Laut einer Caritas-Bildungsstudie verließen 2014 mehr als 47.000 Jugendliche die Schule ohne jeglichen Abschluss, das entspricht einer bundesweiten Quote von ca. 5,7%. In einigen Bundesländern beträgt die Quote sogar deutlich mehr als 7%. Dies hat weiterhin zur Folge, dass mehr als 1,5 Millionen aller 15- bis 25-Jährigen keinen Ausbildungsabschluss besitzen, was Ihren Einstieg in die Berufswelt nahezu aussichtslos macht.
Gründe für diese Situation sind vielfältig. Hinzu zählen sicherlich Leistungsprobleme und fehlende Motivation, psychische und physische Belastungen, Konflikte mit Klassenkameraden, Mobbing, familiäre Probleme und schlechtes Schulklima.

Dies hat vor allem in den Zeiten, in denen Unternehmen immer mehr Anforderungen an Arbeitnehmer stellen, gravierende Konsequenzen. In kaum einem anderen Land der Welt ist ein guter Schulabschluss so wichtig wie in Deutschland. Während es sogar in den Nachbarländern Österreich und den Niederlanden weniger gering qualifizierte Arbeitslose gibt, sind die Chance hierzulande ohne Schulabschluss eine Arbeitsstelle zu bekommen sehr gering.
Doch auch viele Jugendliche mit Haupt- oder Realschulabschluss haben immer weniger Aussichten einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Für einige Berufe ist mittlerweile Abiturzeugnis, sogar mit einem ansprechenden Durchschnitt, ein Muss.
Doch was tun, wenn man aus unterschiedlichen Gründen den Schulabschluss nicht rechtzeitig machen konnte und dadurch kaum realistische Berufschancen besitzt?

Berufschancen ohne Abi?

In Deutschland haben Schulabgänger die Möglichkeit, ihren fehlenden Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Auch für diejenigen, die sich nach einiger Zeit weiterbilden möchten, gibt es noch die Möglichkeit die Schule erneut zu besuchen. Das bedeutet ganz konkret man kann jeglichen Abschluss, egal ob Hauptschul– oder Realschulabschluss oder sogar Abitur nachholen.

Am häufigsten entscheidet man sich dabei für den Besuch einer sogenannten Abendschule, bei welcher der Unterricht in den Abendstunden stattfindet. So können auch Berufstätige tagsüber ihrem gewohnten Rhythmus nachgehen und abends in der Schule lernen.
Der Unterrichtsgestaltung ähnelt in groben Zügen der einer normalen Schule, wobei gewöhnlich an 2 bis 3 Tagen in der Woche unterrichtet wird. Doch manchmal wird nicht nur unter der Woche, sondern auch am Wochenende Unterricht. Dies ist von Schule zu Schule unterschiedlich.

Die Fähigkeiten für Berufe im Bereichen des Internet, IT und Informationstechnologien können häufig in Online-Seminaren erworben werden.

Die Fähigkeiten für Berufe im Bereichen des Internet, IT und Informationstechnologien können häufig in Online-Seminaren erworben werden.

Die Klassen bestehen im Durchschnitt aus 10 bis 20 Schülern, was einen deutlichen Vorteil gegenüber den Schulen im ersten Bildungsweg bietet, denn eine kleinere Schüleranzahl bringt eine ganz andere Intensität des Lernens und eine entspanntere Lernatmosphäre mit sich. In den Abendschulen besteht natürlich Anwesenheitspflicht, was aber für viele Menschen, die den Entschluss wagten, in ihrem Leben mehr erreichen zu wollen, kein Problem darstellen sollte.

Das Abendgymnasium

In einem Abendgymnasium gibt es in der Regel strengere Richtlinien als in anderen Arten der Abendschule. Die Bewerber müssen einen Schulabschluss vorweisen können, ein Mindestalter von 19 Jahren haben und berufstätig oder zumindest bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet sein. Falls der Bewerber über eine
abgeschlossene Berufsausbildung mit mehreren Jahren Berufserfahrung verfügen, kann sogar Ihre Schulzeit verkürzt werden. Bei einem mittleren Schulabschluss können Sie die Fachhochschulreife nach 2 Jahren, die allgemeine Hochschulreife nach 3 Jahren erlangen.

Doch an einer Abendschule können nicht nur klassische Schulabschlüsse nachgeholt werden. Denn im Berufsleben ist es mitunter essentiell wichtig sich weiterzubilden, um so zum einen die Chancen auf Beförderung durch Eigeninitiative zu erhöhen und zum anderen in der globalisierten Welt langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.
Neue und innovative Abendschule bieten deswegen viele Kurse und zertifizierte Abschlüsse an. So erhielten bereits viele Menschen die Chance sich auch neben dem Beruf weiter-und umzubilden. Besonders beliebt sind in diesem Zusammenhang die Sprachkurse. Klassische Weltsprachen wie Englisch und Französisch, aber auch Spanisch und mittlerweile sogar Arabisch und Chinesisch gehören zum Repertoire der Abendschulen.

