Der Positivismus (vertreten zum Beispiel von A. Comte, F. Bacon, J. Locke, D. Hume, J. S. Mill und H. Spencer) als philosophisch-erkenntnistheoretische Richtung geht von dem Prinzip aus, dass nur als gesichert angenommen werden kann, was mit wissenschaftlichen Experimenten beobacht- und nachweisbar ist: das Positive, das Tatsächliche und Wirkliche und das, worüber kein Zweifel besteht. Es gibt eine objektive Wahrheit – diese kann objektiv erkannt werden und ist zu verifizieren.

Der Positivismus war lange Zeit die Basis exakter Naturwissenschaft, geriet jedoch durch die enge Festlegung an Grenzen: Metaphysische (zum Beispiel ethische, theologische oder die Fragestellung nach dem Sinn des Lebens) Fragen waren nicht stellbar, theoretisch unmöglich und praktisch nutzlos. Innerhalb des Positivismus folgt zwingend, dass die wissenschaftliche Vallidierung von Hypothesen in den meisten Fällen nicht abgeschlossen ist, ehe nicht jeder infragekommender Fall experimentell überprüft ist. Denn ein einziges Gegenbeispiel würde diese ja widerlegen.

II Der Kritische Rationalismus

Karl Raimund Popper entwickelte in der Auseinandersetzung mit dem Positivismus den kritischen Rationalismus. Diese Erkenntnistheorie ist durch drei wesentliche Merkmale definiert:

  1. Faibilismus
  2. Kritischer Realismus
  3. Methodischer Rationalismus

1. Der Fallibismus

Fallibismus beschreibt das Prizip der Fehlbarkeit menschlicher Erkenntnis und jeglichen Problemlösungsverhaltens. Es ist unmöglich, unfehlbare Wahrheiten und Grundsätze aufzustellen, sondern es muss vielmehr mit kritischem Denken und permanentem Zweifel an jede Problemlösung und vermeintlich sichere Erkenntnisse herangegangen werden.

2. Der kritische Realismus

Karl Raimund Popper entwickelte in der Auseinandersetzung mit dem Positivismus den kritischen Rationalismus.

Karl Raimund Popper entwickelte in der Auseinandersetzung mit dem Positivismus den kritischen Rationalismus.

Der kritische Realismus im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung berücksichtigt, dass durch die sinnliche Wahrnehmung und durch den Prozess von Messungen eine Verzerrung der objektiven Realität entsteht. Der Wissenschaftler muss die Ursachen dieser subjektiv beeinflussten Verzerrung durch methodisches und rationales Herantasten so weit wie möglich minimieren und möglichst ausschließen.

3. Der methodische Rationalismus

Ausgehend vom Fallibismus folgt zwingend, jegliche Problemlösung kritisch und auf Alternativen zu prüfen und ein methodisches sowie rationales Vorgehen zu entwickeln, welches für andere Wissenschaftler nachvollziehbar und reproduzierbar ist.

Für die wissenschaftliche Praxis folgt daraus das heute allgemein gültiges Prinzip zur Erkenntnisgewinnung: Im Gegensatz zum Positivismus geht der Kritische Realismus davon aus, dass wissenschaftliche Hypothesen nicht beweis- und verifizierbar sind, sondern nur durch Einzelerfahrung bestätigt werden können. Da bereits ein einziges Gegenbeispiel die Hypothese falsifizieren würde, sollte jeder Wissenschaftler also versuchen, seine These zu widerlegen. So lange sie Widerlegungsversuchen standhält, solang kann sie als richtig angenommen werden.

Dieses Prinzip der Falsifikation von Hypothesen war für natur- und gesellschaftswissenschaftliche Theorien sehr bedeutsam und richtet sich sowohl gegen Dogmatismus und Szientismus als auch gegen Wahrheitsskeptizismus und der Annahme, dass Wahrheit immer vom eingenommenen Blickwinkel abhängig ist und alles relativ sei.