War Maria Stuart eine Powerfrau? Im Format einer Magarete Thatcher oder Angela Merkel? Ja, schon, aber: das politische Treiben und Taktieren, dieser Frauen in unserer Zeit wirken gegen die Ereignisse im Leben von Maria Stuart wie harmlose, theoretische Rangeleien.

Was sich damals in England, Schottland und Frankreich um Krone, Liebe und Tod abspielte, war so ungeheuerlich, folgenschwer und ereignisreich, dass wir bis heute zu recht fasziniert sind von diesem „Stoff“, egal ob in Form eines Theaterstücks, einer Filmdokumentation oder eines Romans.

Wer war Maria Stuart?

Wir schreiben das Jahr 1542, Schauplatz Linlithgow, Schottland. Dort erblickt sie am 8. Dezember das Licht der Welt. Sie hat keine Zeit für lange Kindergeschichten, denn bereits sechs Tage nach ihrer Geburt „steigt“ sie als Maria I., Königin von Schottland, auf den Thron.

Dieser Start ins Leben, lässt schon erkennen, dass es im weiteren Verlauf nicht gerade beschaulich zugehen wird. Verknüpft durch mütterliche Bande, über zwei Generationen zurück, besteht ein Anspruch seitens Maria Stuarts auf die englische Krone. Eine Tatsache, die das weitere Lebensdrama erst richtig ins Rollen bringen soll. Sie wird dadurch zu einer gefährlichen Gegenspielerin von Königin Elisabeth I. von England.
Zwei starke Frauen mit Bildung und Charakter sollten seitdem wechselseitig dafür sorgen, dass spätere Dichter, Schriftsteller und Historiker, seitenweise Bücher mit den Biografien dieser beiden Frauen und den Ereignissen aus dieser Zeit füllen können.

Maria Stuart wurde nicht nur früh zur Regentin ernannt, sie wurde auch schon im Alter von 6 Monaten dem zukünftigen König von England, Eduard IV, versprochen. Vertraglich wurde vereinbart, dass das königlich Paar gemeinsam Schottland und England regieren sollte. Doch das schottische Parlament löste diesen Vertrag auf und als dessen Folge griff England Schottland an und schlug es vernichtend. Maria sollte gefangen genommen werden, doch ihre Mutter, Marie de Guise, hatte sie vorsorglich in Sicherheit bringen lassen.

Heirat, ein Fortschritt

Doch bereits ein zweiter königlicher Gemahl war in Aussicht: der französische Thronfolger Franz II, zu dem die damals 6-jährige Maria sogleich geschickt wurde. 1558 heiratete Maria Stuart den 2 Jahre jüngeren Dauphin. 1559 wurde Maria Stuart Königin von Frankreich. Bereits ein Jahr später starb Franz II an Tuberkulose und Maria kehrte in das rückständige, inzwischen von ihrem Halbbruder James regierte und nun mehrheitlich protestantische Schottland zurück – ein Kulturschock für die gebildete Frau.

Religion, Macht, Streit und eine weitere Heirat

In England war inzwischen Elisabeth I Maria I auf den Thron gefolgt. Sie war umstritten, denn sie sei als uneheliches Kind keine legitime Thronerbin. Die legitime Erbin sei Maria Stuart.

Die 16-jährige Maria Stuart nach einem Gemälde von François Clouet.

Die 16-jährige Maria Stuart nach einem Gemälde von François Clouet.

Elisabeth I, Protestantin, und Maria Stuart, Katholikin, wechselten Briefe: freundliche, solidarische und zutiefst heuchlerische. Elisabeth wollte, dass einer ihrer (protestantischen) Vertrauten Maria Stuart geheiratet, doch diese verliebte sich in den Katholiken Henry Darnley. Durch diese Heirat hatte sich der Anspruch Maria Stuarts auf den englischen Thron noch verstärkt, da auch Darnley ein Nachfolger Heinrich des VII war.

Lange hielt das Liebesglück nicht, Darnley war Maria Stuart nicht gewachsen. Ein Rivale in Gestalt eines Musikers und Dichters gewann die Gunst der Königin und bezahlte mit dem Leben; Darnley und einige Gefolgsleute ermordeten den Nebenbuhler und nahmen die schwangere Maria gefangen. Maria aber gelang mit List die Flucht und Darnley musste das Land verlassen, ohne die Geburt seines Sohnes Jakob mitzuerleben.

Liebe, Intrigen, Tod

Der Earl of Bothwell wurde der nächste Liebhaber der Königin und ermordete, mit Marias Zustimmung, Darnley. Bothwell meldete nach seiner Heirat mit Maria seinen Machtanspruch an, doch es fehlte ihm an Rückhalt und so mussten Maria und er vor den aufgebrachten schottischen Fürsten bei Verbündeten Zuflucht suchen. Sie wurden aufgespürt und Bothwell floh nach Dänemark.

Von Elisabeth I erhielt Maria Stuart zunächst Unterstützung, aber im weiteren Verlauf wendete sich Elisabeth gegen ihre Cousine: 
Anhänger Maria Stuarts organisierten Widerstand, und Elisabeth, über alles informiert, nutzte die Gunst der Stunde: in konspirativer Weise wurde ein glühender Verehrer Maria Stuarts dazu gebracht, ein Attentat auf Elisabeth verüben zu wollen und Maria um ihre Zustimmung hierfür zu bitten. Genug, um Maria Stuart einen Prozess wegen Hochverrats zu machen und der endete, wie wir wissen, mit der Schuldigsprechung und Enthauptung Maria Stuarts am 7. Februar 1587.

Historischer Werdegang von Maria Stuart

Grafik: Historischer Werdegang von Maria Stuart

Solch ein Drama kann man nicht erfinden. Kein Wunder, dass dieses Stück Geschichte um die Person Maria Stuart, bis heute historisch und künstlerisch bearbeitet wird. Allem voran und weltberühmt sind die Theater Inszenierungen nach Friedrich Schillers „Maria Stuart“ von 1800.