Der kategorische Imperativ ist ein Leitsatz des Philosophen Immanuel Kant. Er lautet „Handle so, dass die Grundlage deines Handelns auch Grundlage für ein allgemein gültiges Gesetz sein könnte.“
Im Original liest sich das so: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Der kategorische Imperativ wird in zwei Werken Kants behandelt. In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten wird er vorgestellt, in der Kritik zur praktischen Vernunft näher erläutert.

Das Wohl aller

In Alltagssprache übersetzt fordert der Sprachwissenschaftler Kant mit dem kategorischen Imperativ, dass sich der Mensch an zwei alte Denkmuster hält. Zum einen an „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu.“ Und zum anderen an: „Stell dir vor, das macht jeder so.

Er ermahnt den Menschen mit dem kategorischen Imperativ dazu, das Wohl Aller im Auge zu behalten, und sich nicht selbst Dinge herauszunehmen, die zwar für ihn in dem Moment gut sind, aber die nicht gut wären, wenn sich jeder so verhalten würde, wenn es allgemein gültig wäre.
Es ist ein klassisches Dilemma zwischen dem, was das Individuum in einem Moment möchte, und den Auswirkungen für die Gesellschaft, für die Ordnung der Gesellschaft.
Deshalb mahnt der kategorische Imperativ uns davor, jedem Impuls nachzugehen und vorher die Folgen zu überlegen.

Der kategorische Imperativ ist ein Leitsatz des Philosophen Immanuel Kant.

Der kategorische Imperativ ist ein Leitsatz des Philosophen Immanuel Kant.

Erdbeerkuchen oder Brot – die fließenden Grenzen der Moral

Wenn man sich zum Beispiel in der Situation befindet, dass man Appetit auf einen Erdbeerkuchen hat und bei der Nachbarin steht einer auf dem Gartentisch. Könnte man nun einfach hinübergehen und ihn stehlen? Wie sähe das Gesetz dafür aus: „Wenn du Appetit hast, ist es okay, dir Sachen zu nehmen, die dir nicht gehören?“ Wohl kaum. Wenn das jeder machen würde, wäre die öffentliche Ordnung gefährdet. Jeder müsste in ständiger Angst leben, bestohlen zu werden, nur weil jemandem der Sinn danach steht.

Anders verhält es sich vielleicht, wenn man in einer Situation ist, in der man verhungert oder das einem anvertraute Kind Hunger leidet, und ein anderer, ein Händler vielleicht, hat Brot gehortet. Wie sähe ein allgemein gültiges Gesetz aus, dass den Diebstahl hier rechtfertigen könnte. „Wenn du Not leidest, die deine Existenz aufs Äußerste bedroht, ist es gerechtfertigt, dir Sachen zu nehmen, die dir nicht gehören?“ Ein schwieriger Fall. Wie sähe es mit Medikamenten aus?

Der kategorische Imperativ – ein Denkanstoß

Aber genau dafür, sich solche Fragen zu stellen, ist der kategorische Imperativ Kants gedacht.
Er zwingt die Moral und moralische Fragen in Alltagssituationen. Er dient dazu, ein Verhalten zu abstrahieren, es losgelöst von den kleinen Umständen zu betrachten, und es in Relation zu einem großen Ganzen zu sehen.

Daher kann der kategorische Imperativ, obwohl er über zweihundertdreißig Jahre alt ist, auch heute noch angewendet werden.