Fensterstürze kamen im Mittelalter sowie der frühen Neuzeit recht häufig vor. Besonders die tschechische Hauptstadt Prag ist bekannt dafür, dass des Öfteren Personen im Zuge einer Lynchjustiz ein Gebäude anstatt auf herkömmlichem Weg durch die Tür durch das Fenster verlassen mussten. Insgesamt kam es im Laufe der Geschichte zu drei sogenannten Defenestrationen, die zum einen den Beginn der Hussitenkriege, den Anfang des dreißigjährigen Krieg und den Putschversuch am tschechischen Außenminister Jan Masaryk markieren. Als Ursprung gilt je des mal ein Konflikt entweder auf religiöser oder politischer Ebene.

Erster Prager Fenstersturz

Begonnen hat die Reihe der Fensterstürze am 30. Juli 1419 in Tschechien. Dieser Sturz markiert den Anfang der Hussitenkriege, der benannt ist nach der Gruppe der Hussiten, die an diesem Tag das Neustädter Rathaus stürmten, um Glaubensgenossen, die zu dieser Zeit gerade dort gefangen waren, zu befreien. Die Hussiten waren Anhänger von Jan Haus, der jedoch bereits 4 Jahre zuvor als Ketzer hingerichtet worden ist. Insgesamt warfen die Rebellen 10 Personen aus dem Fenster, unter ihnen den Bürgermeister, zwei Ratsherren, den stellvertretenden Richter und einen Knecht. Nach ihrem Sturz aus dem Fenster wurden sie von der wartenden Menge aufgespießt, sodass es keine Überlebenden mehr gab. In Folge dieses brutalen Überfalles beherrschten die folgenden zwei Jahrzehnte die Hussitenkriege das Land.

Zweiter Prager Fenstersturz

Die Abbildung eines Flugblattes von 1618, als der zweite Prager Fenstersturz passierte.

Die Abbildung eines Flugblattes von 1618, als der zweite Prager Fenstersturz passierte.

Der zweite Prager Fenstersturz ist unter allen Fensterstürzen der wohl bekannteste und bedeutsamste. Durchgeführt am 23. Mai 1618 gilt er als Auslöser für den folgenden Dreißigjährigen Krieg, unter dem vor allem Deutschland zu leiden hatte. Anlass zum zweiten Prager Fenstersturz war die Tatsache, dass die Glaubensfreiheit nach dem Tod des Habsburgers Rudolph dem Zweiten in Böhmen immer weiter eingeschränkt wurde. Zwar waren die konfessionellen Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten schon länger zum Problem geworden, doch mit dem Prager Fenstersturz eskalierte die Situation endgültig. So machten sich unzufriedene protestantische Adlige auf zur Prager Burg, um ihrem Unmut über die herrschenden Zustände Ausdruck zu verleihen. Kurzerhand warfen sie die Statthalter Jaroslav von Matinic und Vilem Slavata zusammen mit dem Schreiber Johannes Fabricius aus einem Fenster im 2. Stock. Sie landeten jedoch weich in einem Misthaufen und überlebten glücklicherweise alle drei.

Dritter Prager Fenstersturz

Der dritte Prager Fenstersturz ist zwar bekannt, gilt jedoch als eher weniger bedeutsam. Dieser Prager Fenstersturz lässt sich der Neuzeit zuordnen und ist damit der Jüngste. Er ereignete sich am 10. März 1948, als der nichtkommunistische tschechische Außenminister Jan Masaryk aus dem Fenster stürzte und dabei tödlich verunglückte. Die offizielle Darstellung besagt zwar, dass Masaryk Selbstmord beging, doch die Gerüchte, dass es sich um Mord durch die kommunistische Geheimpolizei handelte, bleiben bis heute hartnäckig bestehen.