Wer eine Fremdsprache beherrscht, profitiert davon im Alter. Eine Langzeitstudie zeigt: Wenn man im Laufe seines Lebens mindestens eine fremde Sprache erlernt hat, wirkt sich das positiv auf die grauen Zellen aus. Sie sind besser vor alterstypischen Verfallserscheinungen geschützt. Und noch eine gute Botschaft: Selbst wenn man Fremdsprachenkenntnisse erst im fortgeschrittenen Alter erwirbt, kann man sein Gehirn dadurch länger fit halten.

An der Langzeitstudie waren 853 Bewohner der Region Edinburgh beteiligt, die alle im Jahr 1936 geboren sind. 1947, im Alter von elf Jahren, absolvierten sie einen Intelligenztest. Zwischen 2008 und 2010 unterzogen sie sich einem zweiten Test. 262 der Teilnehmer hatten in Verlauf ihres Lebens mindestens eine Fremdsprache gelernt, bei 65 von ihnen war dies erst nach Erreichen des Erwachsenenalters der Fall. Die restlichen Probanden beherrschten lediglich ihre Muttersprache.

Fremdsprachen sind Gehirnjogging mit Nachhaltigkeitsfaktor

Wissenschaftler der University of Edinburgh, die die Studie auswerteten, stellten fest: Bei den Studienteilnehmern mit Fremdsprachenkenntnissen waren die kognitiven Fähigkeiten im Alter besser ausgeprägt, als es aufgrund ihrer Intelligenztests im Kindesalter zu erwarten war. Sprachenkenntnisse, so der Schluss der Forscher, wirken sich positiv auf die Sprach- und Lesekompetenz sowie generell auf die Intelligenz aus. Die zweite wichtige Erkenntnis: Die bereits erwähnten kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernvermögen und Wahrnehmung bauen sich offenbar auch dann weniger schnell ab, wenn die Sprache erst im fortgeschrittenen Alter erlernt wird.

Die Studie liefert somit einen Grund mehr, sich eine Fremdsprache neu anzueignen oder vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen. Wer das heute jenseits von Schule oder Uni in einem späteren Lebensabschnitt unternimmt, dem bieten sich so viele Möglichkeiten wie noch nie.

Fremdsprachen lernen mit einem traditionellen Sprachkurs

Da wäre einmal der traditionelle Weg – ein Sprachkurs als Präsenzveranstaltung, bei dem die Sprachschüler in einer Gruppe von einem Sprachlehrer unterrichtet werden. Diese Art des Lernens bieten private Sprachinstitute und Volkshochschulen an. Solche Kurse finden in der Regel ein- bis zweimal die Woche statt, man ist also an feste Zeiten gebunden und muss seinen Terminkalender entsprechend ausrichten. Ist die Lerngruppe als solche oder das sprachliche Gefälle der Kursteilnehmer zu groß, wird diese Art des Lernens schnell ineffektiv – und die Motivation droht dann auch auf der Strecke zu bleiben.

Der Vorteil traditioneller Sprachkurse: Der Sprachlehrer – idealerweise ein Muttersprachler in der Sprache, die er unterrichtet – kann die Kursteilnehmer direkt und spontan korrigieren, ihnen beispielsweise schwierige Wörter vorsprechen und gezielt Übungen wiederholen, bis sie sitzen. Ebenso ist es möglich, im Sprachkurs aktuelle Themen und Ereignisse aufzugreifen und darüber in der zu lernenden Sprache zu reden – was wiederum die Motivation erhöhen kann.

Sprachen besonders flexibel lernen via Internet

Besonders viele Freiheiten bieten Online-Sprachkurse, die sich jederzeit und an jedem Ort aufrufen lassen. Die Kurse sind zumeist in kleinere Lerneinheiten unterteilt, die man immer dann absolvieren kann, wenn es passt. Sprachen lernen mit papagei.com funktioniert zum Beispiel nach diesem Prinzip. Man kann unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet interessante, kompakte Sprachlernvideos schauen und dabei seine Sprachkenntnisse intuitiv verbessern. Solche Lernmethoden kommen den Lebensgewohnheiten von jüngeren Leuten, die mit Internet, Computer und Smartphone aufgewachsen sind, besonders nahe – doch auch für die meisten Älteren ist heute der Umgang mit mobilen Internetgeräten eine Selbstverständlichkeit.

