Die FinTech Branche gehört in Deutschland zu den am dynamischsten wachsenden Wirtschaftszweigen. Was sich hinter FinTech (im folgenden auch FT) verbirgt, wie sich der Markt bzw. die Branche jetzt und in Zukunft entwickeln dürfte und was es zum FinTech Standort Deutschland und den Studienmöglichkeiten hierzulande zu sagen gibt, wird folgende Artikel darstellen.

Begriff und Branche

FinTech, oder zu Deutsch auch Finanztechnologie, bezeichnet als Sammelbegriff verschiedene Technologien bzw. damit einhergehende neue Angebote innerhalb der Finanzdienstleistungen. Vor allem mittels neuer technischer Hilfsmittel werden durch FinTech Lösungen für den Finanzdienstleistungsbereich angeboten. Diese beinhalten meist Leistungen, die bisher traditionell von Banken und Versicherungen angeboten wurden.

Typische Beispiele für solche Services sind unter anderen alternative Finanzierungen, digitale Währungen wie Bitcoins, Geldanlagen, Zahlungsverkehr etc. Wegen der Schnelligkeit der technischen Entwicklung ist es zudem ein Feld, in dem ständig neue Begriffe zusammen mit neuen Angeboten (wie Bitcoins) kreiert werden.

So gibt es mittlerweile auch die Bezeichnungen InsurTech für Angebote, die dezidiert zur Versicherungsbranche gehören oder PropTech für Angebote, die mit Immobilienfinanzierung zu tun haben. Bei den Firmen aus der FinTech Branche handelt es sich oft um Start-Ups, welche mit ihren alternativen Angeboten Kunden überzeugen wollen.

Als neuer Markt wächst die Branche rasant. Für die gesamte Branche wurde im letzten Jahr weltweit ein Umsatz von 15 Mrd. Dollar ermittelt. In Deutschland liegen noch keine genauen Umsatzzahlen vor, was aber auch an der Schwierigkeit liegt, eine einheitliche Definition zur Finanztechnologie zu finden.

Erhebungen von Unternehmensberatungen gehen für 2015 von zw. 250 und 400 Firmen aus, die der FinTech Branche zugeordnet werden können. Das Wachstum lässt sich an einzelnen Bereichen der Branche gut darstellen: So wuchsen zum Beispiel die Anbieter im Bereich alternativer Finanzierungen von Februar 2015 bis Februar 2016 von 118 auf 133.

Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Anbieter im Bereich der Geldanlage von 33 auf 46. Versicherungsanbieter wuchsen von 17 auf 25. An diesen Zahlen lässt sich das schnelle Wachstum der Branche ermessen. Kein Wunder, dass mittlerweile erste Bemühungen stattgefunden haben, den Nachwuchs für die Branche zu gewinnen. —

FinTech Stipendien von smava, BillPay und FinLeap - V.l.n.r.: Sven Brauer (COO BillPay GmbH), Laurens Mauquoi (Head of Communications smava GmbH), Christopher Algier (Universität Leipzig), Sabrina Becirovic (Universität Hohenheim), Ramin Niroumand (Partner FinLeap GmbH), Jan-Philip Grabs (Frankfurt School of Finance & Management)

FinTech Stipendien von smava, BillPay und FinLeap – V.l.n.r.: Sven Brauer (COO BillPay GmbH), Laurens Mauquoi (Head of Communications smava GmbH), Christopher Algier (Universität Leipzig), Sabrina Becirovic (Universität Hohenheim), Ramin Niroumand (Partner FinLeap GmbH), Jan-Philip Grabs (Frankfurt School of Finance & Management)

Studium und Stipendium

Während es in London schon seit letztem Jahr im Bereich Finance einen Extra-Studiengang in FT (allerdings für Führungskräfte) gibt, hat man in Deutschland auch hier etwas länger gebraucht: Seit April dieses Jahres wird in Frankfurt ein BWL Studium mit der Vertiefung in „Digital Innovation and FinTech“ offeriert. Die dort ansässige eFrankfurt School of Financ and Management bietet in Kooperation mit einem Unternehmen aus der Branche, der FinTech Group AG, 20 Studienplätze an.

