung ist. Ein klar definiertes Lernziel mit der dazugehörigen Perspektive ist die beste Motivation für den Abendschüler, um die Abendschule mit regelmäßigem Besuch und einem kontinuierlichen häuslichen Nacharbeiten erfolgreich abzuschließen. Entscheidend ist, dass er das Angebot der Abendschule annimmt und konsequent sowie diszipliniert umsetzt.

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