Die tschechische Hauptstadt Prag (oder Tschechich „Praha“) ist die größte Stadt der Tschechischen Republik und mit einer Einwohnerzahl von 1.246.780 gleichzeitig auch die am stärksten bevölkerte. Bereits im 6. Jahrhundert wurden die umliegenden Gebiete von den germanischen Markomannen besiedelt. Drei bis vier Jahrhunderte später, nach Errichtung zweier Festungen, hielten die Premysliden Einzug in selbiges Gebiet. Als Prag im Jahre 1230 zur Residenzstadt des Königreichs Böhmen ernannt wurde, wurde die Stadt ebenfalls für viele jüdische und deutsche Kaufleute interessant. Mit der späteren Ernennung Prags zur Residenzstadt des Heiligen Römischen Reichs wurde die heutige tschechische Hauptstadt zum kulturellen Zentrum Europas und trägt bis heute den Beinamen „Goldene Stadt“.

Eins der wichtigestern historischen Ereignisse, welches die Stadtgeschichte charakterisiert, ist der Prager Fenstersturz. Unter dem seit dem Mittelalter existierenden Begriff Fenstersturz versteht man das Werfen einer Person aus dem Fenster. Bis hin in die frühe Neuzeit fand diese Form von Gewalt, die sich zwischen Lynchjustiz und kollektiv begangenem Mord befindet, oftmals statt. Im Jahre 1618 ereignete sich ein solcher Sturz in Prag im Kontext des Böhmischen Ständeaufstandes. Ausgeführt wurde der Sturz von Mitgliedern der protestantischen Stände an Wilhelm Slavata, Jaroslav Borsita Graf von Martinitz und Philipp Fabricius, den damaligen königlichen Statthaltern. Geführt von Heinrich Matthias von Thurn zog eine Meute von ca. 200 Menschen am 23. Mai des Jahres 1618 zur Prager Burg und warf dort die Stadthalter aus dem Fenster. Alle drei überlebten schwer verletzt. Der Ausgang dieser Defenestrierung wird im Allgemeinen als glimpflich gesehen. Die Gruppierung um Heinrich Matthias von Thurn wird auch als Hussiten bezeichnet, ein seit dem 15. Jahrhundert existierender Zusammenschluss von revolutionären Bewegungen, welcher sich erstmals im Jahre 1415 nach Verbrennung des Theologen Jan Hus bildete.

Prag und seine bekannten Brücken über der Moldau.

Prag und seine bekannten Brücken über der Moldau.

Dieser 23. Mai 1618 in Prag ist sowohl in der Stadt- als auch in der weiteren europäischen Geschichte ein signifikantes Ereigniss und wird als Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg verstanden. Der Dreißigjährige Krieg ereignete sich in den Jahren zwischen 1618 und 1648 und war ein Konflikt um sowohl Hegemonie als auch Religion, welcher zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Rest Europas ausgetragen wurde. Die Hauptbeteiligten daran waren die Katholische Liga, die Protestantische Union und die kaiserlichen Truppen. Die religiösen Gegensätze zwischen diesen Gruppierungen und die Differenzen zwischen den habsburgischen und der französischen Gruppierungen waren die zentralen Streitpunkte. Es gab zwei erfolgslose Hauptversuche diesen Krieg zu beenden, den Frieden von Lübeck aus dem Jahre 1629 und der Friede von Prag aus dem Jahre 1635. Keiner der beiden Versuche vertrat die Interessen aller beteiligten Parteien und blieb somit erfolglos.