Egal, mit welcher Ausbildung ein Flüchtling nach Deutschland kommt, muss er in erster Linie so schnell wie möglich Deutsch lernen. Viele müssen außerdem vorbereitend das lateinische Alphabet kennen, lesen und schreiben lernen, weil sie bis zur ihrer Flucht hauptsächlich mit der arabischen Schrift vertraut waren. Schulungen zum Erlernen des Alphabets und Grundkurse in Deutsch werden allen registrierten Flüchtlingen angeboten. In vielen Aufnahmecentren und dem Bundesamt für Migration und Flucht (Bamf) werden Kurse organisiert, es gibt aber auch Fernkurse über das Internet, so genannte Webinare, die u.a. vom Goethe-Institut organisiert werden. Die Kurse sind in verschiedene Stufen eingeteilt. Für die Anerkennung der in der Heimat vorgenommen Ausbildung muss oft auch der Beweis erbracht werden, dass ein Deutsch-Kurs auf einem bestimmten Niveau erfolgreich abgeschlossen wurde. Wer im medizinischen Bereich arbeiten will, muss beispielsweise mindestens die Kurse auf dem Niveau B1 abgeschlossen haben.
Organisationen, die Deutschlehrer speziell für Flüchtlinge ausbilden und vermitteln, stehen zum Teil vor dem enormen Problem, dass der Bildungsstand der Flüchtlinge äußerst unterschiedlich ist. Es gibt echte Analphabeten, die auch in ihrer eigenen Sprache nie lesen und schreiben gelernt haben – und es gibt akademisch ausgebildete Personen, die ein Universitätsstudium absolviert haben und bereits fließend Englisch oder Französisch sprechen. Der grundlegende Deutsch-Unterricht muss deshalb sehr individuell angepasst werden.

Ein Wirrwarr von Regeln für Flüchtlinge

Generell hat jeder Asylbewerber nach seiner Ankunft Anspruch auf Deutsch-Unterricht. Das Ziel ist es, dass Kinder so schnell wie möglich in einen normalen Schulunterricht integriert werden können. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Kinder und Jugendliche nach einem halben Jahr Deutsch-Unterricht dazu in der Lage sind.
Erwachsene Flüchtlinge dürfen in den ersten drei Monaten zwar Deutsch lernen, aber nicht arbeiten. In den drei Monaten, in denen ihnen Arbeit verboten ist, können sie ihre Ausbildung anerkennen lassen oder in einer gemeinnützigen Einrichtung für einen symbolischen Stundenlohn von 1.05 Euro arbeiten.
Flüchtlinge, die nur geduldet sind und deren Status als Flüchtling nicht anerkannt wird, erhalten generell keine Arbeitsgenehmigung.
In der Zeit, in der das Asylverfahren noch läuft, wird generell nur eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis erteilt. Das bedeutet, dass die Ausländerbehörde Dokumente vom Arbeitgeber beantragt, in dem er genaue Angaben über das Arbeitsverhältnis machen muss. Da das mit viel Bürokratie verbunden ist, scheuen sich manche Arbeitnehmer davor, einen Mitarbeiter mit eingeschränkter Arbeitserlaubnis einzustellen. Außerdem kann einem Flüchtling mit eingeschränkter Arbeitserlaubnis ein Arbeitsplatz von der Ausländerbehörde auch verwehrt werden. Das kann u.a. dann passieren, wenn eine Person mit voller Arbeitsgenehmigung den gleichen Job haben möchte. Erst dann, wenn die eingeschränkte Arbeitserlaubnis schon fünfzehn Monate besteht, werden Teile des Prüfverfahrens eingestellt.

Anerkennung der Ausbildung und des Berufs

Ausgebildete Flüchtlinge stehen außerdem vor dem Problem, dass ihr Schulabschluss oder ihre Ausbildung nach der Ankunft in Deutschland erst anerkannt werden muss, bevor sie in ihren eigenen Beruf wieder arbeiten können. Laut der Bundesarbeitsagentur haben 20 Prozent der Flüchtlinge einen Hochschulabschluss und 35 Prozent einen Abschluss, der dem eines deutschen Facharbeiters entspricht. Welche Abschlüsse und Ausbildungen anerkannt werden müssen, ist sehr unterschiedlich. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat deshalb eine Hotline (+49 30 18151111) eingerichtet.
Das jeweils notwendige Verfahren wird auch dadurch erschwert, dass es für die Anerkennung keine zentrale Stelle gibt, sondern alles vom jeweiligen Wohnort des Antragsstellers und vom Berufszweig abhängig ist. Als Arzt oder Ärztin, Psychologe, Tierarzt, Apotheker u. ä. muss man seinen Antrag z. B. bei der regionalen Approbationsbehörde stellen. Ein solches Approbationsverfahren ist ausgesprochen schwierig. Es müssen alle Papiere vollständig vorliegen, es müssen Beweise für die berufliche Tätigkeit in der Heimat erbracht werden, es müssen außerdem ein Gesundheitsattest und ein amtliches Führungszeugnis erbracht werden. Flüchtlinge, die während ihrer Flucht alles verloren haben, können hier auf scheinbar unüberwindliche Probleme stoßen. Ähnlich sehen die Verfahren in den juristischen und zahnärztlichen Berufen aus. Es ist immer die jeweilige Berufskammer für die Anerkennung zuständig.

