Der Stellenmarkt in Deutschland zeigt derzeit eine Aufwärtsrichtung. Er bleibt weitgehend unabhängig von der Konjunktur, die durch öffentliche und private Konsumausgaben etwas stabilisiert werden konnte. Auch das minimale Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent im dritten Quartal 2014 lässt die Situation auf dem Stellenmarkt sowohl für Jugendliche und junge Erwachsene als auch für bereits erfahrene und ältere Personen weitgehend unberührt. Daraus folgt, dass die herrschende globale wirtschaftliche Unsicherheit sowie eine minimale Wachstumstendenz auch in Deutschland keine sichtbaren Konsequenzen auf der Jobbörse zeigen.

Erfolge und verbliebene Herausforderungen

Den aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit zufolge erholt sich der Stellenmarkt sowohl in West- als auch Ostdeutschland. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich im September die Beschäftigung in Westdeutschland um 1,8 Prozent und in Ostdeutschland um 1,5 Prozent. Der Beschäftigungszuwachs fiel am stärksten in Berlin (+3,3 Prozent) und am schwächsten in Sachsen-Anhalt (+0,2 Prozent) aus. Außer allem Zweifel tragen zu diesem positiven Trend neben dem sektoralen Wandel, der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte und Lohnzurückhaltung ebenfalls die momentane Entspannung auf dem Berufsausbildungsmarkt und das sich daraus ergebende Potenzial für neue Arbeitsstellen wesentlich bei. Eine positive Aufbruchsstimmung auf dem deutschen Arbeitsmarkt erzeugen darüber hinaus kein gesetzlicher Mindestlohn, demografischer Wandel und letztlich auch das deutlich werdende Selbstbewusstsein, vor welchem vor allem Deutschlands Jugend strotzt. Dennoch sollen neue, mögliche Entwicklungen und aktuelle Probleme wie zum Beispiel der schwache Kündigungsschutz für junge Personen, geringerer Qualifizierungsgrad aufgrund deren fehlenden Erfahrung sowie meistens befristete Arbeitsverträge nicht außer Acht gelassen werden. Auf diese Weise kann die Situation auf dem Stellenmarkt zur öffentlichen Debatte rechtzeitig gestellt und demensprechend verbessert werden.

 

Die junge Generation steht heute besser da

 

Obwohl nicht alle Jugendlichen und junge Erwachsenen in Deutschland in ihrem Wunschberuf zum Zug kommen, ist es heute um einiges leichter  für sie geworden. Dank der dualen Berufsausbildung, die sich in Deutschland als Erfolgsmodell erwies, dem demografischen Wandel, dem fehlenden gesetzlichen Mindestlohn und dem steigernden Selbstbewusstsein bleibt der Stellenmarkt ihnen gegenüber offener als in anderen Ländern Europas. Besonders die enge Verknüpfung zwischen der akademischen bzw. beruflichen Ausbildung und der beruflichen Praxis erlaubt den Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen frühen ersten Kontakt mit den potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen, anstatt  darauf bis zum fertigen Berufsschul- bzw. Universitätsabschluss zu warten. Sie können sich nämlich die theoretische Fundierung und den Einstieg ins Arbeitsleben bereits während ihrer Arbeitszeit zu Nutze machen, indem sie auf der einen Seite die notwendige Erfahrung und Expertise sammeln und auf der anderen Seite  ein eigenes berufliches Netzwerk aufbauen, welches sie auf dem Stellenmarkt positiverweise verwenden können. Die niedrige Geburtenrate, die in Deutschland seit Jahren bei 1,4 Kindern pro Frau liegt und sich in einigen anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union (außer in Irland, Belgien, Großbritannien und Spanien, wo die Zahl der Jugendlichen bis 2060 sogar noch zunehmen soll) ähnlich gestaltet, trägt ebenfalls dazu bei, dass der Ausbildungs- und Stellenmarkt mehr Möglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene aktuell bietet.

 

Auch die Stellenangebote gehen mit der Zeit

Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom November 2014 konnte die Zahl der noch unversorgten Bewerber bis Mitte November wesentlich reduziert werden. Es gelang auch den deutschen Betrieben, ihre offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Denjenigen Personen, die nach wie vor auf der Suche nach einer gewünschten Berufsausbildungstelle sind, bietet die Bundesagentur für Arbeit weiterhin ihre Unterstützung an. Darüber hinaus scheint der fehlende gesetzliche Mindestlohn in Deutschland, der vielleicht auf den ersten Blick als Zeichen der sozialen Unsicherheit erscheinen mag, ebenfalls ein wichtiger Türöffner besonders für Jugendliche und junge Erwachsene zu sein. Der heutige Stellenmarkt bietet nämlich in einem hohen Maße solche Positionen an, die sich neben flexiblen Arbeitszeiten auch durch niedrigere Gehälter auszeichnen. Trotzdem bieten sie für junge Berufseinsteiger und -innen die erste Chance finanziell unabhängiger zu werden und sich schrittweise mit dem steigernden Selbstbewusstsein sowie der beruflichen Erfahrung um neue besser entlohnte Stellen für Fachkräfte zu bemühen.

 

Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente

 

Die größten Chancen, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu bekommen, haben vor allem diejenigen Personen, die ihre berufliche Zukunft in den Branchen Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Heimarbeit und Sozialwesen sowie in der Metall- und Elektroindustrie sehen. Diese verzeichnen nämlich ein Plus und bieten noch freie Stellen an. Im Gegensatz dazu geht der Stellenmarkt im Bereich Bergbau, Energie-, Wasserversorgung und Entsorgungswirtschaft (-7.000 oder -1,2 Prozent), Finanz- und Versicherungsdienstleistern (-5.000 oder -0,5 Prozent) sowie Öffentliche Verwaltung (-5.000 oder -0,3 Prozent) derzeit zurück. Die aufwärtsgerichtete Entwicklung vom deutschen Stellenmarkt wird besonders durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente gefördert. Dazu gehören beispielsweise berufliche Fortbildung, Lohnsubventionen und öffentliche Beschäftigungsförderung. Diese haben zum Ziel, arbeitslose Personen unabhängig vom Alter sowie bisherigen Erfahrungen nachhaltig in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. In diesem Kontext kann vor allem die Förderung der beruflichen Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs und dadurch zur Prävention vor einer längerfristigen Arbeitslosigkeit leisten. Denn neben den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, die einen großen Wert auf die Ausbildung und begleitende berufliche Praxis legen, gibt es auch Personen, die von der Arbeitslosigkeit aufgrund der fehlenden bzw. nicht abgeschlossenen Berufsausbildung stark betroffen sind. Nach den Angaben der Bundesagentur für Arbeit machen sie mehr als zwei Fünftel der Arbeitslosen in Deutschland aus – in der Grundsicherung für Arbeitsuchende sind es sogar knapp drei Fünftel. Daher bleibt die berufliche Qualifizierung für den heute besonders anspruchsvollen Stellenmarkt sowohl für junge als auch ältere Personen durch den Erwerb von Berufsabschlüssen oder von Teilqualifikationen der feste Bestandteil der Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik sowie ein Schlüsselfaktor für den beruflichen Erfolg in Deutschland.

 

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