Die Abendschule ist für junge Leute eine Gelegenheit, abends ihren Schulabschluss nachzuholen oder einen höheren Schulabschluss zu erlangen, während sie tagsüber regulär arbeiten oder sich um andere Dinge kümmern können? In Abendschulen hat fast jeder Teilnehmer seine individuelle Geschichte – und natürlich gibt es dort auch schwangere Frauen. Was muss man in der Schwangerschaft auf der Abendschule beachten und worauf sollte man im Fall der Fälle vorbereitet sein?
 

Wieso sind Schwangere an einer Abendschule involviert?

Schwangere Frauen nehmen aus sehr ähnlichen Gründen an der Abendschule teil wie die anderen Schüler. Hier gibt es unzählige Beispiele gelungener Schulabschlüsse von jungen Müttern. Häufig haben sie jedoch die Schule abgebrochen, sei es wegen der Schwangerschaft selbst, wegen eines älteren Kindes oder aus anderen Gründen – jetzt wollen sie den Abschluss nachholen, um beruflich mehr erreichen zu können. Die Ausübung eines Berufs wollen sie während der 9 Monate nicht angehen, da sie ohnehin nach der Geburt ausscheiden müssen. Ein Besuch der Abendschule lässt sich dagegen eher realisieren und fordert sie auch nicht so sehr wie der Beruf. Viele Schwangere wollen auch einen noch höheren Schulabschluss erlangen, da sie mit ihrem bisherigen Beruf und Bildungsweg noch nicht zufrieden sind und mehr erreichen wollen. Gerade bei schwangeren Frauen spielt auch die Zukunft ihres ungeborenen Kindes eine große Rolle in der Entscheidung für die Abendschule.

Macht der Besuch der Abendschule für Schwangere Sinn?

Eine Vollzeit-Berufstätigkeit macht für Schwangere wenig Sinn – sie würden durch den Mutterschutz ohnehin bald ausscheiden, hinzu kommt in vielen Fällen die körperliche Belastung. Bei gesundheitlichen Problemen dürfen manche Frauen schon früh in der Schwangerschaft gar nicht mehr arbeiten. Doch den ganzen Tag zu Hause sitzen und nichts tun? Das wollen sie natürlich auch nicht. Wenn sich Mutter und Kind grundsätzlich guter Gesundheit erfreuen und die Frau nicht bereits früh am Abend müde wird, was in diesen 9 Monaten durchaus problematisch sein kann, ist jetzt ein sehr sinnvolles Zeitfenster für den Besuch einer Abendschule. Es gibt auf regulären Schulen bei Schulpflicht der Frau zwar auch den gesetzlichen Mutterschutz. Macht sie die Abendschule jedoch privat, kann sie selbst darüber entscheiden, wie lange sie sie besucht. Sie muss den Schulbesuch dann nur mit ihren persönlichen Bedürfnissen vereinbaren können. Bei längerer Dauer des Kurses sollte die schwangere Frau sich Gedanken über den Zeitpunkt der Geburt und die Kinderbetreuung danach machen, denn mitnehmen kann sie das Baby in den meisten Fällen eher nicht.

Vorteile des Besuchs der Abendschule

  • bei privaten Einrichtungen keine Bindung an gesetzlichen Mutterschutz
  • sinnvolle Nutzung der Schwangerschaftszeit
  • Vor- und Nachmittage sind frei für Arztbesuche

Nachteile des Besuchs der Abendschule

  • frühe, schnelle Müdigkeit während der Schwangerschaft
  • körperliche & geistige Belastung, Konzentrationsschwierigkeiten
  • Unterbrechung bei Geburt in der Unterrichtszeit (außerhalb der Schulferien)
  • Kinderbetreuung nach der Geburt

Wird auf Schwangere Rücksicht genommen?

Obwohl in Abendschulen nicht selten schwangere Frauen sitzen, wird auf sie keine besondere Rücksicht genommen. Wenn sie die Abendschule nicht im Rahmen ihrer noch bestehenden Schulpflicht, sondern aus persönlichem Ehrgeiz fehlen, dürfen sie bei den meisten Abendschulen zumindest im Unterricht fehlen, wenn es ihnen körperlich nicht gut geht. Andernfalls bräuchten sie dafür ärztliche Atteste. Manche Abendschulen unterstützen Schülerinnen in der Schwangerschaft aber damit, ihnen die Unterrichtsmaterialien elektronisch zukommen zu lassen, wenn sie nicht persönlich am Unterricht teilnehmen konnten. Klausuren und Prüfungen kann eine Schwangere in der Regel nachschreiben, wenn sie dafür nicht fit genug war. Termine für den tatsächlichen Schulabschluss werden aber meist strenger gehandhabt, da diese vom Bundesland organisiert werden. Verpasst eine werdende Mutter diesen Termin, muss sie schlimmstenfalls ein halbes oder ganzes Jahr warten, bis sie den Schulabschluss selbst machen kann. Dies hängt immer von Bundesland und Art des Schulabschlusses ab, weshalb sich die Schwangere am besten von ihrer Abendschule beraten lassen und dazu den errechneten Entbindungstermin mitbringen.

Macht eine Abendschule im Mutterschutz Sinn?

Der gesetzliche Mutterschutz reicht von 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin bis 8 Wochen nach dem tatsächlichen Geburtstag des Kindes. In dieser Zeit darf eine Frau nicht zur Arbeit herangezogen werden, auch wenn ihr Arbeitsvertrag weiter besteht und sie vom Arbeitgeber weiter bezahlt wird. Ausnahmen können im Mutterschutz vor der Entbindung auf ausdrücklichen Wunsch der Frau gelten. Wenn die werdende Mutter das will, kann sie aber eine Abendschule besuchen, auch wenn der Mutterschutz schon begonnen hat. Voraussetzung dafür ist, dass es ihr und dem Baby gesundheitlich gut geht und dass sie abends nicht zu müde ist. Viele Schwangere leiden unter so massiver Müdigkeit gegen Ende ihrer Schwangerschaft, dass sie in der Abendschule zu späteren Zeiten wenig vom Unterricht mitbekommen würden. Wenn die werdende Mutter gerade den Schulabschluss fertig macht und das in den Mutterschutz fällt, sollte sie natürlich nicht unterbrechen. Erst dann anzufangen, lohnt sich aber wahrscheinlich nicht mehr, da sie in dieser Zeit ohnehin keinen ganzen Schulabschluss nachholen könnte und durch die Geburt schon bald zumindest für einige Tage den Schulbesuch unterbrechen müsste.

Bildquelle: Schwanger in der Abendschule – bigstock ID 92297711 by  Dragon Images