Wer das Wort „Abendschule“ oder „Abendgymnasium“ hört, denkt meistens an erwachsene Schüler, die die Schulbank drücken. Die Perspektive des Lehrenden wird nur selten hinterfragt.

Wer unterrichtet uns eigentlich?

In den meisten Fällen handelt es sich bei den Lehrern an Abendschulen um Lehrkräfte, die eine standardisierte Ausbildung für die Sekundarstufe I oder II genossen haben. Das heißt, dass sie nicht auf Erwachsenenbildung spezialisiert sind, sondern der Fokus ihrer pädagogischen Fähigkeiten auf jugendliche Schüler ausgerichtet ist. Das liegt daran, dass es keine spezifische Ausbildung für das Lehren an Abendschulen gibt. Dennoch empfinden viele Lehrer den Umgang mit erwachsenen Schülern an Abendschulen als eher einfacher. Es gibt weniger Konflikte oder Klassenclowns, da diese Schüler ja freiwillig die Schulbank drücken.

Hohe Belastung durch viel Vorbereitung

Viele Lehrkräfte haben eine reguläre Stelle an einer Schule, die tagsüber stattfindet, und üben den Job an der Abendschule als Nebentätigkeit aus. Sollten sie verbeamtet sein, darf diese einen maximalen Stundensatz nicht überschreiten und muss vorher genehmigt werden. Das bedeutet, dass Lehrer, die sowohl vormittags als auch abends lehrend tätig sind, eine ungemein hohe Vorbereitungszeit haben. Dies beginnt schon mit der Anschaffung von Heften und anderen Schulmaterialien, die zur zeitlichen Entlastung mittlerweile online bestellt werden können – beispielsweise hier geht es zur Website von Lehrershop. Dennoch bleibt die konkrete Unterrichtsvorbereitung, die als äußerst umfangreich gilt. Obwohl bereits viele „einfache“ Lehrer über hohe Belastungen klagen, bleibt Lehrkräften mit solch einer Nebentätigkeit noch weniger Freiraum.

Quereinsteiger willkommen

Viele Lehrende erklären sich auch explizit dazu bereit, sich an einer Abendschule festanstellen zu lassen. Dies ist eher auf persönliche Gründe zurückzuführen wie zum Beispiel eine erhöhte Leistungsfähigkeit am Abend. Insbesondere Quereinsteiger, die über den zweiten Bildungsweg in den Beruf hineinrutschen, finden oft mehr Gefallen an der Zusammenarbeit mit erwachsenen Schülern. Seit der Reform des Lehrerausbildungsgesetzes im Mai 2009 können nun Menschen, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben – allerdings ohne den Zusatz „auf Lehramt“ – in einer Abendschule pädagogische und didaktische Wege kennenlernen, um einen Unterricht zu leiten. Diese Abendschule findet berufsbegleitend statt und kann als abendliches Referendariat verstanden werden.