Am 31. Juli 1919 verabschiedete die Nationalversammlung mit großer Mehrheit die Weimarer Verfassung. Das Parlament hatte zunächst das Nationaltheater in Weimar als Versammlungsort festgelegt, weil wegen häufiger Demonstrationen und Unruhen in Berlin die Sicherheit und Unabhängigkeit der Abgeordneten in der deutschen Hauptstadt nicht gewährleistet werden konnte. Reichspräsident Friedrich Ebert unterzeichnete die Weimarer Verfassung am 11. August 1919, drei Tage später, am 14. August 1919, trat die Verfassung der ersten deutschen Republik dann in Kraft.

Vom Kaiserreich zur Republik

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. wurde am 9. November 1918 von einem Balkon des Berliner Reichstagsgebäudes durch den sozialdemokratischen Politiker Philipp Scheidemann die demokratische Republik ausgerufen. Am selben Tag rief der Marxist Karl Liebknecht eine sozialistische Räterepublik aus und proklamierte die internationalen Revolution. Die revolutionäre Bewegung wurde im Januar 1919 blutig niedergeschlagen, es gab mehrere Hundert Tote. Die Anführer der Revolution, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, wurden am 15. Januar 1919 von Mitgliedern paramilitärischer Kräfte – des sogenannten Freikorps – ermordet. Die Entwicklung einer Räterepublik auf dem Boden des Deutschen Reiches war damit gestoppt und die Gründung der parlamentarischen Republik konnte auf den Weg gebracht werden. Am 19. Januar wurde das verfassungsgebende Parlament gewählt und die Nationalversammlung trat nach der Wahl erstmalig am 6. Februar 1919 in Weimar zusammen.

Aufbau und Inhalt der Weimarer Verfassung

In der Präambel der Weimarer Verfassung wird die Einigkeit des deutschen Volkes beschworen, das sein Reich nach den Grundsätzen von Freiheit und Gerechtigkeit unter Wahrung des inneren und äußeren Friedens erneuern und gleichzeitig den gesellschaftlichen Fortschritt fördern will. Im ersten Hauptteil werden der Aufbau und die Aufgaben des Reichs, der Länder und der Staatsorgane festgelegt, der zweite Hauptteil befasst sich mit den Grundrechten und –pflichten der Reichsbürger. Mit der Weimarer Verfassung wurde eine föderative parlamentarische Republik mit starken Einfluss des Reichspräsidenten begründet.

Ohne die Weimarer Verfassung hätte es das heutige Grundgesetz niemals gegeben

Ohne die Weimarer Verfassung hätte es das heutige Grundgesetz niemals gegebenWilhelm der Erste rief 1871 von Frankreich aus das Deutsche Kaiserreich aus

Das Ende der Weimarer Republik

Nachdem der Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte und die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, wurde die bis dahin bestehende Demokratie rasch in eine Diktatur umgewandelt. Formell galt die Weimarer Verfassung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwar weiterhin, sie wurde allerdings de facto nach dem Reichstagsbrand bereits am 28. Februar 1933 durch eine Verordnung des Reichspräsidenten weitgehend außer Kraft gesetzt. Diese „Reichstagbrandverordnung“ ebnete den Weg für ein verfassungsänderndes Gesetz, dass am 23. März 1933 im Reichstag gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Abgeordneten verabschiedet wurde. Dieses „Ermächtigungsgesetz“ setzte die Gewaltenteilung – die Grundlage jeder Demokratie – außer Kraft, die Weimarer Republik hatte nach weniger als 14 Jahren aufgehört zu existieren.