Die Herausforderung bei solchen Selbstlernlösungen: Der Sprachschüler muss sich selbst organisieren und seinen „inneren Schweinehund“ überwinden – was nicht jedermanns Sache ist. Umso wichtiger ist, dass bei Online-Sprachkurse die Motivation dauerhaft hochgehalten wird. Das Angebot an Lerninhalten sollte breit gefächert und für Abwechslung sollte gesorgt sein. Viele Onlinekurse bieten zudem die Möglichkeit, zusätzlich mit einem Sprachlehrer per Telefon oder über ein virtuelles Klassenzimmer zu kommunizieren. Solche Lösungen sind ideal für Lernende, die für ihren Lernerfolg zumindest sporadisch den direkten Kontakt zu einem Trainer benötigen.

Sprachen im Urlaub lernen

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden – ein Sprachurlaub ermöglicht es, direkt vor Ort in einer spannenden Metropole zu lernen und dabei nicht nur in eine Sprache, sondern auch in die Kultur eines anderen Landes einzutauchen. Doch dafür müssen das nötige Kleingeld und vor allem ausreichend Zeit vorhanden sein. Mal eben kurz übers Wochenende nach London jetten und ein paar Stunden lang Englisch pauken – das bringt nicht wirklich etwas.

Bei Schulabsolventen sehr beliebt sind Work-and-Travel-Auslandsaufenthalte etwa in Australien, Neuseeland und Kanada. Sie dauern bis zu einem Jahr, finanziert werden sie durch Gelegenheitsjobs, die mal bezahlt und mal mit freier Kost und Logis honoriert werden. Spezielle Working-Holiday-Visa ermöglichen es, Jobs im Ausland auszuüben. Beim Work and Travel lässt sich eine fremde Sprache besonders intensiv erlernen, da man viel herumkommt, viele Menschen kennenlernt und fast ausschließlich in der jeweiligen Landesprache kommuniziert. Für Berufstätige ist ein guter Zeitpunkt für einen effektiven Sprachurlaub etwa bei einem Jobwechsel oder während eines Sabbaticals gegeben. Senioren haben es da leichter, da sie in der Regel zeitlich viel flexibler sind. Ein organisierter, längerer Sprachurlaub im Ausland ist allerdings nicht billig und muss erst einmal finanziert werden.

Sprachen im Tandem-Gespann lernen

Nein, hier lernt man nicht beim gemeinsamen Fahrradfahren, aber ein Gespann bildet man trotzdem. Bei diesem unkonventionellen Weg des Spracherwerbs gehen zwei Privatpersonen eine Sprachlernpartnerschaft ein. Man trifft sich regelmäßig mit seinem Sprachpartner, dem „Tandem“, auf einen Kaffee, zum Essen oder auf einen Spaziergang, und unterhält sich dabei in der zu erlernenden Sprache. Zudem kommuniziert man zwischendurch per SMS, E-Mail und über soziale Netzwerke und verbessert so seine Sprachkenntnisse. Klar ist, dass es hier kein didaktisches Konzept und keinen Lehrer gibt, der korrigiert und beispielsweise Grammatikregeln systematisch erklärt. Aber dafür genießt man im Idealfall eine angenehme Gesellschaft und lernt besonders praxisnah in wirklichen Alltagsituationen.

Online-Schnupperkurse ermöglichen kostenloses Ausprobieren

Welche der skizzierten Lernmethode ist aber nun am besten für ältere Menschen geeignet, die es noch einmal Wissen und ihre Sprachkenntnisse aufpolieren wollen – oder gar planen, eine Sprache ganz neu zu erlernen? Wer bislang wenig Erfahrung mit Internet, PC und Smartphone gesammelt hat, für den bietet sich ein traditioneller Präsenzsprachkurs an. Kurse der Volkshochschulen gibt es auch in zahlreichen kleineren Gemeinden, die Kosten dafür sind überschaubar. Technikaffine Ältere können es zunächst mit der Variante Online-Sprachkurs versuchen. Der große Vorteil: Die meisten Sprachlernprotale bieten kostenlose Schnupperkurse an. So kann man unverbindlich testen, ob diese Art des Lernens etwas für einen ist. Ob traditionell oder auf die moderne Weise: Am besten einfach mal ausprobieren – denn es nie zu spät, eine Fremdsprache zu erlernen. 

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