Es ist davon auszugehen, dass diesem Angebot bald weitere folgen dürften, da der Bedarf an Nachwuchskräften in der Branche groß ist. Allerdings gibt es auch Kritik aus der Branche selber: Das Studium in Frankfurt soll sich zwar speziell an Interessenten aus den Bereichen Programmierung, Bankwesen und Marketing richten und Vertiefungen in Dingen wie Datenanalyse oder App-Entwicklung beinhalten.

Doch der Kritikpunkt von Gründern aus der Branche besteht zum Beispiel darin, dass sich die technologischen Komponenten derart schnell entwickeln, dass sie im Lehrplan nicht integriert werden können. Daher schlagen auf das Problem angesprochene Geschäftsführer aus der Branche auch eher Module vor, welche in bestehende Studienangebote wie BWL und Informatik eingebaut werden könnten.

Gerade interdisziplinäres Denken, welches sich nicht in einem auf FT spezialisierten Studiengang lehren ließe, halten viele Insider für wesentlich. Demgegenüber sind Befürworter des Angebotes von der Möglichkeit angetan, dass künftig die Bereiche IT und Finance verknüpft würden.

Die Firma FinTech Group AG fördert das Studium zudem, indem die Hälfte der Studiengebühren von ca. 6.500,- € pro Jahr übernommen werden. Auch hier ist davon auszugehen, dass neue und erfolgreiche Start Ups künftig ebenfalls mit ähnlichen Angeboten aufwarten werden. Die Stadt Frankfurt gehört mit Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg und München zu den regionalen Zentren, an denen sich Unternehmen aus der FT Branche etabliert haben. Studienkredite und Stipendien gibt es auch im FinTech-Bereich.

Daher kann angenommen werden, dass an den dortigen Universitäten bald ebenfalls neue Angebote zu einem Studium in oder unter stärkerer Berücksichtigung von FT im Studienprogramm zu finden sein werden. Schon jetzt gibt es zudem von den drei Firmen smava, BillPay und FinLeap eine Initiative, welche sich FinTech-Stipendium nennt.Darunter sind drei Preise im Wert von zw. 1.000 – 3.000 € zu verstehen, welche an junge Leute vergeben werden, die schlüssige und gut recherchierte Prognosen zur Zukunft von FinTech abgeben können. Diese 2016 ins Leben gerufene Initiative wird auch 2017 fortgeführt werden.

Die weitere Entwicklung

Wie schon erwähnt, unterliegt die junge Branche einem rasanten Wachstum, wovon auch für die nächsten Jahre ausgegangen wird. Allerdings rechnen aufgrund des schnellen Wachstums drei Viertel der Unternehmen aus der Branche mit einem Fachkräftemangel in den nächsten Jahren, weswegen erste Initiativen wie die bereits vorgestellten ins Leben gerufen wurden.

Junge Menschen, welche mit Zahlen umgehen können und darüber hinaus eine Affinität für Technik bzw. neue Technologien haben und die außerdem „outside the box“ denken können, wie es ein Geschäftsführer eines FT Start Ups formulierte, werden auf interessante und spannende Arbeitsplätze rechnen können.

Dass die Branche auch irgendwann einer Konsolidierung unterliegen wird, ist ebenfalls anzunehmen, doch ist für die nächsten Jahre zunächst von weiterem Wachstum auszugehen. Auch kann noch nicht abgeschätzt werden, wie die Antworten der Etablierten aus der Branche (also Banken und Versicherungen) auf die neue Herausforderung aussehen werden und inwieweit der Gesetzgeber manchen Initiativen einen Riegel vorschieben wird.

Mit Sicherheit aber wird die FinTech Branche die nächsten Jahre eine der spannendsten, innovativsten und am schnellsten wachsenden in Deutschland bleiben.

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