Wie so oft ist es auch beim Wort „diametral“ wieder das Altgriechische, das uns den Ursprung des Wortes liefert. „Diametros“ wurde aber nicht nur für den Kreis- oder Kugeldurchmesser verwendet, sondern auch für „entgegen gesetzt“ oder „ganz und gar anders“ sozusagen in übertragenem Sinne. Später übernahmen dann auch die Römer das Wort „diametralis“ im Sinne eines Bezugs auf den Durchmesser. Für die Geometrie ergibt sich daraus beispielsweise die Betrachtung jener Punkte auf dem Kreisumfang oder auf der Kugeloberfläche, die sich genau gegenüber liegen und so den maximalen Abstand von einander haben, wobei ihre Verbindungslinie der Durchmesser ist und zugleich den Mittelpunkt enthält. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Antipoden, wie im Fall von (geographischem) Nord- und Südpol. Bei den magnetischen Polen der Erde verhält es sich etwas anders, da ihre direkte Verbindungslinie durch den Erdkern nicht genau den geometrischen Erdmittelpunkt trifft, sondern zur Zeit gute 100 km daran vorbei läuft.

Diametral wird aber auch gern in übertragenem, nicht mathematischen Sinne verwendet, so z. B. (in der Diskussion) wenn völlig gegensätzliche Meinungen zu einem bestimmten Thema aufeinander prallen, bei denen auch niemals irgend eine Kompromisslinie gefunden werden kann, solche Standpunkte haben eben auch eine maximal mögliche Entfernung zu einander und stehen daher diametral zu einander.

Kommen wir aber noch einmal zur erweiterten Anwendung in der Geometrie zurück. Es gibt außer Kreis und Kugel unzählige Figuren und Körper, die (entgegen gesetzte) Punkte enthalten, deren Verbindungslinie durch den Mittelpunkt der gesamten Anordnung geht und zugleich einen maximalen Abstand darstellt.

Mit diametral sind die entgegengesetzten Endpunkte des Durchmessers gemeint.

Mit diametral sind die entgegengesetzten Endpunkte des Durchmessers gemeint.

Beim Quadrat oder Rechteck ist es die Diagonale und auch für Oktaeder, Dodekaeder oder Ikosaeder lassen sich diametrale Punkte ausweisen. Ein Gegenbeispiel wäre hier der Tetraeder, denn ganz egel, welche Eckpunkte man miteinander verbindet, die Verbindungslinie ist immer zugleich auch eine Außenkante; der räumliche Mittelpunkt kann so nicht getroffen werden.

Diametral wird eher als qualitativ, beschreibend verwendet, so z. B., wie oben erwähnt, wenn zwei Standpunkte eine maximale Abweichung haben. Es kann aber auch eine eindeutige, quantitative Aussage beinhalten, beispielsweise bei der Raumdiagonalen eines Würfels, an deren Enden sich zwei Eckpunkte diametral gegenüber liegen. Zur Vereinfachung normieren wir mal die Kantenlänge des Würfels auf 1 (Meter oder Zentimeter ganz egal). Die Projektion der Raumdiagonalen auf die obere Fläche des Würfels hat die Länge Wurzel aus 2 (Anwendung Satz des Pythagoras). Betrachten wir nun jenes Rechteck aus den Diagonalen der oberen- und der unteren Würfelfläche mit den Längen Wurzel aus 2 und den zugehörigen vertikalen Kanten der Länge 1. Die Diagonale in diesem Rechteck ist zugleich die Raumdiagonale des Würfels, und ihre Länge zwischen den diametralen Würfelecken beträgt eindeutig Wurzel aus 3, womit hier die Beschreibung „diametrale“ Eckpunkte zugleich eine eindeutige, quantitative Zuordnung erhält.