Viele kennen aus dem Deutschunterricht noch Wore wie „Versmaß“, „Trochäus“ und „Jambus“. Aber die wenigsten wissen noch, worum es sich hierbei eigentlich handelt. Das Versmaß bezeichnet das metrische Schema eines Gedichtes, das heißt, es beeinflusst den Rhythmus und bestimmt die Betonung der einzelnen Silben.

Das Versmaß kann ein Trochäus, ein Jambus, ein Daktylus, ein Anapäst oder ein Alexandriner sein. Der Alexandriner ist der „Exot“ unter den fünf Versmaßen, denn er kommt vor allem in der französischen Literatur vor und wurde dort hauptsächlich im Zeitalter des Barock in Gedichten verwendet.

Beim Jambus folgt auf eine unbetonte Silbe eine betonte. Der Trochäus ist das Gegenteil, hier folgt auf eine betonte Silbe eine unbetonte. Bei Daktylus und Anapäst wird es schon schwieriger, denn beim Daktylus folgt eine unbetonte Silbe auf zwei unbetonte Silben (entspricht einem Dreivierteltakt), während es bei dem Anapäst genau gegenteilig ist.

Aber wie ist es bei dem Trochäus?

Entwickelt wurde er wie die anderen Versmaße bereits in der Antike und in römischen oder griechischen Gedichten verwendet. Ursprünglich entwickelt wurde es aber von den Griechen, während die römischen Dichter die Versmaße nur übernahmen.

In der Antike bedeutete Trochäus noch, dass auf eine unbetonte Silbe eine betonte folgt. Inzwischen wird er aber anders interpretiert, nämlich dass eine lange Silbe einer kurzen vorhergeht. Er wurde nach dem Zeitalter der Römer und Griechen lange nicht mehr verwendet. Dichter und Schriftsteller nutzten vor allem den Jambus, da er ihrer Meinung nach einem Gedicht mehr Leben verleiht, wenn man es mit einer unbetonten Silbe beginnt und erst die zweite betont.

Goethe verwendete gerne in seinen Gedichten den Trochäus

Goethe verwendete gerne in seinen Gedichten den Trochäus

Wiederentdeckt wurde er vor allem von dem 1949 geborenen Goethe als Teil der Weimarer Klassik. Hier wurden einige Elemente der Antike wieder übernommen und darunter auch das damalige Versmaß. Goethe verwendete es in Gedichten wie zum Beispiel „Meeresstille“ oder „An Luna“. Goethe verwendete den Trochäus vor allem als 5 – Heber, ein Element, welches er in der serbischen Volksdichtung entdeckt und daran Gefallen gefunden hatte. Später (ca. 1800) wurde dann aber eher der 4 – Heber verwendet, der von spanischen Dichtungen seinen Weg in die deutsche Literatur gefunden hatte.

Ebenso verwendet Eduard Mörike den Trochäus in einem seiner bekanntesten Gedichte „Er ist´s“. Da er durch antike Gedichte in seiner Ausbildung stark geprägt wird, benutzte er die Einflüsse dieser Literatur auch in seinen eigenen Werken. Das wohl aller bekannteste Werk, in dem ein Trochäus zu finden ist, stammt aber von Wilhelm Busch. Es ist das 1865 erschienene „Max und Moritz“. Der Satz „Max und Moritz diese beiden, mochten ihn darum nicht leiden“ zum Beispiel ist wohl eines der besten Beispiele für einen reinen Trochäus. Und da ihn jeder kennt, kann man sich damit am leichtesten merken, wie sich ein Trochäus anhören muss.