Wie und wann wird der Konjunktiv 1 eingesetzt?

Der Konjunktiv 1 ist ein Ausdrucksstil in der indirekten Rede. Man gibt Aussagen Dritter wieder. Darum wird er meist in der 3. Person gebraucht. Man drückt mit ihm eine Distanz zum Gesagten aus. Der Sprecher einer Aussage kann sich mit dem Gesagten identifizieren, muss er aber nicht.

Bei Nachrichten oder Reden wird zumeist der Konjunktiv 1 benutzt, im umgangssprachlichen Bereich seltener. Er wird dann durch den Indikativ oder den Konjunktiv II ersetzt.

Den Konjunktiv 1 benutzt man in den drei Zeitstufen Präsens, Vergangenheit, Futur I und II.

Dazu Beispiele von Aussagen eines Gefängnisdirektors zur Flucht eines Gefangenen, wie man sie später in der Zeitung lesen würde:
Präsens: Aus der Anstalt fliehe kein Gefangener.
Vergangenheit: Aus seiner Anstalt sei noch kein Gefangener geflohen.
Futur I: Der Gefangene werde nicht fliehen.
Futur II: Der Gefangene werde geflohen sein.

Wenn der Konjunktiv 1 wie der Präsens Indikativ wie beim Verb ‚fahren‘ aussieht, (er und sie fahren) dann sollte man den Konjunktiv II (er und sie führen) benutzen: Gefangene führen bei ihrer Flucht mit dem Fahrrad.
Konjunktiv II: Wenn Gefangene flöhen, führen sie mit dem Fahrrad.

Regeln und Besonderheiten

Übungen zum Konjunktiv lassen sich am besten machen, wenn man die Konjugationsregel beachtet:
Satzteile, sowie die Personalform des Verbs werden verändert. In der dritten Person im Konjunktiv 1 Singular endet immer ein –e, welches man an den Verbstamm anhängt: er/sie/es brauche, gebe.
Die Form des Verbs ‚sein‘ ist unregelmä?ig: Ich sei, du seiest, er, sie sei, wir, sie, Sie seien.

Nebensätze

Der Konjunktiv 1 kann mit der Konjunktion ‚dass‘ eingeleitet werden oder grundsätzlich ohne Konjunktion auskommen:
Der Gefängnisdirektor meinte, dass aus seiner Anstalt noch kein Gefangener geflohen sei.
Oder die indirekte Rede wird wie die direkte Rede mit einem Fragewort eingeleitet: Der Gefängnisdirektor fragte den Gefangenen, wohin er geflohen sei?
Enthält die direkte Rede eine Frage ohne ein Fragewort, leitet man die indirekte Rede mit dem Wörtchen ’ob‘ ein. Der Gefängnisdirektor fragte den Gefangenen, ob er nochmals fliehe.

Enthält die direkte Rede einen Befehl oder eine Bitte, so benutzt man in der indirekten Rede das Modalverb ‚sollen‘ für den wiedergegebenen Befehl und ‚mögen‘ für die Bitte.
Der Gefängnisdirektor befiehlt dem Gefangenen, er solle nicht fliehen.
Der Gefängnisdirektor bittet den Gefangenen, er möge nicht nochmals fliehen.