Als der Prager Theologe und Reformator Jan Hus 1415 verbrannt wurde, bildeten sich die Bewegungen der Hussiten heraus. Hus hatte sich offen gegen den Reichtum, den Ablasshandel und die Sittenlosigkeit von Kirche und Kaiser ausgesprochen. Selbst Martin Luther war von ihm beeinflusst, als er viele Jahre später die Bibel ins Deutsche übersetzte.

Vom Aufstand zum Krieg

Die Hussiten wurden von vielen böhmischen Adligen unterstützt. Diese schlossen sich nach dem Todes Hus‘ zusammen und verkündeten, dass sie Beschlüsse und Verordnungen nur noch dann akzeptieren würden, wenn sie mit dem Wort Gottes konform gingen. König Wenzel erließ daraufhin, dass alle Hussiten aus den Staats- und Kirchenämtern zu entfernen wären. Dieser Erlass führte im Juli 1419 zum ersten Prager Fentersturz, als die Aufständischen einige der Ratsherren aus dem Fenster des Rathauses in Prag warfen. Im August starb Wenzel. Die Hussiten weigerten sich, seinen Bruder Sigismund als König anzuerkennen. Jener galt als Verräter und Mörder, da er Hus freies Geleit, nach dem Verhör, zugesichert hatte. Die deshalb von Papst Martin V. verabschiedete Kreuzugsbulle führte zu den Hussitenkriegen.

Der böhmische Taliban

Bei den Hussiten hatten sich zwei Strömungen herauskristallisiert. Eine davon war die der Taboriten. Diese wollten das Reich Gottes mittels Waffengewalt errichten. Um den Anführer, Marin Húska, versammelten sich größtenteils mittellosse Stadt- und Landbewohner. Damit ging es jenem Zweig der Hussiten nicht mehr nur um die freie Predigt, sondern auch darum Weltordnung und Monarchie den Garaus zu machen.

Was aus den Schlachten resultierte

Die Hussiten schlossen sich nach dem Tod von Jan Hus zusammen, hier als Statue in Prag.

Die Hussiten schlossen sich nach dem Tod von Jan Hus zusammen, hier als Statue in Prag.

Die Kriege wurden auf beiden Seiten mit grausamer Härte geführt. Sie zogen sich über Böhmen nach Mähren, Schlesien, Slowakei, Niederösterreich und in die Oberpfalz. Zwar waren die Hussiten in der Anfangszeit sehr erfolgreich, schlussendlich siegte aber die katholisch-kaiserliche Seite. Die zweite Strömung der Hussiten, die Kalixtiner, hatten sich zwischenzeitlich wieder der katholischen Kirche untergeordnet. Die jedoch, die bis zum Schluss gekämpft hatten, konnten Neuerungen erringen. So wurden ihnen neben der Religionsfreiheit auch gleiche Rechte eingeräumt. Des Weiteren gab es mit Vladislav II. den ersten nicht katholischen König, seit Einführung des Christentums. Auch, wenn diese Zugeständnisse bald zurückgezogen wurden, führten sie erstmals zu einem tschechischen Nationalbewusstsein, aus dem später die tschechische Republik resultierte.

Parallelen viele Jahre später

Im Dreißigjährigen Krieg, von 1618 – 1648, ging es wieder um Macht, Stände und Religion. In jenen war nahezu ganz Europa verwickelt. Kurioserweise war es der zweite Prager Fenstersturz, angezettelt von böhmischen Aufständischen, der Auslöser für diesen Krieg war. Es gilt übrigens als Legende, dass es ein Misthaufen war, der die Adligen den Wurf aus dem Fenster weitestgehend unbeschadet überstehen ließ. Anzunehmen ist eher, dass bauschige Gewänder und eine schräge Burgmauer für die relativ sanfte Landung der drei Herren war.