Die Lorenzkurve ist eine wirtschaftswissenschaftliches Modell zur Darstellung von ungleich verteilten Ressourcen, beispielsweise die Einkommensverteilung oder das Steueraufkommen in einer Bevölkerung. Sie wurde nach dem US-amerikanischen Ökonomen Max Otto Lorenz benannt, der 1905 diese grafische Darstellungsweise entwickelte. Ziel des Modells ist es, das Ausmaß von Ungleichsverteilung (Disparität)gegnüber der Normalverteilung zu verdeutlichen. Die Lorenzkurve wird auch Disparitätskurve genannt.

Darstellung der relativen Konzentration

Die Lorenzkurve bietet eine einfache Möglichkeit, die ungleiche Konzentration von Ressourcen zu verdeutlichen. Dazu werden die Anteile der Grundmenge mit den Merkmalsträgern linear auf der X-Achse (Abszisse) aufgetragen. Beispielsweise die Bevölkerung eines Staates von 0 bis 100 Prozent. Demgegenüber wird auf der Y-Achse (Ordinate)die zu vergleichende Gesamtheit der Merkmalssumme, beispielsweise das Einkommen der Bevölkerung, aufgetragen.

Die Daten werden beim Eintragen aufsteigend sortiert und dann aufsummiert(kumuliert). Eine ideale Verteilung, bei der die Konzentration der Ressourcen gleichmäßig auf die Bevölkerungszahl verteilt sind (20 Prozent der Bevölkerung besitzen 20 Prozent der Ressourcen und 80 Prozent der Bevölkerung besitzen 80 Prozent der Ressourcen) ergibt eine Diagonale mit der Geraden y = x. Dieser Spezialfall heißt auch perfekte Gleichverteilungsgerade (line of perfect equality) oder Einkommensgleichverteilung.

Der charakterische Bauch der Ungleichverteilung

Tatsächlich ist es jedoch sehr selten, dass die Verteilung von Ressourcen innerhalb einer Bevölkerung gleichmäßig verteilt ist. In diesem Fall zeigt der charakteristische „Bauch“ der Lorenzkurve die Ungleichverteilung. Jeder Punkt auf der Kurve zeigt das kumulierte Vermögen der Bevölkerung. Die Lorenzkurve lässt sich dann beispielsweise wie folgt interpretieren: „Die unteren 50 Prozent der Bevölkerung besitzen lediglich 10 Prozent des Gesamteinkommens“.

Nimmt die Ungleichverteilung noch weiter zu wäre der Maximalpunkt erreicht, wenn weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung über das gesammte Einkommen verfügt, während die restlichen 99,9 Prozent kein Einkommen besitzt. In diesem Fall verläuft die Kurve direkt auf der Abszisse (Dem 0-Wert), um am Ende steil nach oben zu steigen. Der „Bauch“ der Lorenzkurve wäre maximal ausgedehnt. Diese Kurve wird extreme Ungleichverteilungsgerade oder line of perfect inequality genannt.

Je stärker sich die Kurve von der Diagonalen entfernt, desto größer ist die Disparität. Die grafische Abweichung von der perfekte Gleichverteilungsgerade kann deshalb auch als ein Maß für soziale Ungerechtigkeit innerhalb einer Bevölkerung verstanden werden.

Kritik an der Lorenzkurve

Die Verwendung der Lorenzkurve ist nicht unumstritten. Kritiker empfinden die Messung mittels Grafik zu ungenau und plädieren eher für Berechnung und Vergleich der Flächen unter und über der Kurve. Die Lorenzkurve hat in den 1950er Jahren großen Einfluss auf das Management von General Electric gewonnen. Damals begann die Geschäftsführung betriebswirtschaftliche Entscheidungsfindungen auf der Basis von kumulierten Objektklassen zu begründen. Die durch GE bekannt gewordene ABC-Analyse basiert auf den Überlegungen von Max Otto Lorenz.