Die Geisteswissenschaften bilden eine Wissenschaftsrichtung, die sich mit immateriellen Untersuchungsgegenständen befasst, d. h. sie orientieren sich nicht an gegenständlichen, mit den Sinnen unmittelbar beobachtbaren Untersuchungsgegenständen. Sie schöpfen ihr Wissen aus sich selbst und verschaffen dem Menschen eine seelische Betreuung, mit den raschen Veränderungen im Zuge der Modernisierung fertig zu werden. Nach Arno Anzenbacher gehören die Geisteswissenschaften zur Gattung der Kulturwissenschaften, weil die meisten von ihnen erst durch die historische Kultur entstanden sind. Der Begriff wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts geprägt und spielte nach der Zeit der Aufklärung eine bedeutendere Rolle.

Arten der Geisteswissenschaften

Da die Geisteswissenschaften aus einer Vielzahl unterschiedlicher Einzelwissenschaften bestehen, können hier nur exemplarisch die wichtigsten und bekanntesten aufgezählt werden.

  • Philosophie
  • Psychologie
  • Pädagogik
  • Sprachwissenschaften
  • Theologie
  • Geschichte
  • Soziologie
  • Kunstwissenschaften
  • Wirtschaftswissenschaften

Geisteswissenschaften in Bezug zu Philosophien

Da die Philosophie eine Geisteswissenschaft ist, die mit anderen Einzelwissenschaften kollidiert, kann es häufig passieren, dass Philosophen nicht allein über die Philosophie selbst, sondern auch über andere Wissenschaften referieren, denn die Philosophie hat den vorzugsreichen Nutzen, dass sie über sich selbst hinaussteigt und mit ihrer allgemeinen Sprache alles definieren kann, was beispielsweise der Physik mit ihrer Bestimmung von Naturgesetzen und Rechenoperationen nicht gelingen kann. Man müsse in den Bereich der Philosophie wechseln, um die Physik definieren zu können, da die diese es mit ihren Mittel nicht kann.

Auch die Pädagogik zählt zu den Geisteswissenschaften.

Auch die Pädagogik zählt zu den Geisteswissenschaften.

Am Beispiel des Positivismus soll gezeigt werden, wie mehrere Geisteswissenschaften berührt werden. Nach dem Positivismus erfolgt wissenschaftliche Erkenntnis durch gesicherte Beweisführungen, womit er auch die Naturwissenschaften berührt. Er wurde vom französischen Philosophen Auguste Comte (1798-1857) entwickelt und sollte als Religionsersatz dienen. Die Religion gilt nach Comte als das erste Entwicklungsstadium des Menschen und beruht auf nicht beweisbaren Dogmen. Hier findet eine erste Berührung zwischen der Philosophie und einer anderen Geisteswissenschaft, der Theologie, statt, und zwar in negativer Form. Die klassische Religion sollte ersetzt und damit zugleich verdrängt werden. Der Positivismus als Instrument der wissenschaftlichen Forschung sollte an ihre Stelle treten und tatsächlich hielten ihn die Positivisten zu Comtes Zeit wie eine eigene Religion mit zeremoniellen Sitzungen. Der Positivismus entwickelte sich weiter und es entstanden Formen wie der Geschichtspositivismus, der Rechtspositivismus, der Sozialpositivismus, der naturwissenschaftliche Positivismus und schließlich der logische Positivismus. Leicht ist hier zu erkennen, dass die Philosophie nicht nur auf andere Geisteswissenschaften übergeht, sondern auch – über die Geisteswissenschaften hinaus – ganz andere Wissenschaftsgebiete berührt.
Da Comte auch die Soziologie mitbegründete und diese alles menschliche Handeln beschreibt, nannte er sie die „Königin der Wissenschaft“ – sie entstand jedoch aus dem philosophischen Denken, womit eine weitere Kollision der Philosophie und einer anderen Gattung der Geisteswissenschaften gegeben ist. Gleiches kann über die anderen Geisteswissenschaften und sogar über die meisten anderen Wissenschaftsarten gesagt werden: Sie alle spalteten sich von der Philosophie ab.