Als Samuel Beckett 1949 in Paris sein Theaterstück „Warten auf Godot“ abschloss, ahnte er nicht, dass dieses seine fruchtbarste Schaffensperiode begründen würde.

Mit 17 Jahren studierte Beckett bereits am berühmten Trinity-College der University of Dublin Italienisch und Französisch, die Sprache, in der er später viele seiner bekannten Schriften verfasste. Während ausgedehnter Deutschland-Reisen in der Zeit der Naziherrschaft, suchte er Kontakte zu Künstlern des Expressionismus und der verfemten Moderne. Aktiv im französischen Widerstandskampf gegen den nazistischen Besatzungsterror eingebunden, machte er Bekanntschaft mit Erbärmlichkeit, Abhängigkeit, sinnlosem Tod und Gewalt, was sich in seiner teilweise depressiven Lebenshaltung und in seinem bekanntesten Stück „Warten auf Godot“ deutlich widerspiegelte.

1. Akt:

Eine Interpretation von Warten auf Godot beschreibt das Stück als Auseinandersetzung mit der Besetzung Frankreichs.

Eine Interpretation von Warten auf Godot beschreibt es als Auseinandersetzung mit der Besetzung Frankreichs.

Personen: Wladimir, Estragon, Botenjunge

Anhand der beiden Protagonisten Wladimir und Estragon werden dem Theaterbesucher die Widersprüche und Abhängigkeiten an den Grenzen ihres „Seins“ vorgeführt. „Warten auf Godot“ symbolisiert die Menschen auch in Zeiten von Besatzungsmächten: Abhängig voneinander auf Gedeih und Verderb, um des eigenen Friedens Willen mit der Fremdherrschaft zurechtzukommen sowie das geduldiges Warten auf eine unbekannte Lösung: hier auf ein unerklärliches Wesen, auf „Godot = Gott“.

Indem beide Personen viel Zeit bei illusorischer Polemik um „Nichts“ bzw. für ihr „Warten auf Godot“ vergehen lassen, erduldet man nur, aber ändert nichts am „Hier“ und „Jetzt“, das heißt auch, kein Rütteln an der Willkür von Machthabern.

2. Akt:

Personen: Pozzo, der Herrscher und Lucki, der Knecht, Botenjunge

Dieser Akt, in manchen Publikationen als „doppelten Akt“ bezeichneter 2. Teil, könnte als das Aufbegehren einer großen Bevölkerungsgruppe gegen die Fremdherrschaft gedeutet werden. Pozzo, der Herrscher, der unbarmherzig die Besatzer widerspiegelt und Lucky, der Geknechtete und Misshandelte, der in „Warten auf Godot“ das Volk während der Tyrannei versinnbildlichen könnte, personifizieren auf grauenhafte Art Macht und Knechtschaft. Als dann die Rollen getauscht werden und Lucky der Knecht das Zepter übernimmt, würde man nun argumentieren: „Wer die Macht hat, hat das Sagen“.

Fazit:
Gesellschaftliche Zusammenhänge spiegeln sich also bereits im Zusammenleben weniger Personen wider.

Samuel Beckett war nicht bereit, sein wenig optimistisches Stück zu interpretieren. Die handelnden Personen hoffen zwar auf eine Führungskraft oder Propheten, werden jedoch immer wieder von einem Boten vertröstet und äußern doch Hoffnungen auf Besseres im Menschen und vielleicht in einer neuen Gesellschaft.

An namhaften europäischen Theatern inszenierte man „Warten auf Godot“ als Spiel mit der apokalyptischen Grenze des Menschen an der Schwelle zu Nichts und Tod. „Warten auf Godot“ ist ein wichtiges Theaterstück der Weltanschauung Existenzialismus mit Bezug auf die absurde Kriegssituation in den Jahren des 2. Weltkriegs und danach, sowie deren Wunsch nach Frieden. Beckett starb am 22. Dezember 1989, geehrt als Nobelpreisträger für Literatur.