Die Erkenntnistheorie ist ein Teilgebiet der Philosophie. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, was Existenz bedeutet, wie Menschen Erkenntnis erlangen und wie sie diese Ausdrücken können.

Denken über das Denken

Am Anfang der Erkenntnistheorie steht ein einfaches Beispiel: auf einem Tisch steht ein Apfel. Die Frage ist nun: woher weiß ein Betrachter, dass dieses runde Ding auf dem Tisch ein Apfel ist? Woher weiß man, welche Farbe der Apfel hat, wie er schmeckt, riecht und so weiter. Die Erkenntnistheorie stellt also die Frage, auf welchem Weg ein Lebewesen zur Erkenntnis kommt. Das begann bereits im Antiken Griechenland mit Philosophen wie Platon und Aristoteles.

Mit seiner Ideenlehre war Platon einer der ersten Vertreter der Erkenntnistheorie.

Mit seiner Ideenlehre war Platon einer der ersten Vertreter der Erkenntnistheorie.

Platon vertrat unter anderem die Theorie, dass Menschen die Begriffe aller Objekte bereits von Geburt an im Kopf haben. Demnach würde man also schon als Baby die „Idee“ vom Apfel kennen, aber erst durch das Anschauen und Anfassen würde man die Idee konkretisieren. Aristoteles interessierte sich dagegen weniger für die Gewinnung der Erkenntnis, sondern dafür, was man mit Erkenntnis machen sollte. Darum werden die Erkenntnistheorie nach Aristoteles auch oft mit Themen wie Ethik und Politik gleichgesetzt.

Die Philosophen der Neuzeit hinterfragten wiederum öfter, ob die Erkenntnis, die ein Lebewesen gewinnen kann, auch empirisch belegt werden kann und dadurch eine Gültigkeit besitzt. Vereinfacht ausgedrückt ging man der Frage nach, ob das, was man mit seinen fünf Sinnen wahrnimmt, auch wirklich der Realität entspricht. Woher weiß man beispielsweise wie die Farbe rot aussieht? Vielleicht ist die Farbe in Wahrheit blau, wird von den menschlichen Sinnen aber nur anders interpretiert. Ausgehend von solchen Gedankengängen kam dann auch zwangsweise die Frage auf, ob man der durch Sinneseindrücken gewonnen Erkenntnis trauen kann.

Vom Denken zum Vermitteln

Ein weites Teilgebiet der Erkenntnistheorie ist die Semiotik und das Wiedergeben von Wissen und Gedanken. Dabei wird untersucht, wie sich Lebewesen verständigen und welche Unterschiede zwischen dem Gedanken und dem Gesprochenen existieren. Auch die Frage nach dem Verstehen und Anwenden von Kommunikation ist für die Semiotik wichtig, um beispielsweise Vergleiche zwischen der Semantik unterschiedlicher Sprachen anzustellen. Außerdem wird im Rahmen der Erkenntnistheorie untersucht, inwiefern Symbole und Zeichen von verschiedenen Kulturen aufgefasst und interpretiert werden. So wird beispielsweise die Entstehung der chinesischen Schriftzeichen in der Linguistik anhand von Methoden aus der Erkenntnistheorie überprüft, um zu erklären, wie die Zeichen zustande gekommen sind. Auch die Frage, ob ein Zeichen unterschiedliche Ursprünge haben könnte, wird nicht vernachlässigt und soll darüber Aufschluss geben, wie Ideen bzw. Gedanken entstehen und wie sie umgesetzt werden können.