Die Derivation (deutsch: Ableitung) ist ein Begriff aus der Linguistik, also der Sprachwissenschaft und bezeichnet einen Wortbildungsprozess aus Morphemen (kleine Spracheinheiten oder Worte, im lexikalischen Sinn) und Affixen (gebundene Morpheme, die nur grammatikalisch relevant sind). Das Ergebnis ist immer eine neue Wortform.

Derivation

Die Derivation ist ein Begriff aus der Linguistik und bezeichnet einen Wortbildungsprozess.

Allerdings darf man die Derivation nicht mit einer Komposition verwechseln. Bei der Komposition sind zwei eigenständige Wortformen (Grundmorpheme) notwendig, wie zum Beispiel bei „Regentonne“. Regen ist hierbei ein Grundwort (Nomen) und Tonne ist ein Grundwort (Nomen). Daraus entsteht ein neues Wort mit eigenständiger Bedeutung. Dies ist auch bei der Derivation der Fall, allerdings mit dem Unterschied, dass nur ein Teil des Wortes ein eigenständiges Grundwort (Nomen) ist und der andere Teil lediglich grammatikalische Bedeutung hat. An einem Beispiel lässt sich gut erkennen, was eine Derivation ist: Schönheit = Schön – heit. Aus dem Adjektiv „schön“ und dem Suffix -heit, der nur grammatikalisch verwendet werden kann und keine eigene Bedeutung hat, entsteht das Substantiv Schönheit.

Die Bestandteile einer Derivation

Man kann die Bestandteile einer Derivation entweder unter morphologischen oder semantischen Aspekt betrachten. In morphologischer Hinsicht gliedert sie sich in ein Komplement und einen Kopf. Bei dem Beispiel Schönheit wäre der Kopf das Suffix -heit, was das Geschlecht bestimmt. In diesem Fall ein Femininum: die. Das Komplement ist das Adjektiv frei.

In semantischer Betrachtungsweise besteht eine Derivation aus einem Kern und einem Modifikator, wobei der Kern die Wortbedeutung kennzeichnet und in diesem Fall das Wort „schön“ ist. Der Modifikator -heit ist ein abstraktes Gebilde, dass besagt, dass es sich um die Idee handelt, schön zu sein.

Die Arten oder Formen von Derivationen

Derivationen lassen sich in morphologischer Hinsicht nach der Art ihrer Affixe einteilen. Affixe können Suffixe, Präfixe, Infix und Zirkumfixe sein.

Mit der Suffixierung ist das Anhängen von Endungen gemeint. Diese Endungen untergliedern sich wiederum in Normalendungen, wie -heit, -keit, -tät, -ung (Sicherheit, Schwierigkeit, Normalität, Benutzung), in die Adjektivendungen, wie -lich, -bar und -sam (verletzlich, verwendbar, bedeutsam) und in die Verbendungen -el und -ier (röcheln, kaschieren).

Bei den Präfixen ist die Sache umstritten, weil sie angeblich keine eigenständige Bedeutung haben sollen. Dennoch seien hier einige genannt: be-, er-, un-, ver-, miss- und zer-.

Bliebe noch die Zirkumfigierung. Sie ist im Deutschen ein eigentümliches Phänomen, weil sie ein Grundwort am Anfang, als auch am Ende um ein Affix erweitert. Beispiele sind: Ge-hup-e, Gezerr-e, be-reif-t, be-brill-t.

Fazit

Die Linguistiker haben einen komplizierten Beruf, weil die theoretische Durchdringung der deutschen Sprache schon für den Experten reichlich schwer und für den Laien fast unmöglich ist.

Wer weiß schon, was ein Neologismus ist? Ständig werden wir mit neuen Anglizismen (Nominativ: Anglizismus) überhäuft und das Lexikon erweitert sich heute bei Wikipedia täglich um etliche neue Wörter. Über das Unwort des Jahres kann man sich ja streiten, Fakt ist aber, dass allein schon die Existenz tausender anderer Unworte, die in die deutsche Sprache Einzug gehalten haben, jeden Sprachwissenschaftler sprachlos machen müssen.