Als Euphemismus (von griechisch „euphemia“, die gute Rede) bezeichnet man beschönigende Umschreibungen, die eine unangenehme Aussage mildern oder eine Tatsache verhüllen sollen, die man nicht allzu deutlich aussprechen möchte. In vielen Lebensbereichen ist der Euphemismus unverzichtbar, zum Beispiel wenn es darum geht, den Tod eines geliebten Menschen mitzuteilen oder wenn das Gespräch auf mehr oder weniger tabuisierte Themen kommt.

Euphemismus

Verwendung findet der Euphemismus meist dann, wenn negativ besetzte Inhalte beschönigt und positiv umschrieben werden sollen.

Beispiele für den Euphemismus in der Alltagssprache

Verwendung findet der Euphemismus meist dann, wenn negativ besetzte Inhalte beschönigt und positiv umschrieben werden sollen, aber auch dann, wenn die Gesprächssituation eine allzu drastische Ausdrucksweise verbietet. Beispiele für den Euphemismus im Sprachgebrauch sind:

  • Tod und Sterben: „ableben“, „das Zeitliche segnen“, „entschlafen“, „die ewige Ruhe finden“.
  • Körperfunktionen: „Stuhlgang“, „das stille Örtchen aufsuchen“, „ein Bäuerchen machen“, „transpirieren“.
  • Sexualität: „miteinander schlafen“, „Liebe machen“, biblisch: „einander erkennen“.
  • Wirtschaft und Politik: „Nullwachstum“ statt Stagnation, „Freisetzung“ statt Entlassungen, „Kollateralschäden“ statt zivile Opfer.
  • Vermeidung von diskriminierender Sprache: „anders fähige Person“ statt geistig Behinderter, „barrierefrei“ statt behindertengerecht, „bildungsfern“ statt ungebildet, dumm.
  • Religion: „der Leibhaftige“ statt Teufel.

Wie die Beispiele zeigen, gibt es neben dem angemessenen Euphemismus auch Formen der Beschönigung, die weniger lautere Ziele verfolgen. Der Euphemismus „Kollateralschaden“ beschönigt nicht nur, er verschleiert den tatsächlichen Sachverhalt. So mancher Euphemismus wurde daher von der Gesellschaft für Deutsche Sprache zum Unwort des Jahres gekürt. Neben dem bereits erwähnten „Kollateralschaden“ findet man in dieser „Ruhmeshalle“ Euphemismen wie „ethnische Säuberung“, „sozialverträgliches Frühableben“ und „Entlassungsproduktivität“. Sollte man Euphemismen deshalb lieber vermeiden?

Die zwei Seiten der sprachlichen Beschönigung

Der Euphemismus ist ein zweischneidiges Schwert. In vielen Situationen ist er dazu geeignet, eine Aussage zu entschärfen und eine Botschaft für den Empfänger so angenehm wie möglich zu verpacken. Da mit der Entschärfung stets eine Verschleierung der vermittelten Tatsachen verbunden ist, eignen sich Euphemismen aber auch als sprachliche Waffe im politischen Meinungskampf. Die Unterschiede zwischen gut gemeinter Beschönigung und beabsichtigter Täuschung liegen dabei meist in der Motivation des Senders.