Der Alexandriner gilt als einer der bekanntesten Versmaße des Barocks, der vielfach genutzt wurde um Parallelen und Gegensätze aufzuzeigen. Was genau ein Alexandriner ist, wie die Entstehungsgeschichte lautet und wo der Versmaß Verwendung findet wird im Folgenden erklärt.

Was ist ein Alexandriner?

Um zu klären, was genau ein Alexandriner ist, ist es zunächst empfehlenswert, die Begriffe Metrum bzw. Versfuß zu erläutern. Ein Metrum (auch Versfuß oder Versmaß genannt) gibt an, in welcher Abfolge betonte und unbetonte Silben in einem Vers vorzufinden sind. Das bekannteste Maß wird als Jambus bezeichnet und beinhält, dass auf eine unbetonte Silbe eine betonte folgt, wie zum Beispiel bei dem Wort „Vernunft“. Die Anfangssilbe („Ver-“) ist unbetont und die folgende Endsilbe betont („-nunft“). Im Gegensatz zu dem Jambus folgt beim Trochäus eine unbetonte auf eine betonte Silbe, wie es unter Anderem bei dem Begriff „Lager“ der Fall ist.

Neben den beiden zweisilbigen Versfüßen existieren auch zwei dreifüßige Metren: Daktylus und Anapäst. Wenn ein Daktylus vorliegt, so lässt sich zunächst eine betonte Silbe vorfinden, auf die zwei unbetonte Silben folgen. Wenn man diesen Prozess umkehrt, kommt es zum Anapäst, also zur Folge von unbetonter, unbetonter und zuletzt betonter Silbe.

Als Alexandriner wird nun ein jambisches Versmaß bezeichnet, das in einem Vers mit männlicher Kadenz (betonte Silbe am Versende) 12 Silben umfasst, bei einem weiblichen Versschluss hingegen 13 Silben ausmacht. Ein weiteres Merkmal des Alexandriners ist, dass nach der sechsten Silbe, bzw. dritten Hebung, ein fester Einschnitt (auch Zäsur genannt) stattfindet, der den gesamten Vers in zwei Halbverse unterteilt.

Entstehungsgeschichte des Versmaßes

Erstmals erwähnt wurde der Begriff „Alexandriner“ bereits im 12. Jahrhundert, als er als Bezeichnung für die Versform in dem altfranzösischen „Alexanderroman“ eingeführt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte gewann das Versmaß immer mehr Zustimmung und wurde so populär, dass es im 16. und 17. Jahrhundert als klassischer Vers der französischen Tragödien und des barocken Sonetts galt. Martin Opitz schaffte es, dass sich der Alexandriner auch in Deutschland verbreitete, indem er die oben genannten Regeln formulierte. Es wurde schnell erkannt, dass sich diese Versform gut eignet, um die Motive des Barocks – die starken Gegensätze, die Vergänglichkeit und der Vanitas-Gedanke – zu vermitteln.

Verwendung: Nebeneinander- und Gegenüberstellung

Da ein wesentliches Merkmal des Alexandriners die Zäsur nach der dritten Hebung ist, eignet sich dieses Versmaß besonders, um Parallelen herausarbeiten (durch Nebeneinanderstellungen) oder antithetisch durch Gegenüberstellungen zu arbeiten. So wird zum Beispiel in Andreas Gryphius bekannten Gedicht „ Es ist alles Eitel“, welches 1637 veröffentlicht wurde, der Gegensatz zwischen der Gegenwart und der Zukunft thematisiert. Der dritte Vers „Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn“ zeigt, dass in dem ersten Halbvers die Gegenwart beschrieben wird, nach der Zäsur hingegen auf die Zukunft eingegangen wird.

Neben Gryphius haben auch andere bekannte Dichter und Schriftsteller mit dem Alexandriner gearbeitet. Goethe verwendet dieses Versmaß in seinem bekannten Schriftwerk „Faust“, im französischen Comic „Asterix und Kleopathra“ wird er bei einer Begrüßung verwendet und auch in der deutschen Literatur findet er Zustimmung von Angelus Silesius („Cherubinischer Wandersmann“) und Hoffmannswaldau („Vergänglichkeit der Schönheit“).