Wer studiert, ist immerzu damit beschäftigt, zu erläutern, was er in seinem Studium so macht und wie er sich damit seine beruflichen Chancen ausrechnet. Vor allem muss sich der Student oft rechtfertigen, wie er zu seinem Studiengang gefunden hat. Insbesondere bei Jura trifft dies immer auf viel Respekt, aber auch auf Unverständnis.

Jura erfordert viel Zeit und Fleiß

Wer sich für das Jurastudium einschreibt, sollte dies gewissenhaft tun. Viele sehen zwar ein anstrengendes Studium vor sich, rechnen sich aber vor allem gewinnbringende Chancen im späteren Berufsleben aus. Studienabbrecher, die nach 1–2 Semestern merken, dass sie das Falsche studieren, gibt es genug. Doch insbesondere die Rechtswissenschaften sind bekannt für die vielen Abbrüche. Grund dafür sind häufig die als langweilig empfundenen Gesetzestexte. Jura gilt neben Medizin als ein überdurchschnittlich anspruchsvoller Studiengang. Auf die vielen spannenden Vorlesungen wie Strafrecht und Zivilrecht folgen auch einige Seminare, die, wie Vertragsrecht, auf eher gelangweilte Gesichter treffen. Man stellt also relativ früh fest, wer sich auch dafür motivieren kann: diejenigen, die für eine Zukunft im Rechtsbereich geschaffen sind, viel Zeit und Arbeit in ihre Ausbildung stecken und damit das typische Studentenleben zugunsten des Gerechtigkeitsgefühls verpassen. Aufgrund des vielen Lernens vergrößert sich eben auch nicht gerade das soziale Umfeld. Das also könnte man als den Unterschied zwischen Beruf und Berufung bezeichnen.

Die Angst vorm Staatsexamen

An den deutschen Universitäten wie beispielsweise der Uni Tübingen, an denen ein Jurastudium angeboten wird, erfolgt ein Abschluss mit dem Staatsexamen. Dieses Examen wird immer dann als Abschlussart verwendet, wenn die potenziellen Akademiker im Auftrag des Staates arbeiten – wie eben beispielsweise Rechtsanwälte, Richter, Lehrer oder Mediziner. Aufgrund dieser Regelung nimmt ein Jurastudium überdurchschnittlich viel Zeit in Anspruch. Nach meistens 4 Jahren Studium erfolgt in einem Jahr das Repetitorium, welches auf das 1. Staatsexamen vorbereiten soll. Hier wird der gesamte Stoff des Studiums aufbereitet und wiederholt und viel Panik unter den Jurastudenten verbreitet. Wem die stattfindenden Kurse nicht ausreichen, der lernt zusätzlich noch mit dem Lecturio-Repetitorium, das alle wichtigen Materialien noch einmal bereithält, oder spricht mit Kommilitonen gemeinsam die Übungsklausuren durch. Danach folgt eine 2-jährige praktische Ausbildung in einer Kanzlei, welche mit dem 2. Staatsexamen und der Ernennung zum Volljuristen schließt. Es gibt bereits auch einen Bachelorstudiengang der Rechtswissenschaften, dieser ist aber aufgrund der fehlenden Möglichkeit, Anwalt zu werden, reichlich umstritten und diskutiert.

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