Für die Abendschule und die Weiterbildung bietet der Staat auf verschiedenen Ebenen finanzielle Unterstützung an, wobei sich die Interessenten einem wahren Dschungel an Fördermöglichkeiten gegenübersehen. Auch steuerliche Fördermöglichkeiten gehören dazu, die gerade bei der Abendschule und Abschlüssen wie dem Fachwirt oder dem Meister interessant sind. Das BAföG und die steuerliche Absetzbarkeit der Weiterbildungskosten verlangen eine differenzierte Betrachtung, denn es spielen das Alter der Interessenten, ihre berufliche Vorbildung, der Status der Weiterbildung (zum Beispiel erster oder zweiter Bildungsweg) und die genaue Bezeichnung der Weiterbildung eine Rolle.

Wer besucht die Abendschule?

Menschen, die sich fragen, wieso alle anderen einen Schulabschluss haben, sie selbst aber nicht, besuchen aus diesem Grund eine Abendschule. Diese Personen stehen an einer entscheidenden Gabelung ihres Lebensweges, sie möchten Fortschritt statt Stillstand erreichen. Den nun eingeschlagenen zweiten Bildungsweg hat noch niemand bereut, denn er bietet eine Alternative für wesentlich höhere berufliche und gesellschaftliche Perspektiven. Warum heißt die Abendschule „zweiter Bildungsweg“? – Nun, der erste Bildungsweg ist der Normaldurchlauf der Schule, der manchen Menschen aus verschiedensten Gründen versperrt blieb. Daher wählen sie die Abendschule in einer späteren Lebensphase für den zweiten Bildungsweg. Die Kosten hierfür sind vergleichsweise gering und außerdem förderfähig (siehe unten). Informationen gibt es über die Kommunen, die auch Abendschulen in Wohnortnähe nennen. Auf der Abendschule werden Inhalte gut dosiert vermittelt, sie können neben dem Berufs- und Familienleben gut aufgenommen werden. Der Abschluss einer Abendschule wird staatlich anerkannt, damit können weiterführende Bildungsangebote wahrgenommen werden. Die Betreuung erfolgt durch kompetente Lehrkräfte, zudem hilft der Kontakt mit den Mitschülern sehr beim Lernprozess.

BAföG und Abendschule

Wenn Berufstätige auf dem zweiten Bildungsweg in der Abendschule ihren höheren Schulabschluss erlangen wollen, können sie ein elternunabhängiges BAföG beantragen. Beim Abendgymnasium werden auf diese Weise die letzten 18 Monate gefördert. Die Förderung der Hochschulreife muss nicht zurückgezahlt werden, wenn der Antragsteller über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügt, die im BAföG-Antrag nachzuweisen ist. Zu unterscheiden ist zwischen der Abendschule mit maximal 25 Unterrichtsstunden pro Woche und einem Kolleg, das als Ganztagsschule aufgebaut ist und eher für nicht berufstätige Lernende infrage kommt.

Abendschule und Kindergeld

Die Lernenden an der Abendschule haben bis zum vollendeten 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld. Hierfür gelten folgende Voraussetzungen:

  • wöchentliche Unterrichtszeit von mindestens zehn Stunden
  • schriftliche Anmeldebestätigung der Abendschule inklusive Unterrichtsumfang
  • Schulbescheinigung muss der Familienkasse vorliegen

Einkommensgrenzen für das Kindergeld während der Ausbildung gelten seit 2012 nicht mehr.

Kosten der Abendschule steuerlich geltend machen

Wenn eine Abendschule nachweisbar dem Zweck der beruflichen Fortbildung beziehungsweise ihrer Vorbereitung dient, sind ihre Kosten als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Hier schaut das Finanzamt recht genau hin und bewertet die Kurse nach ihrem Inhalt. Wer also einen Schulabschluss nachholt und voraussichtlich anschließend eine Berufsausbildung in Angriff nehmen wird, hat beste Chancen auf die steuerliche Absetzbarkeit. Es gibt aber auch Kurse auf der Abendschule, die der Allgemeinbildung im weitesten Sinne dienen und steuerlich nicht förderfähig sind.

Die Weiterbildung und ihre Förderung

Während man unter der Abendschule explizit einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg oder aber Kurse für die Allgemeinbildung versteht, ist mit der Weiterbildung (die auch in Abendkursen stattfinden kann) der Meisterabschluss oder ein weiterführendes Studium gemeint. Förderungen gibt es über das Meister-BAföG, die Berufsausbildungsbeihilfe, den KfW-Bildungskredit und über Stipendien.

