Wer einen allgemeinbildenden Schulabschluss nachholt, begibt sich auf den zweiten Bildungsweg. Nicht wenige ehemalige Schulabgänger haben eines gemeinsam, wenn sie im Beruf scheitern: bereits in der Schulzeit haben sie den an sie gestellten Anforderungen nicht gerecht werden können. Doch mit dem zweiten Bildungsweg gibt es eine zusätzliche Chance.

Die Rückkehr auf die Schulbank ist mit viel Überwindung verbunden. Die Anstrengung lohnt sich jedoch, wenn man damit sein Leben doch noch in die gewünschte Bahn lenken kann. Mehr als 35.000 junge Menschen begeben sich jedes Jahr auf den zweiten Bildungsweg, um ihr Abitur nachzuholen. Dazu besuchen sie ein Abendgymnasium oder ein Kolleg.

Dem zweiten Bildungsweg sagte man lange Zeit nach, dass er vor allem jungen Leuten aus Arbeiterfamilien und unteren Schichten vorbehalten war. War man mit seinem Beruf nicht zufrieden und wollte aufsteigen, bekam man auf dem zweiten Bildungsweg jenes grundlegende Wissen vermittelt, welches eine Neuausrichtung des Lebens ermöglichte. Zum Kreis der Abitur-Nachholer gehören längst nicht mehr nur Leute, die bereits erste berufliche Ausbildungen durchlaufen haben.

An den Kollegs (in Deutschland gibt es etwa sechzig) lernen diese nach wie vor. Sie bilden etwa 30 Prozent aller Schüler. Die überwiegende Mehrzahl sind junge Leute mit ausländischer Herkunft oder ohne Berufsabschluss. Sie sind Schulabbrecher oder werden vom Arbeitsamt geschickt. Nicht wenige entstammen schwierigen Familienverhältnissen. In Deutschland können alle fünf Schulabschlüsse nachgeholt werden.

Unterschiedliche Regelungen und Möglichkeiten gibt es je nach Bundesland. Generell gilt, dass nicht alle Einrichtungen gleichzeitig alle fünf Schulabschlüsse anbieten. Abendhaupt– und Volkshochschulen sowie Fernkurse bieten eine Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg an. Dafür sollte man ein bis zwei Jahre einplanen. Der Unterricht findet in der Regel in den Abendstunden von 18 bis 22 Uhr statt. Zu den Angeboten der Abendschulen gehören nicht nur das Nachholen von Schulabschlüssen, der Erwerb aller Bildungsabschlüsse ist eingeschlossen. Die Vorbereitung weiterer Schulabschlüsse ist möglich an Abendrealschulen (Realschulabschluss) und Abendgymnasien (Abitur). Begabte Bewerber können sich auf die Prüfung zur Erlangung eines Schulabschlusses, auch Nichtschüler- oder Externenprüfung genannt, zu Hause in Eigenregie vorbereiten.

Wer den zweiten Bildungsweg nicht mittels Fernkurse beschreitet, ist frei von Gebührenzahlungen. Zudem ist die Förderung durch das BAföG möglich. Der Beginn der Förderung ist bei Abendgymnasium (viertes Semester) und Kollegschule (ab erstem Semester) unterschiedlich. Wer auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur erhalten hat, darf für ein anschließendes Studium immer BAföG beantragen.