Piktogramme umgeben uns tagtäglich, ohne dass sie uns weiter auffallen würden. Denn wir lesen und verstehen sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Dabei sind aber Piktogramme gemalte Bilder, wie das lateinisch enthaltene Wort pictum, das Bild, und der griechische Wortbestandteil graphein, schreiben, schon andeuten. Das Piktogramm wird geschrieben und gelesen. Bilder lesen, setzt aber ein Vorwissen voraus.

Der geschichtliche Hintergrund des Piktogramms

In verschiedenen Kulturen waren die Piktogramme bildliche Symbole denen ein inhaltlicher Sprachwert zugeordnet wurde. Am deutlichsten wird dies an den Hieroglyphen in der ägyptischen Kultur der Pharaonen. Das Piktogramm wird in einer vereinfachten Ikon-Sprache übertragen. Es handelt sich um eine Bildzeichensprache, deren Verstehen an eine einheitliche Deutung und Auslegung gebunden war. Dies war auf Dauer, aufgrund historischer Veränderungen zu unsicher. Denn nur mit dem passenden hermeneutischen Schlüssel können heute die Hieroglyphen

a) der Ägypter
b) der Mayas
c) der Chinesen
d) der Japaner

entziffert werden. Die ältesten Piktogramme von Steinzeitmenschen wurden in Frankreich gefunden. Der Inhalt erzählt von der Jagd und ihrem religiös-rituellen Verständnis davon. Dies eröffnet auch den Aspekt des magisch-religiösen des frühen Piktogramms. Wer in der Lage war den Inhalt wiederzugeben, hatte auch die Macht über die Zeichen und konnte diese im magisch-rituellen Sinn auch einsetzen.

Die Inflation der Piktogramme

Piktogramme sind sprachunabhängig und können somit auf der ganzen Welt verstanden werden.

Piktogramme sind sprachunabhängig und können somit auf der ganzen Welt verstanden werden.

Das Bildikon hat den Anspruch über Grenzen der Sprache, der Kultur, der Gesellschaft hinweg allgemeingültig von allen international verstanden zu werden. Das Bild-Ikon kann als mehr darstellen als Diagramm, Balkendiagramm, Kreisdiagramm und die Tabellenkalkulation. Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde von Otto Neurath, einem Ökonom und Sozialphilosophen zusammen mit einen Graphiker eine Visualisierungssystem entwickelt, mit dem alle inhaltlichen Botschaften sich in Piktogramme umsetzen lassen. Heute sind diese Bilder, auch wenn sie oftmals je nach Land oder Kontinent etwas anders gestaltet sind in Farbe, Größe oder Design inhaltlich gleich, sodass jeder verstehen kann, wo sich die Toiletten befinden. Das heißt, dass das Zeichen international verstehbar und einsetzbar ist. Die Globalisierung hat ein großes Interesse an einer solch unabhängigen Zeichensprache, die ohne viele Worte verstehbar ist.

Die Eigenständigkeit in der Entwicklung

Gab es in den dreißiger Jahren erstmalig ein allgemein verbindliches Visualisierungssystem, kann heute aufgrund der relative selbstständigen Cybersprache eine Entwicklung konstatiert werden, die im Bereich der Social Media bei Chats oder kurzen Nachrichten auf Handys zu beobachten ist. Die sogenannten Smileys haben sich anfangs mit knapp 15 bis 18 Zeichen Bahn im sprachlichen Ausdruck in den neuen elektronischen Medien gebrochen. Auf engstem Raum werden damit Emotionen ausgedrückt. Ganze Phrasen können in einer kurzen Tastenabfolge mitgeteilt werden und es werden immer mehr. Eine Icon-Sprache entwickelt sich, die aber auch zur Verkümmerung der eigentlichen Sprache führt. Dennoch bleibt der Bild- wie der Wortsprache inhaltlich das Gleiche: Bilder wie Worte können eine große Anziehung auslösen. Aber genauso gut kann ein einzelnes Wort oder Icon vernichtend in der persönlichen Empfindung sein.