Der Imperativ ist einer von drei grammatikalischen Ausdrucksmöglichkeiten in der deutschen Sprache. Neben dem Alltagsgewand, demIndikativ, und der Sonntagskleidung, dem Konjunktiv, ist er die Form fürs Grobe. Der Imperativ ist die Befehlsform.

Das natürliche Umfeld eines sterbenden Modus

Das klassische Anwendungsgebiet für den Imperativ ist der Kasernenhof. Soldaten werden sich schnell an ihn gewöhnen. „Grade stehen!“, „Die Augen rechts!“, „Ohne Tritt Marsch!“

Der Imperativ ist vor allem im gesprochenen Wort zu Hause. In der Schriftform wirkt er heute – mit seinem Ausrufezeichen – häufig zu laut und zu anmaßend. Niemand möchte sich gerne laufend von einem Text anschreien lassen. Auch die Werbung („Kauft bei Müller!“) hat sich heute fast vollständig von ihm abgewandt.

War es früher in Sachbüchern häufig noch üblich zum Leser, wie zu einem etwas schwer fälligen Schüler zu sprechen, der ständig Anweisungen benötigt, ist man heute zu einer anderen Form übergegangen, und verzichtet auf Befehlsformen fast vollständig. Zumal die Befehlsform immer auch eine direkte Ansprache des Lesers erfordert und das heute von vielen als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird.
In diesem Sinne: Weiterlesen!

Die Grammatik-Seite

Oft tauchen in Imperativen nicht einmal mehr die Verben auf. Typisch für viele Arten ist es auch, auf das Personalpronomen zu verzichten. Wenn man es wirklich eilig hat, ist wenig Zeit für Kleinigkeiten. Man ruft: „Lauf!“, statt „Du musst jetzt laufen.“
Im Deutschen unterscheiden wir nur zwischen dem Imperativ Singular („Lauf!“) und dem Imperativ Plural („Lauft!“).

Jemandem direkte Anweisungen zu geben, den man siezen muss – ein typisches Problem in Klassenzimmer – löst man mit einer Behelfsform („Laufen Sie!“).

Gebildet wird der Imperativ im Deutschen, indem man die Form des 2. Singular Indikativ sucht („Du gehst, du singst, du läufst, du beeilst dich!“) und dann auf die -st-Endung verzichtet.
Die Imperativformen lauten: „Geh! Sing! Lauf! Beeil dich!“

Ausnahmen von der Regeln gibt es natürlich auch. So lautet der Imperativ von „sein“, nicht etwa „bis!“, sondern „Sei“.
Und der Befehlsmodus Singular von „wissen“, heißt nicht etwa: „weiß!“, sondern „wisse!“

Ersatzmöglichkeiten

Möchte man einen Befehl als etwas freundliches tarnen, zum Beispiel als Bitte, verzichtet man auf den Imperativ samt Ausrufezeichen, und formuliert das ganze zu einer scheinbaren Frage um: „Wärst du so freundlich, dich ein bisschen zu beeilen?“
Auch Passivkonstruktionen sind möglich: „Lied Zweiundvierzig im Gesangbuch wird jetzt gesungen.“

Und mit dem Partizip Perfekt wird vor allem beim Militär aus ganzen, komplizierten Sätzen eine klare Anweisung gemacht. Das schon bekannte „Stillgestanden!“, oft mit besonders theatralischer Silben-Trennung.

Betonung

Die Befehlsform zeichnet sich im Deutschen durch einen harschen, knappen Tonfall aus. Die Stimme wird zum Ende des Satzes lauter.

Die Schwerpunkt der Betonung, die Kadenz, ist häufig am Satzende zu finden.