Was die Digitalisierung des Alltags angeht, sind die Schüler ihren Eltern oft schon einiges voraus: Wo früher kopierte Arbeitsblätter, Tageslichtfolien und Tafelanschriebe in den Schulen zum Einsatz kamen, wird heute mit Beamer und Tablet gearbeitet.
Der vermehrte Einsatz von digitalen Lehrmaterialien lässt den Schulstoff in neuem Licht erstrahlen und birgt ebenso Reize wie Tücken im Unterricht.

Die ganze Welt in einem Klassenzimmer

Richtig eingesetzt können digitale Medien die Schüler zum Staunen bringen: Luftaufnahmen von der Sahara im Erdkunde-Unterricht ansehen, live den Saint Patrick’s Day miterleben und Simulationen der Erderwärmung nachbauen – All das wird in einem modernen Klassenzimmer möglich und hilft den Schülern, ihr gelerntes Wissen mit eigenen Taten und Erlebnissen zu verknüpfen.
In Mathematik und Physik ist der Einsatz digitaler Technik besonders bereichernd: Kalkulations- und Simulationsprogramme helfen dabei, Diagramme zu erstellen, Bewegungen zu simulieren und ermöglichen es sogar komplexe, mehrdimensionale Formen anschaulich zu machen. Besonders Schüler mit einem geringen Vorstellungsvermögen profitieren von den neuen Methoden. Und von dem jetzt schon projektweise Einsatz von Tablets in Schulklassen.
Selbstverständlich ist auch der Informatikunterricht an Schulen von entscheidender Bedeutung: Kinder lernen den Umgang mit Standard-Programmen, wie Word, Excel und Powerpoint und bekommen einige wichtige Tricks an die Hand, die häufig nicht einmal die Erwachsenen kennen. Später steht die Einführung von Programmierkenntnissen im Fokus, welche in der heutigen Zeit in vielen Bereichen unumgänglich sind.
In vielen weiteren Fächern wird der Einsatz von Computer und Internet geübt, indem die Schüler beispielsweise online Recherchen durchführen, oder eigene Videos produzieren und bearbeiten. Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Studien über das „digitale Klassenzimmer“ und wie der Einsatz digitaler Technik das Lernen befördert.

Digitales Lernen über den Unterricht hinaus

Die Digitalisierung der Bildung unterstützt auch eigenständiges und freies Lernen. Ob sich die Schüler in ihrer Freizeit für Fotographie, Modelleisenbahnen, oder Raubtiere interessieren – im weltweiten Netz finden sich themenspezifische Seiten, ebenso wie Wikis, Videos, oder Animationen mit denen jeder seine Lieblingsthemen auf eigene Faust „erforschen“ kann.
Computerspiele und mobile Apps bieten eine willkommene Gelegenheit, sein Wissen in der Freizeit aufzubessern. Häufig geht es darum, einen Fall zu lösen, oder eine neue Welt zu erkunden – das Lernen geht dabei ganz von selbst und ohne große Anstrengung. Apps locken mit zahlreichen Quiz-Spielen, IQ-Tests oder Sprachlern-Angeboten, welche unterwegs an jedem beliebigen Ort gespielt werden können.
Auch die Erwachsenenbildung bedient sich vieler Vorteile der Digitalisierung. E-Learning Plattformen nehmen stetig zu und helfen Unternehmen dabei, ihr internes Wissen zu verwalten und einzuüben. Häufig werden dabei Videos zur Erklärung eingebettet, Hyperlinks zeigen auf weiterführende Themen und interaktive Wissens-Tests stellen das Können der Mitarbeiter sicher.
Bücher können inzwischen als E-Books platzsparend überall hin mitgenommen werden und auch die Speicherung und Verarbeitung von Informationen findet überwiegend am Computer statt. Wer auf seinem digitalen Schreibtisch Ordnung hält, dem bietet diese Methode zahlreiche Vorteile: Dateien sind schnell auffindbar, werden stets aktuell gehalten und können auch mit anderen Teilnehmern geteilt werden.
Dank der Verbreitung von Informationsmaterial vereinfacht sich auch der Ablauf in Hochschulen und Universitäten. Vorlesungen werden häufig als Text-Dokumente oder sogar als Videodateien an alle Teilnehmer versandt und können zu einem späteren Zeitpunkt reproduziert werden.

Wo führt uns die Digitalisierung hin?

Wer mit digitalen Lernmethoden vertraut ist, oder selbst Kinder im Schulalter hat, der weiß, dass stets ein hohes Verbesserungspotenzial bei der technischen Umsetzung herrscht. Gerade in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Universitäten ist die Ausstattung mit Beamern und Computerräumen oft mangelhaft oder nur eingeschränkt funktionsfähig.
Die starke Abnutzung der Geräte in Schulen erfordert eine hohe Stabilität, hohe Stückzahlen und entsprechend geringe Kosten, um einen zuverlässigen Einsatz zu garantieren. Wenn man jedoch bedenkt, wie stark sich die Ausstattung allein in den letzten fünf Jahren verbessert hat, so ist ein positiver Trend auch in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich. Elektronische Geräte werden kleiner, robuster und weniger fehleranfällig, um für ein noch besseres Lern-Erlebnis zu sorgen.
Sowohl die technischen Merkmale, als auch die Software von E-Learning Programmen werden unter Berücksichtigung der bisherigen Erfahrungen stetig weiterentwickelt und verbessert. Der Trend von Lern- und Wissens-Software geht dahin, stärker auf die einzelnen Nutzer und deren Sozialverhalten einzugehen. Mit der Erstellung eines eigenen Profils, kann der individuelle Lernfortschritt eingesehen und mit anderen Nutzern geteilt und verglichen werden. Programme werden sich möglicherweise stärker an nutzerspezifische Vorlieben, Kenntnisse und an deren zeitliche Ressourcen anpassen, um den Lernprozess zu optimieren.
Es ist außerdem denkbar, dass sich in den nächsten Jahren ganz neue Interaktionsformen in digitalen Wissens-Systemen etablieren. Sprach-, Bewegungs-, oder Blicksteuerung könnten eine Reihe neuer, ganzheitlicher Lernerfahrungen ermöglichen und öffnen außerdem den Markt der digitalen Bildung für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.
Mit Sicherheit kann die digitale Technik niemals einen guten Schmöker, oder ein liebevoll gestaltetes Tafelbild ersetzen. Es gibt Momente, in denen analoge Methoden unschlagbar sind – das hindert jedoch nicht daran, die positiven Seiten der Digitalisierung gezielt einzusetzen und den Lern-Alltag mit zahlreichen neuen Methoden zu bereichern.