Rechtspositivismus ist die Bezeichnung für eine rechtswissenschaftliche Richtung innerhalb des Rechtswesens. Der Begriff ‚Rechtspositivismus‘ lehnt sich sprachlich an den philosophischen Positivismus Auguste Comtes (1785-1875). Seine Philosophie beherrschte im 19. Jahrhundert die Welt der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Geisteswissenschaften sollten Comtes Ansicht nach zum Ziel haben, allgemeine Theorien und Gesetzmä?igkeiten zu erkennen und zu formulieren. Tatsachen müssten objektiv erkannt werden können. Man sollte sich nur mit dem ‚Positiven‘ beschäftigen, also mit Gegebenen, mit Tatsachen beschäftigen, nicht jedoch über Wesen und wahre Verfassung spekulieren. Alles Tranzendente – alles, was sich au?erhalb sinnlicher Erfahrung und ihrer Gegenstände befindet, schloss Comte aus seinen Überlegungen aus. Ursache und Substanz von Umständen zu hinterfragen, war für ihn unwissenschaftlich. Wissenschaftlich sei, was beobachtbar und konkret durch empirische Erkenntnisse erfassbar ist. Auguste Comtes Positivismus enthielt von Anfang an antiliberale, autoritäre Züge der angewandten Soziologie im „System positiver Politik“. Die Klassenordnung der Industriegesellschaft stimmte ihm zufolge mit dem Fortschritt überein.

Differenzierung

Auf dem Gebiet des Rechts ist mit Positivismus der Rechtspositivismus gemeint. Positivismus allein jedoch ist der philosophische Ansatz, der sich mit Tatsachen befasst. Der Rechtspositivismus ist gesetztes Recht. Es genügen formale Kriterien, damit Recht entstehen und wirksam werden kann. Richter haben sich streng an Gesetze zu halten. Wird Recht schlie?lich aufgrund bestehender Tatsachen und orientiert an vorgegebenen Gesetzen angewandt, handelt es sich um ‚positives Recht‘. Auguste Comte zählte auch zu den Vertretern des Positivismus.
Diese Begrifflichkeit führt auf das lateinische ‚Ius positivum‘ zurück (ponere = setzen, positum = gesetzt) und bedeutet: ‚gesetztes Recht‘‚ ‚Satzung‘, ‚durch Rechtsprechung, bzw. Rechtsetzung entstanden‘. Unsere parlamentarischen Gesetze sind Normen für ,positives Recht‘, für ‚gesetztes Recht‘, wozu das Gewohnheits- oder Richterrecht gehört. Andere Normen wie beispielsweise die der Moral haben keinen Rechtscharakter. 

Der Rechtspositivismus ist die Bezeichnung für eine rechtswissenschaftliche Richtung innerhalb des Rechtswesens.

Der Rechtspositivismus ist die Bezeichnung für eine rechtswissenschaftliche Richtung innerhalb des Rechtswesens.

Naturrecht ist kein ‚gesetztes Recht‘

Dem Rechtspositivismus gegenüber steht das Verständnis vom höherrangigen ‚Naturrecht‘, welches der Inbegriff ethischer Prinzipien und Maximen ist. Zu verstehen sind darunter göttliche Gebote, Naturgesetze, Vernunft, die Gerechtigkeitsidee sowie die Menschenrechte. Die Naturrechtslehre versucht im Gegensatz zum Rechtspositivismus, das Recht aus der menschlichen Natur her abzuleiten.

„Unrecht versus Recht“

Unrecht und Konflikte in moralisch-ethischem Sinne können ‚positives Recht‘ sein. Vor allem diktatorische Staatsformen bergen Gefahren richterlicher Gesetzesbefolgungen: Richter aus der Zeit des Nationalsozialismus begründeten nach Kriegsende einstige Entscheidungen mit dem ‚positiven Recht‘. Und während des Kalten Krieges verstie?en Schie?befehle an der innerdeutschen Grenze gegen das höherrangige Naturrecht. Der Rechtspositivismus verlangt dem Gesetz gegenüber Gehorsam. Dieser Rechtspositivismus basiert auf Geisteswissenschaften.