Das Drama in fünf Szenen „Draußen vor der Tür“ wurde 1947 kurz nach dem Tod des Kriegsveteranen Borchert in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt und sorgte umgehend für großen Publikumserfolg. Es verbindet die Ästhetik des naturalistischen Theaters mit den Erfahrungen eines Nachkriegsdeutschlands, allen voran der Selbstentfremdung und dem Identitätsverlust der Soldaten, die in ein ihnen unbekanntes Deutschland zurückkehren, das sich nicht mehr in ihr Weltbild eingliedern lässt und in das sie sich auch nicht mehr fügen können.

Draußen vor der Tür

„Draußen vor der Tür“ wurde 1947 in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt.

Eine Generation draußen vor der Tür

„Draußen vor der Tür“ handelt von einem Soldaten namens Beckmann, der nach der Niederlage der deutschen Wehrmacht im zweiten Weltkrieg nach einem dreijährigen Einsatz an der sowjetischen Front in seine Heimatstadt Hamburg zurückkehrt und feststellen muss, das seine Frau inzwischen einen anderen Mann hat. Das Drama wird in der Literaturwissenschaft zum Genre der Trümmerliteratur gezählt. Statt nur das Schicksal eines einzigen Soldaten abzubilden, der von Todessehnsucht und Lebensverdruss geplagt umherirrt, thematisiert „Draußen vor der Tür“ vielmehr den Zustand einer ganzen Generation von Kriegsheimkehrern, ohne dabei vor nationalen Grenzen Halt zu machen.

Der Krieg als Gespenst von gestern

Die zurückkehrenden Soldaten sind traumatisiert und gezeichnet von der Entmenschlichung an der Front und der damit einhergehenden Entwertung des Lebens. Beckmanns Festklammern an seiner Gasmaskenbrille symbolisiert dabei das nicht Ablassenkönnen von der gespenstischen Vergangenheit und spiegelt die Unmöglichkeit einer Resozialisation der Soldaten in der gänzlich zerrütteten, sich buchstäblich in Trümmern befindlichen Nachkriegsgesellschaft wider.

Fragen ohne Antworten

Das entortete Individuum, das letztlich vom Leben ausgeschlossen, immer draußen vor der Tür bleibt, ist das Hauptaugenmerk des Stückes. Dem Leben wird alles Lebendige abgesprochen und so wird auch Gott für tot erklärt. Die bittere aber einzige Aussicht des verzweifelten Protagonisten ist der Tod. Doch auch diese Tür scheint Beckmann am Ende von „Draußen vor der Tür“ verwehrt zu bleiben, denn die letzten Zeilen markieren das unbeantwortete Verhallen seiner fordernden Fragen nach dem Sinn der Existenz im leeren, gottverlassenen Raum. Der Mensch bleibt letzlich alleingelassen im Nichts zurück.

Themenverwandte Werke Borcherts

Borcherts „Draußen vor der Tür“ reiht sich im Zuge der sogenannten Trümmerliteratur in seine früheren Werke ein, zu denen unter anderem die Kurzgeschichte „Das Brot“ gehört, in der die Nahrungsmittelknappheit der Nachkriegszeit am Beispiel eines einzigen Paares zum Ausgangspunkt für eine Diskussion über das Elend des Krieges wird. Auch in der Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ präsentiert Borchert ein verstörend minimalistisches Porträt der zerstörten Ordnung nach dem Ende des Krieges.