Immer wieder faszinieren sie, Kriminalromane, die eine große Leseranzahl anziehen. Rückblickend muss man aber auch feststellen, dass im deutschen Literaturgeschehen der Kriminalroman nicht immer die Beachtung fand, die ihm tatsächlich zugestanden hätte. Obwohl sich die Leserschaft, mit Beginn des 18. Jahrhunderts, von Geschichten und Erzählungen mit Verbrechensmerkmalen inspirieren ließ, stellte man Kriminalromane gern in die Ecke der Trivialliteratur.

Leichte Kunst, mit hoher Qualität

Verbrechen gab es schon immer und auch entsprechende Literatur darüber, ob nun in der Antike, im Mittelalter oder in der Renaissance. In der Literatur, die in bestimmte Textgattungen (Drama, Epik, Lyrik) eingeteilt ist, zählt der Kriminalroman zu einem Genre. Man kann den Krimi nicht eindeutig definieren, bestimmte Kriterien in der literarischen Gestaltung bilden letztendlich den Kriminalroman. Und diese Kriterien sind nicht zu verachten, denn genau diese führen zu Spannung und Unterhaltung. Es sind Geschichten und Erzählungen, die uns mit interessanten Charakteren und Schauplätzen bekannt machen. Geschichten, die nicht sofort durchschaubar sind, ein Rätselraten mit hohem Spannungsbogen. Handlungen sind nachvollziehbar und manchmal auch mit Pointen versehen. Die Erzählstruktur ist spezifisch und behandelt meist einen begrenzten Personenkreis. Man erlebt Spannungs- und Unterhaltungsliteratur in Form von romantischen Schauergeschichten bis hin zu heutigen Spionagethrillern.

Große Meister, große Kriminalromane

Kriminalromane, also Literatur über Verbrechen, gibt es fast so lange wie die Verbrehen selbst.

Kriminalromane, also Literatur über Verbrechen, gibt es fast so lange wie die Verbrehen selbst.

August Gottlieb Meißner (1753-1807), „Mord aus Schwärmerey“, ist der Begründer der deutschsprachigen Kriminalerzählungen. Ihm folgen viele namenhafte Schriftsteller, die in Drama und Lyrik zu Hause waren, aber dem Kriminalroman nicht entsagen konnten.

Gerhart Hauptmann – „Der Biberpelz“ (1893)
E.T.A. Hoffmann – „Das Fräulein von Scuderi“ (1819)
Heinrich von Kleist – „Der zerbrochne Krug“ (1811)
Theodor Fontane – „Unterm Birnbaum“ (1813)

Im 19. Jahrhundert überraschte Erich Kästner mit seinem Detektivroman „Emil und die Detektive“ (1929). Auch hier stand die Durchführung und Aufklärung eines Verbrechens im Mittelpunkt, nur das die Tat bereits erfolgt ist. Das unterscheidet den Detektivroman von einem klassischen Krimi, indem die Tat im Verlauf der Handlung geschieht. Hermann Hesse lieferte 1927 mit „Der Steppenwolf“ eine kriminalistische Erzählung mit psychologischen und sozialen Aspekten.
Zwischen 1933-1945 passierte nicht viel. In der nationalsozialistischen Zeit war Literatur dieser Art unerwünscht. Einzig Friedrich Glauser, ein deutschsprachiger Schweizer, veröffentlichte 1936 zwei Kriminalromane „Wachtmeister Studer“ und
„Matto regiert.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg schafften zwei Schweizer Schriftsteller einen beachtlichen Sprung in der deutschen Literatur: Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Wobei Dürrenmatt der kriminalistischen Literatur einen brillanten Eindruck verlieh.
Mit Werken, wie „Der Richter und sein Henker“ (1950), „Der Verdacht“ (1952) und „Das Versprechen“ (1958) verlieh er der Kriminalliteratur eine Einzigartigkeit. Literatur in „höheren Tönen“, welche heute noch an deutschen Schulen gelehrt wird.

Kriminalromane der modernen Literatur

  • 1970 – Horst Bosetzky „Einer von uns beiden“ (1972)
  • 1980 -Fred Breinersdorfer „Reiche Kunden killt man nicht“ (1980)
  • Patrick Süsskind „Das Parfüm“ (1985)
  • Robert Brack „Blauer Mohn“ (1988)
  • 1990 -Ingrid Noll „Der Hahn ist tot“ (1991)
  • Horst Eckert „Annas Erbe“ (1995)
  • Astrid Paprotta „Mimikry“ (1999)