Hinter der Philosophie des Positivismus steckt die Annahme bzw. die Grundhaltung der Erkenntnistheorie, dass in der Naturwissenschaft nur ausschließlich „positive“ Befunde aus wissenschaftlichen Experimenten hervorgehen können, um als „wirklich“ bzw. „wissenschaftlich“ akzeptiert zu werden. Der Positivismus lehnt daher alles ab, was nicht aus Experimenten erfassbar und beobachtbar ist, was ebenfalls zur Ablehnung ethischer und theologischer Fragen führt und somit eine gewisse Problematik aufwirft. Dennoch wird dem wissenschaftlichen sowie humanitären Fortschritt im Positivismus eine Selbstverständlichkeit zugeschrieben.

Definition der Philosophie und Anfänge des Positivismus

Spricht man von Philosophie als solche, so wird hiermit eine Geisteswissenschaft beschrieben, die sich mit den umfassenden Themengebieten der menschlichen Existenz sowie der Welt beschäftigt und diese zu deuten und verstehen versucht. Philosophie leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet übersetzt „Liebe zur Weisheit“. Keine andere Wissenschaft ist so umfangreich und vielseitig wie die Philosophie.
Obwohl schon Ursprünge in der Antike gefunden wurden, gilt der französische Philosoph Auguste Comte als Begründer des Positivismus. Er entwickelte das Konzept der „Dreistadientheorie“, beginnend mit Theologie, folgend mit Metaphysik und mündend in der Wissenschaft, welche die Entwicklung der Gesellschaft in die Richtung des Positivismus als historische Notwendigkeit sah. Die Wissenschaft sollte ab sofort als religiöser Ersatz dienen und den wissenschaftlichen, sowie den gesellschaftlichen Fortschritt sichern. Die von Comte begründete Wissenschaft der Soziologie, sollte das Zusammenleben der Menschheit zu deren größten nutzen organisieren und deren Handeln bestimmen, wobei Leistung und Achtung im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen sollten.

Positivismus sollte die Wissenschaft als Ersatz für die Theologie dienen.

Nach der Theorie des Positivismus sollte die Wissenschaft als Ersatz für die Theologie dienen.

Rechtspositivismus

Auch im Teilgebiet der Rechtsphilosophie findet der Positivismus unter einer besonderen Form des positivistischen Denkens Anwendung. Hierbei versteht man unter dem Begriff Rechtspositivismus bestimmte Beschränkungen des Rechtsbegriffs, auf staatlich und gesellschaftlich festgelegte Verhaltensnormen unter Ablehnung jeden metaphysischen Denkens. Als positivistisch zu bezeichnen, ist eine Rechtsanwendung erst dann, wenn eine ausschließliche und strickte Orientierung am vorgegebenen Gesetz erfolgt, ohne Rücksicht auf außenrechtliche, moralische oder ethische Prinzipien. Eine Gegenbewegung hierzu bildet die juristische Hermeneutik, welche eine Gesetzesauslegung nach gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Moralvorstellung vorsieht.