Eine Kolumne schreibt der Reporter so, dass das Medium unverwechselbar wird. Schon beim ersten Blättern sucht der Leser nach der Kolumne, denn er will wissen, wie es weiter geht oder was der Kolumnist diesmal für ein Thema auf Lager hat. Die Kolumne ist gespickt und durchsäht mit Anspielungen, Halbwissen und eine feine Prise Klatsch und Tratsch. Das dürfte das Geheimnis einer solchen literarischen Gattung sein, die zur wirklichen Säule ihres Printmediums wird.

Darstellungsformen

Eine Kolumne kann auf verschiedene Weisen daherkommen. Die Glosse, das Gedicht und die Satire sind alles Möglichkeiten der Darstellung, die solch eine Meinungsäußerung haben kann. Aber wichtig ist die richtige Verpackung der Kolumne. Sie muss passgenau für den Leser geschrieben sein. Da geht es darum „dem Volk aufs Maul zu schauen“ (Martin Luther). Aber auch zur rechten Zeit auszuteilen und mit bissigem Humor den Spiegel vorzuhalten, wie es Till Eulenspiegel tat. Die Kolumne nimmt kein Blatt vor den Mund und ist kein Kind von Traurigkeit. Wenn auch die literarischen Gattungen miteinander verwandt sind, aber die Kolumne hat die persönlichste Note, denn wenn sie geschrieben ist, ist sie schon Vergangenheit, die die Leser als gerade geschehen wahrnehmen. Kolumnen tragen oft Namen und stehen immer an der gleichen Stelle in einer Zeitung. Die erste Kolumne erschien schon 1751 in einer englischen Gazette. Pseudonyme sind für Kolumnenschreiber nicht ungewöhnlich, denn dann kann der Leser noch unvoreingenommen sich der Kolumne hingeben.

Hedda Hooper und Louella Parson

Eine gute Kolumne gehört für viele Leser zu den wichtigsten Merkmalen einer guten Zeitung.

Eine gute Kolumne gehört für viele Leser zu den wichtigsten Merkmalen einer guten Zeitung.

Formvollendet haben es zwei Damen der Gesellschaft die Kolumne auf die Spitze getrieben. Denn als Hedda Hooper beim Film nicht die Karriere machte, die sie gerne gehabt hätte, da machte sie sich als Klatschkolumnistin in allen Gazetten der USA von der West- bis zur Ostküste einen Namen. An Hedda Hooper kam in der Society niemand vorbei. Nur ihre schärfste Konkurrentin Louella Parson. Beide waren gefürchtete Gesellschaftskolumnistinnen in ihrem Land. Über Jahrzehnten hatten die beiden Damen es in der Hand wer auf dem aufsteigenden Ast saß, oder erbarmungslos abgesägt wurde. Hedda Hooper hatte immer wieder Orson Wells auf dem Kicker.

Wer nichts wird, der wird eben Kolumnistin. Das scheint auf Hedda Hooper ganz und gar zu passen. Sie war exzentrisch und extravagant. Sie trug auffallend große Hüte und stritt sich in aller Öffentlichkeit mit Schauspielerinnen wie Elsa Maxwell und Constance Bennett. Eine ganze Generation lebte mit Hedda Hoopers Geschichten rund um Stars und Sternchen und fieberte ihnen entgegen, um den neuesten Klatsch und Tratsch zu hören. Zu der legendären Wirkungsgeschichte von den beiden Damen gehören ebenso legendäre Begegnungen mit Louella Parson in Los Angeles, wo die Fetzen geflogen sind. Natürlich in aller Öffentlichkeit. Louella Parson hat das in ihren Memoiren festgehalten. Die 30er und 40er Jahre waren auch ohne Soap-Opern und Reality-Fernsehen eine aufregende Zeit.