Die deutsche Grammatik lag noch nie so im Abwärtstrend wie im Zeitalter der elektronischen Medien. Stillosigkeit treibt Stilblüten in der Grammatik und das auch noch ohne wirklich schlechtes Gewissen. Warum auch? Schließlich weiß der Adressat ja, was gemeint ist und genau darauf komme es ja an. Ein Kauderwelsch aus neuen Wortkreationen, entliehenen Anglizismen und Verballhornungen aus Sprachabkürzungen und Smileys haben ein korrektes rechtschreibtechnisch fehlerfreies Deutsch mit einer ordentlichen Grammatik ersetzt.

Das Entsetzen ist groß!

Allseits wird es bejammert, doch niemand will wirklich etwas an den Ursprüngen dieser Entwicklung etwas tun. Lieber wird umständlich und mit hohem moralischem Impetus Grammatik gefordert, dass hier etwas zu ändern sei. Da wird in Nachhilfe und Fortbildungen investiert, statt von Anfang an gute Arbeit zu leisten. Die deutsche Sprache ist eine Artikelsprache. Sie unterscheidet in ihrer Grammatik drei Geschlechter (Genus):

  • a) männlich (maskulin)
  • b) weiblich (feminin)
  • c) sächlich (neutral).

An dem Substantiv und dessen Genus orientieren sich die Präposition und das möglicherweise verwendete Adjektiv. Wolf Schneider, „ein Gourmet“ der deutschen Sprache hat lange die „Sprachszene“ beobachtet und als bekannte Feuillettonist es in einem Buch handlich zu Papier gebracht: Deutsch für Kenner. Eine Stilkunde. Dabei ist Wolf Schneider nicht nur ein guter Essayist und verpackt die zu lernenden Lektionen nicht nur sprachlich rein geschliffen, sondern er erweist sich in dieser seiner zuletzt veröffentlichten Stilkunde als glänzender Führer durch alle Fälle der Grammatik und Sprache. So sind die vier Fälle:

  1. Nominativ
  2. Genitiv
  3. Dativ
  4. Akkusativ

Keine Fallen mehr, sondern eine genüssliche Herausforderung für Muttersprachler guten Willens. Für andere bleiben die Komposita (z.B. Adventskranzkerzenständer), Vokale, Konsonanten, Diphthonge und deren Aussprache schon oft wahre Zungenbrecher erster Güte. Silbenstruktur und Satzkonstruktion machen auch Einheimischen mit regionalen Eigenheiten in der deutschen Sprache genauso ihre Schwierigkeiten. Unterscheidungen in der Ein- und Mehrzahl (Numerus), Geschlecht (Genus), den Fällen (Kasus) und Artikeln sind in Gefahr. Eine Laxheit in der Nicht-Beherrschung der Grammatik greift um sich. Klagen kommen aus allen schulischen wie gesellschaftlichen Bereichen, wo mit Sprache umgegangen wird. Sei es in Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz oder für eine Arbeitsstelle. Oder aber auch in Hauarbeiten und in Magisterarbeiten an Hochschulen und Universitäten, nirgends ist etwas mehr ohne Fehler in der Grammatik zu finden.

Sprachverfall als Zeichen eines inneren Werteverfalls


Wer schon auf den Dativ und den Akkusativ keinen Wert mehr legt, der wird auch mit anderen Sachverhalten großzügiger umgehen. Es geht aber im Einzelnen um eine Verflachung von Einstellungen. Denn nichts im Leben ist wirklich egal. Ein plumper Relativismus absorbiert nur einen Mangel und sei es der Mangel einer ordentlichen Grammatik.