Mit einer Glosse wird hauptsächlich ein polemischer, meist satirischer journalistischer Artikel bezeichnet. Es ist eine pointierte Meinungsäußerung als Kolumne.

Satirische Artikelform

Anders als ein Leitartikel oder ein Kommentar darf eine Glosse explizit Satire sein und auch feuilletonistisch. Jedes Thema eignet sich dafür. Es kann ein kaum wesentlicher Lokalbeitrag sein, aber genauso ein weltbewegendes Ereignis. Auch thematisch ist alles möglich von Wirtschaft, Politik, Kultur bis zu Allgemeinthemen, ob mit lustigem oder ernstem Inhalt. Die Lokalglosse oder Lokalspitze beispielsweise ist ein kleines Fundstück und die überregionale Glosse ein großer Meinungsbeitrag.

In autoritären Staaten ist die satirische Glosse ein MIttel die Zensur zu umgehen.

In autoritären Staaten ist die satirische Glosse ein MIttel die Zensur zu umgehen.

Unterhaltend und überzeugend gleichzeitig ist diese Artikelart speziell dann, wenn die Form perfekt beherrscht wird. Sie darf Komik bis Eleganz enthalten und zwischen Wortspiel und gehobender Bildung und Wissensvermittlung changieren. Am besten überzeugt auch die Headline sofort. Dabei spielen als Stilmittel Ironie und Überspitzung eine Rolle. Es ist vor allem auch eine relativ kurze Textform. Obwohl etwas spielerisch ist die Verbindlichkeit nicht weniger als beim Kommentar. Der Unterschied ist nur der Stil. Es werden Schwächen herausgestellt und bloßgestellt. Und dies auf eine witzige, aber durchaus harte Art. Boshaftigkeit ist durchaus erlaubt. Zugeständnisse werden nicht gemacht. Besonders treffend hat auch die Pointe sein. Die Doppelbödigkeit dieser journalistischen Form muss natürlich auch entsprechen verstanden werden. Besonders bekannte ist das sogenannte Streiflicht der Süddeutschen Zeitung.

Sprachglosse als Kritkform

Es gibt als spezielle Form die Sprachglosse, die zeitgenössische Sprachverwendung kritisch kommentiert und dabei Kulturelles und Gesellschaftliches mit einbezieht. In Regime, in denen die Pressefreiheit zensiert wird, äußern sich Journalisten und Schriftsteller oft durch die Sprachglosse. Dies war auch während des Nationalsozialismus in Deutschland so und auch in der DDR üblich. Derzeit ist eine bekannte Sprachglosse der Zwiebelfisch von Spiegel online.

Weitere Glossenarten

Eine Glosse ist seit dem Altertum und dem Mittelalter auch ein Fachterminus bezüglich Worterklärung. So bezeichnet werden noch heute Erklärungen für Textstellen oder auch schwierige Wörter. Früher waren volkssprachliche Übertragungen von schwierig verständlichen Wörtern Glossen. Es gab erklärende Wörterbücher und Glossensammlungen. Zudem ist eine Glosse eine Form von einem Gedicht der deutschen Romantik. Sie bezog sich auf eine spanische Gedichtform des 17. Jahrhunderts. In der Sprachwissenschaft sind Glossen grammatische Erläuterungen von Wörern, Sätzen und Textabschnitten.