Die Metapher Rabenmutter – das ist ein oft geäußerter Vorwurf gegenüber Frauen, die kurze Zeit nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf zurückkehren oder sich nicht ausschließlich um die lieben Kleinen kümmern, sondern auch ein eigenes ( Berufs-)Leben für sich in Anspruch nehmen. Eine hübsche Metapher, allerdings mit einem bösartigen Unterton, vor dem auch prominente Mütter nicht gefeit sind: Supermodel Kate Moss und Sängerin Britney Spears sahen sich in vielen People-Magazinen diesem Vorwurf wiederholt ausgesetzt.

Ob derartige Vorwürfe gegen die genannten Mütter gerechtfertigt sind, mag dahingestellt sein. Fakt ist aber, dass die Namensgeber dieser Metapher, die Raben, definitiv keine „Rabeneltern“ sind. Im Gegenteil, sie füttern und schützen ihre Brut noch Wochen, nachdem diese das Nest verlassen haben.

Metapher – Was ist das genau?

Wie viele andere Begriffe aus der Rhetorik kommt das Wort aus dem Altgriechischen und bedeutet Übertragung. Man überträgt eine Wortbedeutung auf eine andere, z. B. Wüstenschiff für Kamel, Klinkenputzer für Vertreter oder Intelligenzbestie für einen sehr klugen Menschen. Durch die Verwendung von Metaphern wird die Sprache bunter und schöner, so die These des griechischen Philosophen Aristoteles, der vor mehr als 2.500 Jahren für deren stärkere Verwendung in Sprache, Literatur und Philosophie plädierte. In seinem Lehrwerk Poetik zitiert er die berühmte Metapher aus der Ilias, Homers großes Epos über den Kampf um Troja: Achilles war ein Löwe in der Schlacht.

Metaphern machen die Sprache bunt

Wenn uns Aristoteles heute zuhören könnte, so würde er sich wundern, wie metaphorisch unsere Alltagssprache geworden ist: Wir nehmen den Schuhlöffel, uns steht das Wasser bis zum Hals, wir werfen das Handtuch und ziehen die Arschkarte.

Es gibt Hunderte von diesen metaphorischen Wendungen und neue kommen fast täglich dazu, unsere Sprache ist nämlich ein großer Schmelztiegel, der dauernd neue Wörter und Redewendungen ausspuckt, die zum Teil nur in bestimmten sozialen Gruppen benutzt und verstanden werden. Dabei können sie sowohl positive als auch negative Botschaften enthalten.

Wir verwenden Metaphern ganz selbstverständlich – als gute Schüler des Aristoteles, der auch der Lehrer des Makedonenkönigs Alexander war. Und Alexander (der Große) war ebenfalls ein Löwe in der Schlacht und kein Erbsenzähler wie sein Erzfeind, der Perserkönig Dareios.

Man sieht (und liest): Es ist ganz leicht, jeden Text metaphorisch anzureichern. Doch Vorsicht: Es kommt immer auf die Dosis an. Zu viele davon überfrachten einen Text, die angestrebte Wirkung geht verloren. Insbesondere die Werbesprache neigt oft zur Übertreibung, nach dem Motto „Viel hilft viel!“. In der TV- und Internet-Werbung tauchen neben einer Sprache voller (manchmal sehr schräger) Metaphern zusätzlich noch (bildhafte) Allegorien für Begriffe wie „Genuss“, „Glück“ oder „Erfolg“ auf, quasi als extragroße Metaphern.