Die in der Bibelforschung angewandte Synopse kommt von ihrer Wortbedeutung aus dem Alt-Griechischen. Synopsis setzt sich aus dem Wort „Sehen“ (Opsis) und dem Präfix „syn“ zusammen. „Syn“ bedeutet so viel wie mit oder zusammen. Der kleine Zusatz als Partikel macht sehr schnell klar, worum es in der Bibelforschung in der Synopse geht. Mehrere Texte in der Bibelforschung sollen zusammen- bzw. mitgeschaut werden, um daraus wichtige bibelhistorische Erkenntnisse ableiten zu können. Ähnliches Vorgehen ist aus der Film-Synopsis bekannt.

Was bringt die Synopse in der Bibelforschung?

Letztlich ist die Synopse eine Methode aus der Literaturwissenschaft, die Texte miteinander vergleicht. Die erste Synopse von Johann Jakob Griesbach erschien 1776. Er legte die sogenannten drei Synoptiker des Neuen Testamentes: Matthäus, Markus und Lukas nebeneinander und unterzieht sie literarkritischer Untersuchungen. In den neueren Ausgaben der Synopsen befindet sich noch zusätzlich eine vierte Spalte für das von den Synoptikern unabhängige Johannesevangelium. An katholischen Fakultäten der Theologie wird die Literarkritik als Bestandteil der historisch-kritischen Methode in der Einleitungswissenschaft zum Neuen Testament gelehrt. Synopsen werden in Spalten gedruckt, wo die drei Synoptiker nebeneinander gedruckt stehen, wo es am meisten Übereinstimmungen gibt. Es bleiben auch schon einmal einzelne Stellen in den synoptischen Spalten leer, da möglicherweise Markus etwas nicht hat, was aber Matthäus und Lukas als seitenreferierende Synoptiker haben. Die wichtigste Erkenntnis der synoptischen Bibelforschung kann belegen

  • das Matthäus und Lukas das Evangelium des Markus kannten
  • es eine gemeinsame Quelle Q gab
  • die Evangelien an ganz verschiedenen Orten geschrieben sind.

Die Heilung des Gelähmten (Mk 2, 1-12) in der Bibelforschung

Die Bibelforschung hab gezeigt, dass sich die Evangelien der Bibel gegenseitig widersprechen.

Die Bibelforschung hab gezeigt, dass sich die Evangelien der Bibel gegenseitig widersprechen.

Diese Heilungsgeschichte haben alle drei Synoptiker, doch an ihr kann exemplarisch deutlich werden, wie akribisch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bibelforschung herausgearbeitet werden können. Denn mit einem Vierfarbensystem können die Gemeinsamkeiten bei allen Dreien, mit einer anderen Farbe gekennzeichnet werden, was nur Matthäus und Markus haben und so weiter. Dabei entstehen Muster und Auffälligkeiten und in der Perikope von der Heilung des Gelähmten taucht die Auffälligkeit auf, dass bei Matthäus ein Flachdach eines jüdischen Hauses abgedeckt, bzw. von der Außentreppe des Hauses aus bestiegen und geöffnet wird. Bei Markus aber ist es ein römisches Ziegeldach. Diese „Kleinigkeit“ aber ist so bemerkenswert und durchgängig, sodass daraus ablesbar wird, dass der Evangelist Markus nie in Israel war. Er hat es fern von Israel wahrscheinlich in Rom geschrieben und diese „Kleinigkeit“ übersehen, die für Matthäus, der für Judenchristen im Ostjordanland geschrieben hat, selbstverständlich war. Wie in der synoptischen Meteorologie hinterlässt die Synopsis in der Bibelforschung einen Niederschlag an Erkenntnissen, die herausfordernd wirken.