Was ist ein Tempus?

Der Tempus ist eine grammatische Kategorie, ebenso wie der Modus (Konjungtiv/Indikativ), Numerus (Zahl) und der Kasus (Fall) und lässt uns wissen, in welcher Zeit etwas Gesagtes oder Geschriebenes steht. Der Tempus wird an der Verbform erkannt.

Generell unterscheiden wir in den Sprachen zwischen drei Tempora: Vergangenheit, Gegenwart und Futur (Zukunft).

Wie diese Tempora jedoch linguistisch realisiert werden, ist von Sprache zu Sprache sehr unterschiedlich: Zum einen variiert die Anzahl an Tempora in den Sprachen und zum anderen erfolgt die grammatische Umsetzung auf unterschiedliche Weise.

Betrachten wir zunächst das Deutsche, so können wir sieben verschiedene Tempora feststellen, die im Folgenden erläutert werden:

Gegenwart:

Präsens

Das Präsens ist die einzige Form der Gegenwart im Deutschen und wird durch die Präsens-Konjugation der Verben gebildet:
Ich gehe nach Hause.

Vergangenheit:

Präteritum

Das Präteritum (das Vorhergegangene) drückt im Deutschen einen abgeschlossenen Vorgang aus. Dieser Tempus wird synthetisch gebildet: sie besteht nur aus einem Teil, der sich von der Präsensform unterscheidet:

Ich ging nach Hause.

Perfekt

Das Perfekt (lat. vollendet) wird im Deutschen analytisch gebildet: Es besteht aus zwei Teilen: aus einer konjugierten Form von haben oder sein und aus dem Partizip II:

Ich bin gegangen. Ich habe gegessen.

Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit) ist der Tempus, der im Deutschen verwendet wird, um eine Handlung auszudrücken, die sich vor einer anderen Handlung in der Vergangenheit zugetragen hat. Sie wird gebildet aus der konjugierten Präteritumform von haben oder sein und dem Partizip II:

Ich war gegangen. Ich hatte gegessen.

Futur:

Futur I

Futur I drückt analytisch Handlungen/Vorgänge aus, die in der Zukunft liegen:
Ich werde gehen.

Futur II

Futur II drückt eine Handlung aus, die in der Zukunft vollendet sein wird:
Ich werde gegangen sein.

Das System des Tempus im Deutschen scheint im Gegensatz zum Russischen zum Beispiel, das nur drei Tempora hat, komplex, doch wird heute im gesprochenen Deutsch, abgesehen von regionalen Ausnahmefällen, überwiegend das Perfekt verwendet, in einigen Fällen das Präteritum („ich war“, „ich wusste“ etc.), seltener das Plusquamperfekt. Denkt man an die romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch etc.), so begegnet man in diesen Sprachen einem ausgedehnteren Spektrum an verwendeten Tempora im Gesprochenen. Demjenigen, der eine dieser Sprachen erlernt, fällt es oft schwer, das richtige Tempus zu verwenden, und es bedarf einiger Zeit, ein Gefühl dafür zu entwickeln.