Man arbeitet hier nach dem Konzept des „lebenslangen Lernens“, bei welchem alle Teilnehmer, unabhängig vom Alter und Qualifikation herzlich willkommen sind. Die hohe Qualität der Kurse wird dank die Teilnahme erfahrener Dozenten und Muttersprachler oft gut gewährleistet. Im Rahmen eines didaktisch professionell durchdachten Programms erreicht man in relativ kurzer Zeit (je nach Intensität des Unterrichts) ein gutes europäisches Niveau der Fremdsprachenkenntnisse. Am Ende des Kurses bekommt man oft ein internationales Zertifikat je nach

EDV, IT und das Internet

Auch EDV- und IT-Kurse sind oft eine beliebte Wahl für Weiterbildung. Denn mittlerweile sind Informations- und Kommunikationstechnologien zu unserem ständigen Begleiter im Beruf und Alltag geworden. In nahezu jedem Berufszweig werden mittlerweile gute IT-Kenntnisse vorausgesetzt. Mit fortschreitender Automatisierungswelle und zunehmendem Einsatz von immer komplexeren IT-Systemen ist auch hier eine Weiterbildung oder Umschulung unumgänglich.
An der Abendschule können neben Grundlagenkenntnissen vom PC, gängigen Programmen, Betriebssystemen, Datenerfassung und -verarbeitung, auch fundierte Kenntnisse in Programmierung, Webdesign, Medienproduktion und IT-Administration vermittelt werden.

Seit einigen Jahren unterstützt auch der Staat dieses Vorhaben durch sogenannte Weiterbildungsprämien und Weiterbildungsgutscheine. Dadurch möchte man vor allem das Interesse von Menschen an bildungsorientierten Maßnahmen ankurbeln und fördern. Wer also über ein unzureichendes Einkommen, welches es nicht ohne weiteres zulässt, sich weiterzubilden, kann beim Bundesministerium für Bildung und Forschung oder Europäischem Sozialfonds eine Bildungsprämie beantragen. Je nach Art und Dauer der Kurse übernimmt der Staat die Hälfte der Kosten.

Modernes Lernen ist angesagt

Analysiert man die neuesten Trends in den Abendschulen hinsichtlich der eingesetzten Bildungstechnologien so wird schnell eines deutlich: Die Entwicklung geht immer mehr in Richtung neuer Lernmethoden. Die Gesamtheit aller eingesetzten Technologien und didaktischen Konzepten kann man unter gängigem Begriff „Modernes Lernen“ zusammenfassen.

Neue Unterrichtsformen wie virtuelles Lernen, Mobile Learning, Massive Open Online Courses (MOOC) oder Blended Learning ergänzen den gewohnten Unterrichtsalltag. Manche gestalten ihn komplett neu. Der größte Vorteil dabei ist die Ortsunabhängigkeit und Flexibilität des Unterrichts.
Manche Menschen können aus unterschiedlichen Gründen (sei es ein langfristiger Aufenthalt im Ausland, körperliche oder geistige Behinderung oder traumatische Erfahrungen aufgrund von Mobbing) nicht am klassischem Unterricht oder Kurs teilnehmen. Für diese Menschen könnte selbst der Besuch einer Abendschule als schwierig erweisen. Hier kann auf neue Formen des „Modernen Lernen“ zurückgegriffen werden.

Virtuelles Lernen – Webinare, Onlinekurse und Chats

Die klassische Möglichkeit des virtuellen Lernens sind Webinare – Veranstaltung im Internet, an welchen die Kursteilnehmer per Videotelefonie oder Chat sich an einem Gespräch oder Fernkurs beteiligen können.

Einige Abendschulen bieten auch eigene Plattform mit allumfassenden Lösungen in der Art eines Online-Campus. So können hier Teilnehmer auch Diskussionen führen, Fragen stellen und Erfahrungen austauschen.

In Gruppen kann auch gemeinsames Lernen außerhalb des Unterrichts erfolgen.

Im Rahmen des Blended Learning bietet man den Kursteilnehmern eine Ergänzung zum klassischen Unterricht mittels digitaler Medien. Ganz beliebt sind in diesem Zusammenhang beispielsweise kurze Videos, die sich zu einem Kurs ergänzen. Auch ein Quiz oder Online-Tests sind gefragt, um das Gelernte zu wiederholen oder zu vertiefen. Im Idealfall stellen digitale Lernmedien eine wunderbare Ergänzung für den Unterricht dar. Meist wird bei Präsenzveranstaltungen aus Zeitgründen nicht jedem Thema oder praktischem Anwendungsfall nachgegangen.

Online Kurse und Webinare werden immer beliebter

Online Kurse und Webinare werden immer beliebter

Apps verbinden das Smartphone und die (Hoch)Schule

Immer mehr Abendschulen folgen den neuesten Trends und bieten Ihren Kursteilnehmern Lösungen für mobile Endgeräte. Mittels spezieller Apps und Response Webseiten, welche für mobile Geräte optimiert sind, kann man auch unterwegs lernen und wiederholen. Ausgehend davon, dass vor allem die meisten Jugendliche sowieso viel Zeit mit ihren Handys verbringen, kann man sie auch dazu bringen, diese Zeit auch sinnvoller zu investieren. Dabei werden die Inhalte meist in spielerischer Form dargestellt und für mobile Verwendung optimiert. Längere Einheiten werden in mehrere kleine unterteilt und ermöglichen somit flexibles Lernen von unterwegs.

Der neueste Trend sind sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs), welche auch kostenlos von vielen Abendschulen und sogar Hochschulen und Universität angeboten werden. Diese eignen sich als zusätzliche Informations- und Lernquellen auf einem guten akademischen Niveau. MOOC sind meistens vollständige Kurse über ein bestimmtes Themengebiet, welche neben Lehrmaterialien wie eBooks mit gut kommentierten Texten und Videos auch aus bewerteten Übungs- und Prüfungseinheiten bestehen. Somit können die Kursteilnehmer sich aktiv am Kursgeschehen beteiligen, indem sie Aufgaben erledigen und Feedback von Dozenten bekommen.

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