Was ist ein Ausbildungsberuf?

Generell müssen alle Flüchtlinge, die einen Beruf ausgeübt haben, der in Deutschland als Ausbildungsberuf gilt, ihre Fähigkeiten anerkennen lassen. Eine Reihe von Ausbildungsberufen können jedoch auch ausgeübt werden benötigen jedoch keine Anerkennung in Deutschland. Dazu gehören
  • kaufmännische Berufe
  • Köche
  • Mechaniker
  • Kfz-Techniker
  • Handwerksberufe wie z.B. Friseur
Hier zählen nur das Können und die Frage, ob man den Arbeitgeber von sich überzeugen kann.
Da es nicht einfach ist, einen Überblick darüber zu bekommen, welche Ausbildung eine Anerkennung braucht und welche nicht, und welche Behörde gegebenenfalls für die Anerkennung zuständig ist, hat die Bundesregierung ein Web-Portal zur Anerkennungsfindung eingerichtet. Den Anerkennungsfinder gibt es auf www.anerkennung-in-deutschland.de. Diese sehr praktische Web-Site steht allerdings nur in der deutscher Sprache zur Verfügung, was wieder einmal beweist, dass das Erlernen von Deutsch an allererster Stelle stehen muss. Allerdings: Die Seite kann auf „leichte Sprache“ umgestellt werden. Sie ist dann zwar immer noch in Deutsch, allerdings ist dann alles sehr leicht verständlich formuliert.
Das Verfahren, in dem ein Beruf oder eine Ausbildung anerkannt wird, heißt „Gleichwertigkeitsverfahren“. Man braucht nur auf der ersten Seite des Portals seinen Beruf einzugeben und erfährt dann sofort, ob ein solches Verfahren überhaupt notwendig ist. Wenn das nicht der Fall sein sollte, kann man sich auch ohne Berufsanerkennung sofort auf Job-Suche begeben. Wenn eine Anerkennung notwendig ist, wird man auf der Seite automatisch zu den zuständigen Behörden weitergeleitet.

Was tun bei fehlenden Papieren?

Wenn auf der Flucht auch alle wichtigen Papiere verloren gingen, kann die Situation hoffnungslos wirken. Inzwischen gibt es für die Betroffenen wieder Hoffnung. Das Bundesministerium für Bildung hat die so genannte „Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalyse“ entwickelt. Flüchtlinge können mithilfe von Arbeitsproben und in Gesprächen mit Fachleuten ihre Kenntnisse unter Beweis stellen. Aber auch hier gibt es in jedem Bundesland andere Ansprechpartner – und Ende 2015 hatten noch nicht alle Bundesländer dieses Angebot überhaupt in ihr Flüchtlingsprogramm mit aufgenommen. 2016 sollen dieser neu entwickelte Bereich intensiviert und ausgebaut werden.

Die praktischen Probleme der Flüchtlinge

Eines der größten Probleme der Flüchtlinge auf Arbeits- und Ausbildungssuche, ist die Frage nach ihrem festen Wohnort. Vor allem in der Anfangszeit ist hier sehr viel Geduld gefragt. Auch Jugendliche, die in Jugendeinrichtungen leben, können hier enorme Schwierigkeiten haben, weil sich die Stadt, der Kreis oder das Land dahinter verschanzen können, dass noch nicht klar sei, wo der Jugendliche nach seinem 18. Geburtstag leben wird. Es werden immer wieder Fälle bekannt, bei denen Jugendliche mit diesem Argument eine Ausbildung bzw. die Finanzierung der Ausbildung verweigert wurde. Fast hoffnungslos wird die Situation, wenn die Jugendlichen nur geduldet sind. Falls die Jugendlichen nämlich aus einem sicheren Herkunftsland kommen, haben sie wirklich keinerlei Ansprüche auf einen Ausbildungsplatz. Falls sie trotzdem einen finden, kann es passieren, dass ihnen jegliche finanzielle Unterstützung verweigert wird, da eine Abschiebung nach dem 21. Geburtstag wahrscheinlich ist.
Ein weiteres praktisches Problem ist natürlich die Dauer des Asylverfahrens, da in diesem Zeitraum nur die beschränkte Arbeitserlaubnis erteilt wird. Die Bearbeitungszeit kann einige Monate in Anspruch nehmen und bis zu einem halben Jahr dauern. Genaue Zahlen gibt es nicht, da der Zeitraum erst ab dem Tag gemessen wird, an dem der Asylantrag gestellt wird.

Unterschiede in den Bundesländern

Die Bundesländer haben bei der Berufsförderung von Flüchtlingen unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Niedersachsen gilt beispielsweise vorbildlich, wenn es um die Frage geht, ausgebildete Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dort sucht man seit dem Sommer 2015 unter Menschen aus Syrien gezielt nach Fachkräften und hilft ihnen dabei, alle Hürden zu überwinden. In Bayern werden in vielen Gemeinden nach einem intensiven Deutschkurs berufsvorbereitende Maßnahmen angeboten. Andere Bundesländer haben andere gezielte Programme. Es ist also wichtig, sich nach den Fördermöglichkeiten in dem Bundesland zu informieren, in dem man nach der Flucht untergebracht wird.
Bildquelle: Stockfoto-ID-99404117-by-radekprocyk