Nahezu alle Fremdwörter stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als gerade die höhere Adelsschicht sich durch Verwendung dieser Wörter vom Fußvolk abgrenzen wollte. Das Wort intellektuell stammt aus dem Lateinischen und wurde zum genannten Zeitraum in die deutsche Sprache mit aufgenommen. Intellektuell bedeutet wörtlich übersetzt „den Verstand (Intellekt) betreffend“.

Intellektuell – viel mehr als gebildet

Wer intellektuell ist, setzt seinen Verstand ein

Wer intellektuell ist, setzt seinen Verstand ein

Das Wort intellektuell stammt vom lateinischen Verb „intellegere“ ab. Dieser Begriff bedeutet „verstehen“. Intellekt bedeutet die Wahrnehmung oder die Erkenntnis. Das Wort intellektuell an sich hat daher die Bedeutung: den Verstand (Intellekt) betreffend, verstandesmäßig, geistig. Als Synonyme können auch Ausdrücke wie gebildet, belesen oder gescheit verwendet werden. Im Laufe der Zeit jedoch ändern sich manche Fremdwörter und es entstehen verschiedene Bedeutungen in der Anwendung. Zustände oder Situationen können durch diese Erweiterung der Bedeutung besser beschrieben werden. Das geschah auch mit dem Wort intellektuell. Wird ein Mensch in der heutigen Zeit als intellektueller Mensch bezeichnet, drückt man damit nicht nur aus, dass diese Person etwa gescheit, belesen oder gebildet ist. Die Bezeichnung intellektuell drückt einen gewissen Grad an Bildung aus, der sich auf einer höheren Ebene befindet. Intellektuell beinhaltet das Wort Intelligenz – jemand der intellektuell ist, weist also einen hohen Bildungsstand mit einem gewissen Grad an Intelligenz auf.

Wenn man nun einen Menschen als intellektuell bezeichnet, gelangt man meist in höhere Kreise wie die Wissenschaft, Kunst oder Politik – oder an jemand, der belesen ist, ein Dichter oder Denker oder ein Schriftsteller, der sein Wissen in seinen Werken preisgibt. Intellektuelle Menschen hinterfragen alles und nehmen zu fast allem eine kritische Haltung ein. Vorschnelle Meinungen oder vorschnelle Urteile wird man von einem intellektuellen Menschen nicht erhalten. Genauso wird der Intellektuelle nicht einfach irgendeine Meinung hinnehmen, ohne darüber nachzudenken und letztendlich seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Hinterfragen und analysieren

Ein intellektueller Mensch hat die Gabe, sich und seinen Geist selbst zu beobachten – so sagte es der französische Dichter und Denker Albert Camus. Der intellektuelle Mensch hinterfragt, analysiert bis ins kleinste Detail und kritisiert jegliche Auseinandersetzungen. Intellektuelle Menschen gehören zu den Personen, die stets willkommene Gesprächspartner sind und dabei ihrer Bezeichnung durch Hinterfragen, Analysieren und Kritisieren alle Ehre machen.

2012 „Cicero“-Liste

Ende 2012 hat das Politikmagazin „Cicero“ ein sehr interessantes Ranking veröffentlicht: die Liste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen. Das Ranking erschien zum ersten Mal im Jahr 2006, nach 2007 war die Auflistung des Jahres 2012 die dritte ihrer Art.

Wie die wichtigsten deutschen Intellektuellen ermittelt wurden

Die Basis für das Ranking der Top-Intellektuellen des Landes bildete die Erwähnung in verschiedenen Medien in den zurückliegenden zehn Jahren. Dazu gehören 160 deutschsprachige Zeitungen, das Internet, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Suchmaschine Google Scholar sowie die Erwähnung im auf Biographien spezialisierten Munzinger-Archiv. Über die Gewichtung der einzelnen Medien wurden keine Angaben gemacht, ebenso wenig darüber, welche Personen überhaupt dafür qualifiziert sind, als Intellektuelle in das Ranking aufgenommen zu werden. Erstellt wurde die Rangliste vom Politikwissenschaftler und Datenexperten Max A. Höfer. In seiner Analyse kam er zu dem Schluss, dass der Schriftsteller Günter Grass der wichtigste Intellektuelle Deutschlands ist. Vor allem durch sein im April 2012 erschienenes, harsche Kritik an Israel übendes Gedicht „Was gesagt werden muss“ war Grass in den Medien präsent. Bereits in den beiden vorangegangenen Listen erreichte Grass stets einen Platz unter den besten Drei.

Zwei Österreicher unter den besten 5

Auf Grass folgen im Ranking der österreichische Schriftsteller Peter Handke sowie sein deutscher Kollege Martin Walser. Die Plätze 4 und 5 werden von zwei Frauen belegt. Die Journalistin, Schriftstellerin und Herausgeberin des feministischen Magazins „Emma“, Alice Schwarzer, ist die Frau, die mit ihrem vierten Rang die beste Platzierung einer Frau erreichte, seit es das Ranking gibt. Auf dem fünften Rang folgt die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek, die im Jahr 2004 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Hier noch einmal die Top 5 im Überblick:

  1. Günter Grass
  2. Peter Handke
  3. Martin Walser
  4. Alice Schwarzer
  5. Elfriede Jelinek

Die Auf- und die Absteiger

Am höchsten neu in das Ranking eingestiegen ist die Theologin Margot Käßmann, die unter anderem zwischen 2009 und 2010 als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie über 10 Jahre als Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannvers tätig war. Im Vergleich zu 2007 machte der Hirnforscher Gerald Hüther den größten Sprung nach oben: Er stieg um 328 Plätze auf den 152. Rang. Den tiefsten Sturz im Ranking musste der Journalist Klaus Bednarz hinnehmen, der um 320 Plätze auf Rang 451 fiel.

Viele alte Männer, wenige Frauen

Glaubt man dem Ranking, so ist der durchschnittliche Intellektuelle in Deutschland 66 Jahre alt – und ein Mann. Denn der Anteil der Frauen unter den 500 wichtigsten klugen Menschen des Landes liegt bei nur 13 Prozent. Im Ranking von 2012 tauchten über 100 Personen auf, die im Jahr 2007 noch nicht auf der Liste standen.