Bis in die griechische Antike geht das deutsche Versmaß zurück. Der Begriff stammt aus dem lateinischen Wort versus, womit ursprünglich eine Furche bezeichnet werden konnte; das Wort wurde auch benutzt, um eine Wendung oder ein Umkehren auszudrücken. Verse sind messbar. Dazu bedarf es bestimmter Einheiten: den Versfüßen.

Der Jambus

Für die mittelalterlichen Fastnachtsspiele war es oft üblich, pro Vers eine genaue Silbenzahl einzuhalten. Eine Verszeile bestand aus acht oder neun Silben. Die deutsche Sprache setzt sich aber aus Hebungen und Senkungen zusammen. In der Regel liegt im Wortstamm eine betonte Silbe, wie beispielsweise in dem Begriff „Erhalt“: Er besteht aus einer Senkung und einer Hebung, dem sogenannten Jambus. In der deutschen Metrik ist er der am häufigsten verwendete Versfuß. Wiederholt sich der Jambus, haben wir ein jambisches Versmaß. Andreas Gryphius gebrauchte in seinem Gedicht „An sich selbst“ einen reinen sechsfüßigen Jambus:

Was ist der hohe Ruhm, und Jugend, Ehr und Kunst?
Wenn diese Stunde kommt, wird alles Rauch und Dunst.

Hierbei handelt es sich um eine besondere Form des jambischen Versmaßes: dem Alexandriner. In gesprochener Form enthält er nach jeder sechsten Silbe eine Pause, die sogenannte Zäsur. Die Anordnung des Versfußes in Senkung und Hebung nennt sich steigend. Steigende Versmaße besitzen eine bestimmte Art von Harmonie, die dem Rhythmus des menschlichen Herzens ähnelt.

Weitere bekannte Formen

Das klassische Versmaß stammt aus Griechenland

Das klassische Versmaß stammt aus Griechenland

Der Jambus kann auch durch einen Anapäst ersetzt werden. Dieser besteht aus zwei Senkungen und einer Hebung. Beginnt der zweisilbige Versfuß mit einer Hebung, spricht man von einem Trochäus. Der fallende Versfuß hat eine aufreibende Eigenschaft, wie bei Goethe erkennbar ist:

Märchen, noch so wunder bar,
Dichterkünste machen’s wahr.

Die Zeilen sind in einem vierfüßigen Trochäus geschrieben. Es fehlen die unbetonten Silben am Ende der Verse, weshalb diese Stellen als halbe Versfüße bezeichnet werden. Auch der Daktylus ist mit drei Silben und der Hebung am Anfang ein fallender Versfuß.

Heute werden klassische Versmaße weniger verwendet. Freie Verse sind an keine bestimmte Zahl von Hebungen gebunden. Zudem lässt sich das antike Versmaß aus einem besonderen Grund schwer ins Deutsche übertragen: Die Griechen besaßen keine Hebungen und Senkungen, sondern lange und kurze Silben.