Meister-BAföG

Dieses BAföG nutzen Handwerkerinnen und Handwerker sowie andere Fachkräfte, die damit den Meisterabschluss finanzieren (Handwerks- oder Industriemeister). Des Weiteren kann es auch für die Weiterbildung zum Techniker, Kauffrau/Kaufmann, FachkrankenpflegerIn, BetriebsinformatikerIn, ProgrammiererIn oder BetriebswirtIn und weiteren vergleichbaren Berufen mit einem adäquaten Qualifikationsniveau genutzt werden. Die abgeschlossene Erstausbildung ist hierfür die Grundvoraussetzung, sie muss nach dem Berufsbildungsgesetz anerkannt sein. Das Meister-BAföG ist an keine Altersgrenze gekoppelt und kommt sämtlichen EU-Bürgen und anderen Ausländern mit ständigem Wohnsitz in Deutschland zugute. Nicht förderfähig sind allerdings Abschlüsse auf einem Niveau, über das ein Antragsteller schon verfügt. Wer also Tischlermeister ist, kann nicht per Meister-BAföG den Klempnermeister fördern lassen. Im Einzelnen beträgt die monatliche finanzielle Förderung (nicht rückzahlbarer Zuschuss plus zinsgünstiges Darlehen) beim Meister-BAföG:

  • Alleinstehende ohne Kind: Zuschuss 238 Euro, Darlehen 459 Euro, gesamt 697 Euro
  • Alleinstehende mit einem Kind: Zuschuss 343 Euro, Darlehen 564 Euro, gesamt 907 Euro
  • Verheiratete ohne Kind: Zuschuss 238 Euro, Darlehen 674 Euro, gesamt 912 Euro
  • Verheiratete mit einem Kind: Zuschuss 343 Euro, Darlehen 779 Euro, gesamt 1.122 Euro
  • Verheiratete mit zwei Kindern: Zuschuss 448 Euro, Darlehen 884 Euro, gesamt 1.332 Euro

Der Betrag erhöht sich ab dem dritten Kind um 210 Euro pro Kind, die hälftig als Zuschuss gezahlt werden. Zudem zahlt der Staat den Alleinerziehenden monatlich einen pauschalisierten Kinderbetreuungszuschlag von 113 Euro pro Kind ohne Kostennachweis. Diese Mittel dienen der Unterstützung des Lebensunterhalts der Meisterschüler, jedoch sind die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren ebenfalls einkommens- und vermögensunabhängig bis zu 10.226 Euro förderfähig. Der Zuschuss beträgt hierfür 30,5 %, der Rest ist ein zinsgünstiges Darlehen. Die Zinsen werden entsprechend den Marktzinsen festgesetzt und orientieren sich am KfW-Zinssatz, der im Sommer 2014 bei 1,41 % liegt, allerdings bleiben die Darlehen während der Fortbildung und zwei Jahre danach zins- und tilgungsfrei (längstens sechs Jahre). Das Meisterstück wird hälftig bis maximal 1.534 Euro per zinsgünstigem Darlehen gefördert.

Berufsausbildungsbeihilfe

Mit der Berufsausbildungsbeihilfe werden Azubis mit einer zu niedrigen Ausbildungsvergütung gefördert. Der Antrag erfolgt an die Arbeitsagentur, die online einen BAB-Rechner bereitstellt, mit dem der Anspruch ermittelt werden kann.

Bildungskredit der KfW

Der Bildungskredit der KfW – Programm-Nr 173 – richtet sich an Studenten. Er wird zwar oft im Rahmen der Weiterbildungsförderung erwähnt, fördert aber zu einem gegenwärtigen Zinssatz von 1,41 % (Stand: September 2014) eher Schüler und Studenten während der letzten Ausbildungsphase, auch während eines Aufbaustudiums. Er kann zusätzlich zum BAföG beantragt werden und ist an keine Einkommensgrenzen der Antragsteller (bis zum 36. Lebensjahr) oder ihrer Eltern gebunden.

Weiterbildungsstipendium des BMBF

Das Bundesministerium Bildung und Forschung vergibt ein Weiterbildungsstipendium für Weiterbildungen in technischen Berufen, zum Handwerksmeister, zur Fachwirtin, für EDV-Kurse und auch für Intensivsprachkurse. Interessenten müssen sich hierfür bei der Stiftung Begabtenförderung (SBB) bewerben, die mit den Mitteln des BMBF Anträge sichtet, bearbeitet und die Mittel verteilt. Auch ein Aufstiegsstipendium ist bei der SBB erhältlich, mit welchem das erste Studium gefördert werden kann. Hiermit sollen Menschen unterstützt werden, die in ihren Berufen besonderes Engagement und Talent bewiesen haben. Die SBB wählt für beide Stipendien die Stipendiaten aus.

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