Sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz wird jährlich das Unwort des Jahres gekürt. Der ausgewählte Ausdruck stellt somit das Gegenstück zum von der Gesellschaft für deutsche Sprache bestimmten Wort des Jahres dar. Im Gegensatz hierzu handelt es sich jedoch um negativ besetzte Ausdrücke, die im enstprechenden Jahr im öffentlichen Sprachgebrauch vermehrt verwendet wurden oder für ein besonderes Maß an Empörung gesorgt haben.

Rhetorische Mittel zu weit getrieben

Das Unwort des Jahres muss laut der für die Wahl in Deutschland verantwortlichen Sprachkritischen Aktion gegen die sachliche Angemessenheit oder die Humanität verstoßen. Häufig handelt es sich um beschönigende Ausdrücke, Hyperbeln oder Euphemismen, die somit versuchen einen negativen Sachverhalt ins Positive zu verkehren oder stark übertreiben. Ein Beispiel hierfür ist das Unwort des Jahres 1998, sozialverträgliches Frühableben. Es unterstellt, dass Menschen mit dem Eintritt in das Rentenalter dem Staat keinen Nutzen mehr erbringen würden und das somit ihr Ableben sozialverträglich wäre. Neben der Beschönigung finden sich als weitere Auswahlkriterien für das Unwort des Jahres Verstöße gegen das Prinzip der Menschenwürde oder das Prinzip der Demokratie. Oftmals erfüllen die ausgewählten Begriffe gleichzeitig diese Kriterien und sind darüber hinaus auch euphemistisch oder beschönigend, so beim Unwort des Jahres 2006, der freiwilligen Ausreise, als verschleiernder Ausdruck für die Abschiebung. Auch die Diskriminierung bestimmter Gruppen durch ein Wort kann ein Kriterium für die Auswahl von diesem sein.

Von unabhängigen Experten ausgewählt


Ob die Semantik eines Begriffs so zu verstehen ist, dass sie für die Auswahl als Unwort infrage kommt, wird von einer unabhängigen Jury entschieden. Diese besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, ein weiteres Mitglied wird im jährlichen Wechsel zusätzlich berufen. Die auswählenden Experten können bei ihrer Entscheidung auf eine große Anzahl von Begriffen zurückgreifen. Diese wählen sie nicht selber aus, vielmehr handelt es sich um Vorschläge, die im Laufe eines Jahres von Bürgerinnen und Bürgern eingesendet werden. Somit ist es jedermann möglich Wörter einzusenden, die dem persönlichen Empfinden nach besonders den Kriterien für das Unwort entsprechen. Neben dem eigentlichen Unwort des Jahres werden in der Regel noch zwei weitere Begriffe der Öffentlichkeit vorgestellt, die in der engeren Auswahl waren und ebenfalls den Anforderungen entsprochen haben.