Friedrich Dürrenmatt hat mit seinem Drehbuch zum Kinofilm „Es geschah am helllichten Tag“ (1958) das Genre des psychologischen Kriminalfilms im deutschsprachigen Raum geschaffen. Dem kongenialen Hauptdarsteller Gert Fröbe verhalf der Film zur internationalen Karriere, die dann einige Jahre später im James-Bond-Klassiker „Goldfinger“ (1964) gipfelte. Dürrenmatts berühmter Kriminalroman „Das Versprechen“ entstand dann im gleichen Jahr, ein erfolgreiches USA-Remake entstand 2001 mit einem überzeugenden Jack Nicholson als ermittelnder Polizist auf der Spur eines perversen Mädchenmörders.

Dürrenmatt – Der Schweizer, den die Deutschen lieben

Friedrich Dürrenmatt (*1921 -†1990) gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er ist heute ein fester Bestandteil im Literaturkanon aller weiterbildenden Schulen in Deutschland, wird immer noch viel gelesen – nicht nur von Schülern. Kein Wunder also, dass er heute von vielen zu den deutschen Schriftstellern gezählt wird.

Dürrenmatts Karriere begann etwas holprig: Auf dem Gymnasium war er ein ausgesprochen mittelmäßiger Schüler, das Abitur schaffte er äußerst knapp. Im Rückblick bewertete er die Schulzeit als schlimmste Zeit seines Lebens. Eigentlich wollte er danach Maler werden, studierte aber dann doch Germanistik und Philosophie in Bern. Der Malerei blieb er dennoch sein ganzes Leben treu, vielfach illustrierte er seine Werke und entwarf für Bühnenaufführungen sogar die Bühnenbilder.

Der Durchbruch für Dürrenmatt waren seine Kriminalromane „Der Richter und sein Henker“ (1950) und „Der Verdacht“ (1951). Parallel dazu schrieb er auch Bühnenstücke wie die Komödie „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (1952), die auf deutschen Theaterbühnen sehr erfolgreich gespielt wurde. Weit über die Schweiz und Deutschland hinaus populär wurde er mit „Der Besuch der alten Dame“ (1956), noch heute ein beliebter Bühnenstoff. Ebenso trat er bereits früh als Hörspiel-Autor in die Öffentlichkeit, etwa „Der Stall des Augias“ (1954).

Mit Friedrich Dürrenmatt starb 1990 ein Schriftsteller, der im Laufe seines kreativen Künstlerlebens viele Auszeichnungen erhielt. Dazu gehörten der Schillerpreis (1959) und die Buber-Rosenzweig-Medaille (1977).
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Dürrenmatt als Kriminalautor – Psychologische Studien über seelische Abgründe

Sein berühmtester KriminalromanDas Versprechen“ (1958) erzählt, wie ein Polizist (Kommissar Matthäi) aus Zürich versucht, den grausamen Mord an einem Mädchen aufzuklären. Den Mörder unter allen Umständen zu finden, das hat er den verzweifelten Eltern der ermordeten Gritli Moser versprochen und an dieses Versprechen fühlt er sich gebunden. Auch als seine Kollegen den Fall nach dem Selbstmord des vermeintlichen Täters, eines leicht debilen Hausierers, als gelöst sehen, verfolgt er weiter die Spur des Täters – jahrelang und immer vergeblich. Erst als die Ehefrau des Mörders nach dem Unfalltod ihres Mannes auf dem Sterbebett alles aufklärt, ist der Fall wirklich gelöst. Zu spät für Matthäi, der auf diese Mitteilung nicht mehr reagiert, durch jahrelangen Alkoholismus „verblödet und erloschen“, wie es im Roman heißt.