In Deutschland wird nach der Grundschule die Entscheidung getroffen, ob ein Kind auf die Hauptschule, die Realschule oder auf das Gymnasium kommt. Die Realschule vermittelt den Schülern nach erfolgreichem Abschluss der zehnten Klasse einen Realschulabschluss, auch Mittlere Reife oder Fachoberschulreife genannt.

Die Realschule entstand ursprünglich aus dem Wunsch vieler Pädagogen nach 'realer' Bildung

Die Realschule entstand ursprünglich aus dem Wunsch vieler Pädagogen nach ‚realer‘ Bildung

Das Prinzip der Realschule basierte ursprünglich auf dem Wunsch zahlreicher Pädagogen, „reale“ Bildung in der Schule zu vermitteln. Daher wurden zum Beispiel die Muttersprache eingeführt, Fächer wie Biologie und Geometrie (heutiger Bestandteil der Mathematik) und das Vermitteln von wirklich sinnvollem, praktischem Wissen. Es setzten sich einzelne Pädagogen dafür ein, jedoch erst im 18. Jahrhundert wurde der allgemeine Drang nach einer realen Schulbildung größer. Als tatsächlicher Gründer der praxisbezogenen Realschule gilt der Theologe Johann Julius Hecker, der als erster 1747 ein Fachklassensystem einführte, das dem jeweiligen Berufswunsch des Schülers dienlich sein sollte. 1859 wurden die Realschule 1. Ordnung und 2. Ordnung eingeführt, mit dem Unterschied dass bei Letzterem kein Latein unterrichtet wurde und diese dadurch als Mittelschule galt. 1872 erwuchs eine eigenständige Mittelschule aus einem Gemisch aus mehreren mittelbildenden Schulen. Den Namen „Mittelschule“ fanden einige Eltern herabwürdigend, weshalb ab den sechziger Jahren nach und nach alle Schulen in „Realschule“ umbenannt wurden.

Heute umfasst die Realschule in Deutschland die Klassen fünf bis zehn, in einigen Bundesländern auch nur die Klassen sieben bis zehn, da dort die Grundschulzeit bis auf die sechste Klasser verlängert wurde. Immer häufiger findet man in Deutschland auch das Prinzip von Gesamtschulen oder Gemeinschaftsschulen wieder, hier werden keine Unterteilungen in unterschiedliche Schulformen getätigt.

Das Schulsystem, wie es bislang bestand, wird von vielen Führungsebenen stark diskutiert. So wird zum Beispiel im Land Niedersachsen überlegt, das Sitzenbleiben abzuschaffen und stattdessen spezielle Förderprogramme für Leistungsschwache Schüler einzuführen. Das Prinzip der Einteilung in unterschiedliche Bildungsniveaus wird zudem kritisiert, vor allem da Studien zeigten, dass Schüler mit einem Haupt- oder Realschulabschluss wesentlich schlechtere Chancen auf einen gutbezahlten Beruf haben als solche mit einem Abitur. In Bayern wurden bereits viele Hauptschulen zu Mittelschulen umgewandelt, damit hier die gleichen Ausbildungschancen bestehen. Generell geht der Trend dahin, dass Schüler nicht mehr nur nach schulischen Leistungen sondern als „Gesamtpaket“ bewertet werden sollen. Dabei besteht zur Zeit jedoch noch das Problem, dass einerseits die individuelle Förderung, andererseits die Gleichheit untereinander ein höheres Maß gewinnen soll. Durch die Unterscheidung von Hauptschule, Realschule und Gymnasium sei zumindest gesichert, dass die Schüler angesichts ihres Lern- und Leistungsvermögens gefördert werden. Andererseits besteht dadurch noch immer ein Klassenunterschied. Die Kunst liegt nun darin, eine Lösung zu finden, die beide Komponenten miteinander verbindet. Ob dies nun bedeutet, dass es die Realschule in der Form in Zukunft noch geben wird oder nicht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.