Einer immer globaler agierenden Wirtschaft folgt eine genauso global eingestellte Arbeitnehmerschaft, wobei jede neue Generation, gerade in den Industrieländern, verstärkt grenzüberschreitend tätig wird. Das beginnt meist schon mit einem Schüleraustausch, setzt sich mit einem Auslandspraktikum fort und kann sogar dazu führen, dass eine Ausbildung oder Fortbildung in einem Land außerhalb Deutschlands gewählt wird.

Im Prinzip besitzt Deutschland mit dem dualen Ausbildungsweg eine hervorragende Einrichtung zum Erlernen eines Berufes, aber dieses Rüstzeug ist in einem internationalen Umfeld oft ungenügend, zumal nicht nur die global player im Business ihre Mitarbeiter gerne in das Ausland senden, damit diese die Strukturen der Firma kennenlernen und natürlich ihr Wissen am jeweiligen Standort einbringen.

Im Allgemeinen zeigt sich nicht nur bei der deutschen Bevölkerung bezüglich der Wohnortwahl eine wesentlich größere Dynamik als noch vor 2 Jahrzehnten.
Jährlich wandern rund 150.000 Deutsche aus. Ein Trend, der bereits seit dem Jahr 2004 mit Schwankungen anhält.

In den jeweiligen Zielländern treffen Auswanderer genauso wie Personen, die sich nur für einen bestimmten Zeitraum in anderen Staaten aufhalten wollen, oft auf Bedingungen in Freizeit und Beruf, die mit denen in der alten Heimat kaum übereinstimmen.
In Deutschland gibt es Abendschulen und Volksschulen, die ein breites Bildungsangebot bereithalten, in denen sich Menschen in verschiedenen Segmenten weiterbilden können, wenn für eine bestimmte Situation im Alltag oder im Beruf die erforderliche Kenntnis fehlt. Dies nutzen sowohl deutsche Staatsbürger wie ebenso ausländische Mitbürger.

Gibt es solche Abendschulen auch im Ausland?

Die kurze Antwort: ja, aber nicht überall. Zumindest in den wichtigsten Auswanderungsländern stellen entweder staatliche oder private Institutionen entsprechende Ausbildungsangebote bereit. Das mit Abstand beliebteste Auslandsziel besitzt hierbei sogar noch einen weiteren Vorteil, es wird dieselbe Sprache gesprochen. Mit fast 20.000 Auswanderern steht die Schweiz unangefochten an erster Stelle. Ihr folgt mit fast 15.000 Menschen die USA und mit etwa 11.000 Personen Österreich, wiederum ein deutschsprachiges Land. Auch England stellt sich mit rund 9000 deutschen Einwanderern pro Jahr als ein beliebtes Zielland dar.

Die vier Spitzenreiter sind folglich entweder deutschsprachig oder es wird Englisch gesprochen, eine im deutschen Bildungswesen sehr beliebte Sprache. Zumindest rudimentär beherrscht ein Großteil der deutschen Bevölkerung das Englische. Die Sprache ist mit ein Grund, warum diese Länder im Ranking des Auslandsaufenthalts auf den ersten vier Plätzen liegen.

Grundsätzlich ähneln die Bildungsangebote dieser vier Länder bezüglich der Abendschulen denen des deutschen Systems der Volkshochschulen. Das Hauptziel ist die Fortbildung bis hin zum Abschluss einer Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg.

Abendschulen in der Schweiz

Als viersprachiges Land bietet die Schweiz in jedem Landesteil der Sprache entsprechende Abendschulen, wobei die deutschsprachige Nordschweiz vor allem in den Städten Bern und Zürich Abendschulen anbietet. Die verschiedenen Schulen bieten Kurse an oder auch ein Abendstudium. Allerdings ist die Schweiz ein sehr teures Land und dies zeigt sich auch in der Erwachsenenbildung. Wer beispielsweise in der kantonalen Maturitätsschule Zürich seine Hochschulreife erlangen möchte, bezahlt als Bürger des Kantons Zürich kein Schulgeld, alle anderen, auch Schweizer anderer Kantone, müssen dafür 17.000 bis 20.000 Franken pro Jahr hinblättern.

 

Die USA und Abendschulen

In den Vereinigten Staaten von Amerika finden sich eine ganze Reihe kommerzieller, nichtkommerzieller und auch kostenloser staatlicher Abendschulen. Allen gemeinsam ist, wenn die englische Sprache nicht der Grund für den Kurs ist, dass gute Englischkenntnisse eine Voraussetzung zur Aufnahme ist. Dabei sind in den USA wie in Deutschland die einzelnen Bundesstaaten für die Bildung zuständig. Wer sich auf die Suche nach Abendschulen in den USA im Internet machen will, sollte die Suchwörter „Evening classes“, „Community College“ oder bei einer beruflichen Ausbildung das Suchwort „Technical college“ verwenden.

 

Die Abendschulen in Österreich

In Österreich unterteilen sich die Bildungseinrichtungen des zweiten Bildungsweges in berufsbildende Abendschulen und allgemeinbildende Abendschulen. Natürlich finden sich auch hier private Institutionen. Während die berufsbildenden Abendschulen in den österreichischen Bundesländern schwerpunktmäßig verteilt sind, etwa Elektronik und Elektrotechnik in Linz, so konzentrieren sich die allgemeinen Abendschulen auf die größeren Städte des Landes wie

  • Wien
  • Salzburg
  • Linz
  • Innsbruck
  • Graz
  • Klagenfurt
  • Villach

 

In England eine Abendschule besuchen

Wie in den USA baut sich das Bildungswesen in England gerade im zweiten Bildungsweg verstärkt auf privatwirtschaftliche Angebote auf. Die kostenlosen Angebote einzelner Non-Profit-Organisationen gehen im Angebotswirrwar fast unter, so etwa das

  • Islington Council
  • das Cambridge Regional College
  • das Richmond Adult Community College in London

Positiv gerade für Deutsche im englischsprachigen Ausland, wie den hier aufgeführten Ländern USA und England, ist, dass sogar Englischkurse teilweise kostenlos sind.
Zudem kann für den Besuch einer Abendschule im Ausland unter bestimmten Voraussetzungen sogar BAföG beantragt werden.

Für in Deutschland tätige Arbeitnehmer bietet sich eine Abendschule im Ausland ebenso an, hierzu besteht das Recht auf Bildungsurlaub. Jährlich 5 Tage, die auf Antrag alle zwei Jahre zu 10 Tagen zusammengelegt werden können.

Voraussetzung ist ein Kurs, der in irgendeiner Weise mit dem Beruf zusammenhängt. Der Bildungsurlaub muss nicht zwingend in Deutschland verbracht werden. Gerade Sprachkurse in einem muttersprachlichen Land sorgen für eine intensivere Ausbildung. Zudem können die Kosten für einen Sprachkurs an einer Abendschule im Ausland als Bildungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Wenn das keine Anreize sind, sich im Ausland fortzubilden, dann vielleicht der, dass es Abendschulen auch in Ländern gibt, die über sehr angenehme klimatische Verhältnisse verfügen.

 

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