Der Konjunktiv ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und darin eine Variante der Verbkonjugation (Flexion oder auch Beugung des Verbs) im Sinne des Modus. Er wird im Deutschen auch als Möglichkeitsform bezeichnet und es gibt zwei Arten.

Beziehungen zum Modus

Neben der Deklination der Nominale (z. B. Substantive nach Kasus, Numerus und Genus; Adjektive zusätzlich nach der Komparation im Sinne von Positiv, Komparativ, Superlativ und Hyperlativ) gibt es im Bereich der flektierten Wortarten die Konjugation der Verben. Diese werden nach Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi gebeugt. Im Modus gibt es drei Formen: Indikativ, Imperativ und Konjunktiv. Der Indikativ drückt ein Verb im Kontext einer faktischen Aussage aus; der Imperativ zieht es in den Bereich der Befehle, weswegen er auch Befehlsform genannt wird. Der Konjunktiv wiederum drückt Verben nach Möglichkeitskontexten aus, d. h. sie sagen keine Fakten aus, sondern ermöglichen die Erwägungen von Aussagen über die Ereignisse, die faktisch nicht eingetroffen sind. Damit wird jedoch besonders die zweite Art der Möglichkeitsform beschrieben.

Die beiden Arten des Konjunktivs

Der Konjunktiv unterscheidet sich bezüglich zweier Arten: Konjunktiv I (im Folgenden als eingedeutschte Begrifflichkeit „Möglichkeitsform I“ benannt) und Konjunktiv II (im Folgenden „Möglichkeitsform II“ benannt).
Die erste Möglichkeitsform wird aus dem Infinitivstamm ohne die obligatorische n-Endung gebildet und daran die Endungen der Möglichkeitsform I angefügt, z. B. wird das Verb sehen wie folgt im Präsens durchkonjugiert:

  • ich sehe
  • du sehest
  • er/sie/es sehe
  • wir sehen
  • ihr sehet
  • sie sehen

Die Möglichkeitsform I wird für die indirekte Rede verwendet, z. B. Er sagte, er sehe nicht mehr richtig.
Die Möglichkeitsform II bildet sich aus dem Präteritum mit dem Zufügen der Endungen der Möglichkeitsform II, wobei der betonte Vokal in unregelmäßigen Verben mit einem Umlaut gebildet wird, was im folgenden Beispiel dargestellt wird. Wieder wird das Verb sehen im Präsens durchkonjugiert:

  • ich sähe
  • du sähest
  • er/sie/es sähe
  • wir sähen
  • ihr sähet
  • sie sähen

Die Möglichkeitsform II wird für kontrafaktische Konditionalaussagen verwendet, d. h. sie benennt eine theoretische Ereignismöglichkeit, die anstelle des faktisch eingetretenen Ereignisses stattgefunden hätte und welche Folgen aus ihr entstanden wären. Diese Möglichkeitsform wird damit häufig auch als „Irrealis“ bezeichnet.
In der Umgangssprache wird die Möglichkeitsform II sehr häufig (zumeist aus Mangel am sprachlichen Feingefühl aufgrund der seltenen Benutzung der Möglichkeitsform II) mit dem Konditionalwort „würde“ ersetzt. Sätze, die derart gebildet werden, enthalten eine verfälschte Möglichkeitsform II.